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NÖ Jagdverband mit neuer Führung

26. Februar 2022 -
NÖ Jagdverband - © Photonews/Georges Schneider
© Photonews/Georges Schneider

Vor etwa einem halben Jahr wurden im Zuge des Landesjäger­tages die jagdlichen Weichen in Niederösterreich neu gestellt, und das Präsidium des NÖ Jagdverbandes ist seither personell verändert. – Wir stellen vor.

Seit dem letzten Landesjägertag im Sommer 2021 weht im Präsidium des NÖ Jagdverbandes ein frischer Wind: Ing. Gerald Friedl, Ing. Franz Hochholzer und BJM Ing. Johannes Unterhalser stehen seither an der Seite von DI Josef Pröll, der die Jagd in Niederösterreich seit 10 Jahren als Landesjägermeister repräsentiert. Nach 200 Tagen im Amt haben wir mit den Neuzugängen gesprochen und die Gelegenheit genutzt, um auch deren Vorgänger – Rupert Gruber, BJM ÖR Albin Haidl und BJM Dir. Werner Spinka – um ein Statement zu bitten.

Landesjägermeister Josef Pröll

WEIDWERK: Sepp, du bist bereits seit zehn Jahren Landesjägermeister von Niederösterreich – Gratulation zu diesem Jubiläum! Welche Highlights hat deine Amtsperiode mit sich gebracht? Gab es dabei Meilensteine, die den Jägerinnen und Jägern neue Möglichkeiten eröffnet haben?
DI Josef Pröll: Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht! Ja, die von dir angesprochenen zehn Jahre haben nicht nur den NÖ Jagdverband durch zahlreiche Neuerungen geprägt, sondern auch Auswirkungen auf die Jägerinnen und Jäger gehabt. Ich glaube, dass wir auf unsere Performance durchwegs stolz sein können. Gerade im jagdlichen Handwerk gab es zahlreiche Novitäten, wobei zuerst die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden mussten. Als Beispiele möchte ich die Legalisierung der Nachtzielhilfen für die Schwarzwildjagd sowie die des Schalldämpfers anführen. Wir haben uns als Jagdverband auch proaktiv in die Gesetzgebungsprozesse auf Landes- und Bundesebene eingebracht und dabei viel zum Positiven verändern können. Trotz wechselnder politischer Kräfte auf Bundesebene haben wir eine klare Linie halten können, auf die wir zu Recht stolz sind.
Zudem haben wir den NÖ Jagdverband in den letzten Jahren von Grund auf modernisiert; Meilensteine haben wir im Bereich der Kommunikation gesetzt, etwa mit Social Media (Facebook, YouTube, Instagram), um die nicht jagende Bevölkerung zu erreichen. Zudem gibt es auch eine neue, funktionale App. Ein Newsletter ist installiert worden, mit dem wir uns schnell mit unseren Mitgliedern austauschen können. Diese Dinge bringen uns voran, machen uns schlagkräftiger!
In den letzten zehn Jahren hat sich noch etwas Positives gezeigt, nämlich einerseits die steigende Zahl der Jäger in Niederösterreich und andererseits der Anstieg des Frauenanteils. – Alles Zeichen, dass die Jagd in Niederösterreich attraktiv ist und floriert!

WEIDWERK: Auch „Jagd Österreich“ ist aus der Taufe gehoben worden. Dabei war Niederösterreich maßgeblich beteiligt, oder?
Pröll: Wir haben mit „Jagd Österreich“ einen neuen Pflock eingeschlagen, um die Kräfte der österreichischen Jagdverbände zu bündeln. Ich darf als nieder­österreichischer Landesjägermeister derzeit den Vorsitz führen und halte dieses Projekt für absolut zukunftsfähig! Auch in Brüssel wird Jagd Österreich als Lobbyist ganz besonders gefordert sein. Genau dafür braucht es diese Koordinationsplattform.

WEIDWERK: Du hast gleich nach deiner Wahl 2012 klargemacht, dass dir die Aus- und Weiterbildung der Jägerinnen und Jäger wichtig ist, um sie „als Wissende“ zu positionieren. Wie gut ist dir das gelungen?
Pröll: Ich denke, dass wir auch in der Ausbildung Meilensteine gesetzt haben. Das Team des NÖ Jagdverbandes mit Mag. Sylvia Scherhaufer und Leo Obermair, MSc. an der Spitze ist maßgeblich daran beteiligt, dass die Ausbildung zum „Handwerker“ Jägerin und Jäger derart fortgeschritten ist. Wir spüren das auch: Jene, die die Jagdprüfung in Niederösterreich ablegen, bedanken sich oft dafür, was da an Fachwissen transportiert werde. Wir haben es – nicht zuletzt beschleunigt durch die Coronapandemie – auch geschafft, ein rein analoges Ausbildungssystem in ein hybrides zu entwickeln, bei dem es möglich ist, digital zu lernen bzw. zu unterrichten. Und diese Mischung wird es in Zukunft auch ausmachen, um das Handwerk Jagd effizient und professionell zu vermitteln.

WEIDWERK: Apropos Corona. Die letzten beiden Jahre waren von der Pandemie überschattet, und ein Ende scheint nicht so schnell in Sicht. Wie hat sich diese auf die Jagd ausgewirkt? Musste auch der NÖ Jagdverband ein „Krisenmanagement“ etablieren, und wenn ja, in welcher Form?
Pröll: Corona war und ist für die gesamte Gesellschaft eine besondere Herausforderung. Ja, wir haben in der Jagd in Niederösterreich und Österreich sehr schnell reagiert, und wir können heute sagen, dass die Jagd eine der ganz wenigen Gesellschaftsbereiche ist, die nahezu unbeschadet durch die Coronakrise geführt werden konnten und im Gegensatz dazu sogar gewonnen haben. Nämlich in Form der Anerkennung seitens des Gesetzgebers, dass wir unverzichtbar sind und unser Handwerk auch in einer Krise weiter ausüben müssen – im Sinne der Land- und Forstwirtschaft und im Sinne des Gemeinwohls. Ich denke, dass das für viele einen „Aha-Effekt“ gebracht hat. Wenn sich die Jagd ordentlich aufstellt und gut argumentiert, kann sie auch in einer Krise zeigen, was sie leistet. Und das ist uns gelungen!

WEIDWERK: Der NÖ Jagdverband möchte schon seit einiger Zeit nach Niederösterreich übersiedeln. Wie weit ist das Projekt gediehen?
Pröll: Der Grundsatzbeschluss ist gefasst, und wir weichen davon auch nicht ab. Durch die Coronakrise hat es allerdings in der Bauwirtschaft zahlreiche Verwerfungen gegeben. Wir hatten ein ganz konkretes Projekt – ein Neubauprojekt – im Fokus. Dieses kann aber aufgrund der Baukosten­explosion in dieser Form leider nicht umgesetzt werden. Dennoch bin ich optimistisch – wir haben mehrere Projekte in der Pipeline –, dass wir noch vor 2025 in Niederösterreich und wahrscheinlich in St. Pölten unsere neuen Zelte aufschlagen können.

WEIDWERK: Du sprühst immer noch vor Energie und Ideen. Welche Ziele möchtest du mit dem NÖ Jagdverband noch erreichen?
Pröll: Thematisch beschäftigt mich natürlich die immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit Jagdgegnern, und dazu braucht es einfach eine professionelle, breite Diskussionsfähigkeit bei den Jägern. Das sehe ich gestärkt. Ich merke überall, dass Jägerinnen und Jäger für unsere Sache argumentieren, und das macht mich stolz! Denn wir müssen dagegenhalten und es zu argumentieren verstehen. Meine zentrale Aufgabe ist es, die Jagd in Niederösterreich, derzeit auch in Österreich, im Zentrum der Gesellschaft zu positionieren, nämlich als dessen unverzichtbaren Bestandteil. Man kann dagegen oder dafür sein, aber man muss anerkennen, welche Leistungen die Jagd für die Allgemeinheit erbringt. Dafür werben wir mit allen Möglichkeiten einer modernen Kommunikationskultur. Wir sind in Niederösterreich dabei, Medienpartnerschaften auszubauen. Uns gelingt eine sehr gute Kooperation mit regionalen Medien, mit beinahe allen Zeitungen und auch öffentlich-rechtlichen Medien, um zum Beispiel die Fragen zu Freizeit­nutzung, Wild­un­fällen, Wildbret oder dergleichen fachkundig zu beantworten; nicht popu­listisch, sondern klar und mit professionellen Argumenten. Das ist etwas, worin ich die zentrale Aufgabe eines Landesjägermeisters sehe: die Vernetzungen in der Politik, der Gesellschaft und den Medien für die Anliegen der Jagd zu pflegen und zu nutzen.

Gerald Friedl

Gebietszuständigkeit: Waldviertel
Berufliches: Hygienetechniker des Arbeitsinspektorats NÖ Wald- und Mostviertel, Landwirt
Jagdliches: mit dem Vater bereits seit früher Kindheit im Revier unterwegs; Großvater und Urgroß­vater väterlicherseits sowie der Großvater mütterlicherseits waren Jäger; der Weg zur Jagdprüfung entstand durch die Arbeit mit dem Hund; 2001 Jagdprüfung, mittlerweile 22 Jagd­karten; seit 2006 Jagdaufseher in einer Genossenschaftsjagd; Hundeführer seit 2004; Lieblingshund: jeder brauchbare Jagdhund
Persönliches: 42 Jahre alt, seit 2010 verheiratet mit Nicole, Vater von Franziska (10) und Lorenz (8)
Zuständig für die Fachausschüsse: Jagdhunde, Schießwesen, Schwarzwild, Sicherheit im Jagdbetrieb

WEIDWERK: Gerald, welche jagdlichen Ziele möchtest du als Präsidiumsmitglied gerne erreichen?
LJM-Stellv. Ing. Gerald Friedl: Das jagdliche Ziel, welches ich verfolge, ist, dass die Jagd als Ernte gesehen wird. Die Jägerinnen und Jäger betreiben 12 Monate im Jahr Wildhege und verstehen ihr Handwerk, sei es beim Gestalten des Lebensraumes, beim Schießen oder auch in der Wildbretverarbeitung. Wir sind die Fachkompetenz im Revier und sollten auch als solche wahrgenommen werden, damit auch die nächsten Generationen über gesicherte Wildbestände verfügen. Zusätzlich ist mir die Aus­bildung der Jungjäger ein großes Anliegen, insbesondere die praktische Vorbereitung auf den ersten Ansitz, die Birsch oder die Gesellschaftsjagd.

WEIDWERK: Wo siehst du in der heutigen Zeit den größten Handlungsbedarf, die Jagd betreffend?
Gerald: Den Populationsrückgang von Rebhuhn, Feldlerche, Kiebitz und Wachtel, der ohne Management dazu führt, dass diese Arten bei uns verschwinden werden, dürfen wir nicht einfach über uns ergehen lassen. Somit ist es wichtig, mit den Freizeit- und Naturnutzern im Dialog zu klären, dass ohne dem Management der Jäger das Rebhuhn bei uns verschwinden wird. Jeder Naturnutzer sollte bewusster die Lebensbedingungen und Grundlagen des Wildes erkennen, da er als Hunde- oder Katzenbesitzer sowie als Freizeit- oder Erholungsuchender diese Bedingungen maßgeblich beeinflusst.

Jeder Naturnutzer sollte bewusster die Lebensbedingungen und Grundlagen des Wildes erkennen, da er diese Bedingungen maßgeblich beeinflusst.

Franz Hochholzer

Gebietszuständigkeit: Mostviertel
Berufliches: Geschäftsführer bei „Form-on“ (Handelsunternehmen des Doka-­Konzerns)
Jagdliches: jagdliches Handwerk in Mostviertler Reh- und Niederwildrevier gelernt; später Erfahrungen mit Rot- und Gamswildjagd; jagdliche Passion von Groß­vater geerbt; Jagdhornmusiker in der Jagdhornbläsergruppe Preinsbach; 2001 Jagdprüfung, seitdem 22 Jagdkarten; seit 2013 Jagdaufseher; 2015–2021 Bezirksjägermeister von Amstetten
Persönliches: 54 Jahre alt, seit 1992 verheiratet mit Ingrid, Vater von Theresa (28) und Matthias (24)
Zuständig für die Fachausschüsse: Raufußhühner, Rot- und Gamswild, Wildbret & Wildtiergesundheit

WEIDWERK: Franz, welche jagdlichen Ziele sind dir als Präsidiumsmitglied besonders wichtig?
LJM-Stellv. Ing. Franz Hochholzer: Die Jagd soll „generationensicher“ sein. Das erfordert eine gesetzliche, organisatorische, jagdfachliche und finanzielle Stabilität. Jagd ist gelebter Naturschutz. Das bedeutet, Wildlebensräume müssen erhalten und verbessert werden. Besonders die Kulturflüchter sind biotop­sensibel und benötigen Ruhe­zonen. Das Handwerk Jagd und die Naturkompetenz der Jägerinnen und Jäger sollten noch stärker in der Gesellschaft positioniert werden – das braucht eine gute Aus- und Weiterbildung der Jäger und selbstverständlich auch eine Wissensvermittlung in der Gesellschaft. Es ist wichtig, dass wir die Jagd nach außen hin positiv positionieren – für all jene Menschen, die mit der Jagd nichts zu tun haben. Wir Jäger selbst müssen uns konsequent an die Gesetze und Vorschriften halten, sodass wir selbst keine Angriffsflächen bieten. Jagd ist ein Teil von Nieder­österreich sowie der Land- und Forstwirtschaft. Daher ist ein enger Schulter­schluss mit Land- und Forstwirtschaft und anderen Interessengruppen über unsere Fachausschüsse notwendig. Die Jagd benötigt weiterhin eine starke Gemeinschaft.
Der Niederösterreichische Jagd­verband soll über seine Funktionäre noch greifbarer für die Mitglieder werden. Da ist in den letzten Jahren schon sehr viel Positives passiert. Gute Zusammenarbeit ist eine essenzielle Basis. Mir ist auch wichtig zu sagen, dass es auf jede einzelne Jägerin und jeden einzelnen Jäger ankommt, und ich hoffe, dass sich auch künftig viele engagierte Jagdleiter, Hegeringleiter, Bezirksjägermeister und Funktionäre finden werden. Neben der Gebiets­zuständigkeit – bei mir ist es das Mostviertel – haben wir uns die Zuständigkeiten im Präsidium als jeweilige Ansprechperson für die Fach­aus­schüsse aufgeteilt. Für die Fach­aus­schüsse Rot- und Gamswild, Raufußhühner und Wildbret fungiere ich als direkte Brücke ins Präsidium des NÖ Jagdverbandes.

WEIDWERK: In welchem Bereich hat die Jagd deiner Meinung nach besonderen Handlungsbedarf?
Franz: Als Jäger sind wir dem Wild verpflichtet! Dazu braucht es Rahmen­bedingungen, um diesen Auftrag in vielerlei Aspekten zu erfüllen. Rahmenbedingungen, wie Schusszeiten, Fütterungen usw., müssen stark positioniert und die bereits vorhandenen Pflöcke noch stärker eingeschlagen werden. Heute und noch viel mehr für zukünftige Generationen. Es geht um die Erhaltung eines gesunden und artenreichen Wildbestandes, um Biodiversität, um den Erhalt einer Jagd-Kultur in unserer Gesellschaft. Jäger sind in hohem Maße Naturschützer. Bei vielen Begegnungen in den Schulen und in Gesprächen mit anderen Naturnutzern merken wir, wie groß das Anliegen ist, unsere Landschaft und die darin lebenden Tiere zu erhalten. Da müssen wir weiter ansetzen und unseren Beitrag leisten!

Das Handwerk Jagd und die Naturkompetenz der Jägerinnen und Jäger sollten noch stärker in der Gesellschaft positioniert werden.

Johannes Unterhalser

Gebietszuständigkeit: Industrieviertel
Berufliches: Landwirt in Biedermannsdorf (hat Betrieb von Mutter über­nommen)
Jagdliches: 1970 als Jagdhelfer begonnen; Vater und Großvater waren ebenfalls Jäger, die gesamte Familie ist jagdaffin; Mutter überzeugte ihn, die Tradition fortzuführen und die Jagdprüfung abzulegen; nach der ersten Treibjagd war die Jagdpassion endgültig geweckt; 1979 Jagdprüfung, derzeit 44 Jagd­karten; seit 2011 Jagdaufseher; seit 2013 Bezirksjägermeister von Mödling
Persönliches: 62 Jahre alt, seit 2009 verheiratet mit Marlene, Vater von Theresa (33) und Anna (24)
Zuständig für die Fachausschüsse: Jagdliches Brauchtum, Niederwild, Rehwild

WEIDWERK: Johannes, welche jagd­lichen Ziele sind auf deiner Agenda ganz oben zu finden?
LJM-Stellv. Ing. Johannes Unterhalser: Eines meiner vorrangigen Ziele wäre, die positive Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung zu festigen und eventuell noch zu verbessern. Des Weiteren ist es mir wichtig, dass man den Jägerinnen und Jägern in einer Zeit der fortschreitenden Digitalisierung nicht das jagdliche Handwerk sowie dessen Tradi­tionen vergessen lässt. Die Technik ermöglicht es heute, Schwarzwild mittels Drohnen und Wärmebildkameras zu bejagen. Jedoch fehlt hier die Bewegung im Revier, das Birschen, das Jagengehen. Jagd ist mehr als nur Schießen! Zusätzlich darf die Weitergabe von jagdlichem Wissen, wie es die erfahrenen Jäger haben, nicht übersehen werden, da dadurch die Jungjäger gefördert werden.

WEIDWERK: Was sollte deiner Meinung nach getan werden, um die Jagd fit für die Zukunft zu machen?
Johannes: Man muss der nicht jagenden Bevölkerung verstärkt die wichtige Bedeutung der Jagd für unser Wild und unsere Kulturlandschaft vor Augen führen. Der Jugend muss der Zugang zu Jagd und Natur ermöglicht und zudem mit modernen Hilfsmitteln erleichtert werden. Darüber hinaus soll den Jägern, trotz Digitalisierung, das Gefühl für die Ursprünglichkeit der Jagd erhalten bleiben.

Es ist mir wichtig, dass man den Jägerinnen und Jägern in einer Zeit der fortschreitenden Digitalisierung nicht das jagdliche Handwerk sowie dessen Traditionen ver­gessen lässt.

Beim nö. Landesjägertag 2021 endete die Ära von drei stellvertretenden Landesjägermeistern, mit denen wir über deren Aufgaben und Erfolge gesprochen haben:

Rupert Gruber

WEIDWERK: Rupert, du konntest in deiner Laufbahn einiges in der Biotop­hege bewirken. Welcher nächste Schritt in Richtung Naturschutz ist dir ein großes Anliegen?
Rupert Gruber: Da die Felder in unseren Revieren immer größer werden, müssen wir Jägerinnen und Jäger Flächen im Einvernehmen mit den Grundbesitzern zur Pflege übernehmen, um eine schonende und biodiversitäts­fördernde Bewirtschaftung zu gewährleisten.

WEIDWERK: Du verfügst gerade beim Rehwild über ein breites Fachwissen. Wie siehst du die jagdlichen Herausforderungen im Bezug auf den Waldumbau aufgrund der Borkenkäferkalamitäten?
Rupert: Natürlich hat der zuständige Jäger (Jagdleiter) in diesen Revieren den Abschuss dementsprechend zu erhöhen, mindestens um 20 bis 30 %. Durch die Schwerpunktbejagung und möglichst frühe Abschüsse kann die Verbisslage entschärft werden, jedoch ist es wichtig, mit dem Grund­besitzer im Gespräch zu bleiben.

WEIDWERK: Kannst du ein paar Meilensteine nennen, die deine Zeit als LJM-Stellvertreter geprägt haben?
Rupert: Unter anderem der Beschluss, dass der Landesjagdverband nach St. Pölten verlegt wird. Vor allem war mir die Jagdleiterschulung ein großes Anliegen. Des Weiteren war es mir wichtig, die Jungjägerausbildung online zu unterstützen und die anderen Naturnutzer auf das richtige Verhalten draußen in unseren Revieren hinzu­weisen.

Es war mir wichtig, die Jungjägeraus­bildung online zu unterstützen und die anderen Naturnutzer auf das richtige Verhalten in unseren Revieren hinzu­weisen.

Albin Haidl

WEIDWERK: Albin, woran erinnerst du dich, wenn du an deine Zeit als LJM-Stellvertreter zurückdenkst?
BJM ÖR Albin Haidl: Es war eine wunderschöne Zeit, und wir haben uns im Präsidium sehr gut verstanden. Ich konnte sehr viele Weidkameraden in ganz Niederösterreich kennenlernen, unter anderem bei den verschiedenen Bezirksjägertagen, bei Landesmeisterschaften im Schießwesen, bei großen Hundeprüfungen, bei den Jagd­horn­bläserwett­bewerben und in den verschiedenen Fachausschüssen. Sowohl der Beginn von JIS-Online als auch der des Revierhundes und die langen Diskussionen um das neue Logo des NÖ Jagdverbandes waren sehr spannend. Auch die Entscheidung für die Bestellung der Generalsekretärin war eine große Verantwortung. Besonders getroffen hat mich der frühe Tod von Dr. Peter Lebersorger, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe.

WEIDWERK: Eine Jagd ohne Hund wirst du dir als Hundeführer und auch -züchter kaum vorstellen können. Wie kamst du zur Jagd mit eigenem Hund, und was ist das Besondere daran?
Albin: Ich absolvierte mit siebzehn Jahren die Jagdprüfung, und bereits ein Jahr später führte ich eine Deutsch-Kurzhaar-Hündin. Mit dem ersten Deutsch Kurzhaar war ich als junger Hundeführer sehr erfolgreich – ich konnte diese Hündin bis zur Zucht­erlaubnis führen. Bei all meinen jagdlichen Tätigkeiten ist immer ein Deutsch Kurzhaar an meiner Seite. Ich bin als Hundeführer sehr eifrig und habe es mit meinen Hunden bis zum „Silbernen Meisterführer“ gebracht (vierzehn erfolgreiche Vollgebrauchsprüfungen). Auch den Weg zum Leistungsrichter habe ich eingeschlagen und bin seither bei verschiedenen Prüfungen und Ver­einen en­gagiert. Derzeit führe ich eine Zuchthündin, eine zweijährige Hündin und einen jungen Rüden aus eigener Zucht.

WEIDWERK: Welche Tipps kannst du einer Jungjägerin/einem Jungjäger mit auf den Weg geben?
Albin: Ich empfehle jeder Jungjägerin und jedem Jungjäger, sich einem jagdlichen Verein anzuschließen, um bei den verschiedenen Veranstaltungen unter Gleichgesinnten sein zu können. Man muss sich immer Folgendes vor Augen halten: Nicht das Gewehr oder der Geländewagen macht den weid­gerechten Jäger aus, sondern die innere Einstellung und das weidgerechte Jagen. Darüber hinaus gilt für einen guten Jäger, sich in allen jagdlichen
Tätigkeiten zur Verfügung zu stellen und im Jahresablauf bei allen jagd­lichen Aufgaben mitzuwirken. Und: Man muss auch Verantwortung übernehmen, wenn es um jagdliche Funktionen im Hegering, auf Bezirks- oder Landesebene geht.
Wenn man die Möglichkeit hat, sich einen Jagdhund anzuschaffen, dann sollte man das unbedingt tun. Mit einem gut geführten Hund kommt man immer wieder auch zu Jagd­ein­ladungen. Zum Schluss noch eine Bitte: Steht immer und überall zur Jagd, egal, in welchen Beruf oder in welcher Gesellschaft ihr euch befindet!

Nicht das Gewehr oder der Gelände­wagen macht den weidgerechten Jäger aus, sondern die innere Einstellung und das weid­gerechte Jagen.

Werner Spinka

WEIDWERK: Werner, durch dein fundiertes Fachwissen und deine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft hast du dir einen Namen als Rotwild­experte gemacht. Wie hat sich zum Beispiel die Wildschadenssituation in den letzten Jahren ver­ändert?
BJM Dir. Werner Spinka: Anfang der 1990er-Jahre hat es massive Schäden gegeben, die auch zu einer umfang­reichen Novellierung des NÖ Jagdgesetzes geführt haben. Insbesondere die gesetzlich vorgeschriebene Absprache zwischen den Grundeigentümern und den Jagdausübungsberechtigten, die Wildschäden betreffend, hat letztlich zum Erfolg geführt. Aus heutiger Sicht gibt es regional noch einige Bereiche, in denen die Wildstandsreduktion noch nicht vollständig abgeschlossen ist. In den meisten Bereichen sind die Wilddichten angepasst, was an den wenigen Schadensverfahren und am vorhandenen Geschlechterverhältnis erkennbar ist.
Zahlreiche wissenschaftliche Projekte wurden unter meinem Vorsitz des Fachausschusses für Rot- und Gamswild initiiert und begleitet, wie z. B.:

  • Einfluss anthropogener Störungen auf das Raumverhalten bei Rotwild
  • Optimierung der Rotwild­schuss­zeiten
  • Einfluss der Geschlechter- und Altersstruktur eines Rotwildbestandes auf das Geschlechterverhältnis der Kälber
  • Genetik beim Rotwild in Nieder­österreich
  • Bewertungsprogramm zur Bestimmung des Hirschalters
  • Jagdliche Bewirtschaftung von Wildwiederkäuern in Nieder­österreich

Viele dieser Projekte haben zu Veränderungen in der Rotwildbewirtschaftung sowie auch zu Gesetzesänderungen geführt.

WEIDWERK: Wie sieht das die Arbeitsgruppe 1 des Forst & Jagd Dialogs, in der du engagiert bist?
Werner: Die Arbeitsgruppe 1 beschäftigt sich mit Kommunikation, Motivation und Bewusstseinsbildung. In den Forst- und Jagdmedien werden von Zeit zu Zeit „Best-Practice“-Beispiele ver­öffentlicht, welche genau dieses Thema zum Inhalt haben (siehe Seite 32). Ziel ist es jedenfalls, zu veranschaulichen, dass Forst- und Jagdwirtschaft gemeinsam existieren können. Zusammen­gefasst, wie Wald und Wild auf einen Nenner gebracht werden können.

WEIDWERK: Kannst du uns ein paar Meilensteine deiner Zeit als Landes­jägermeister-Stellver­treter nennen?
Werner: Da gibt es grundsätzlich sehr viele, weil ich in dieser Zeit auch zahlreiche Aufgaben übernehmen durfte. Nicht nur im NÖ Jagdverband, sondern auch innerhalb von „Jagd Österreich“ als Finanz- und Schwarzwildreferent, in der Task Force Afrikanische Schweinepest im Bundesministerium für Gesundheit- und Soziales, als Co-Vorsitzender in der Arbeitsgemeinschaft Wolf in Niederösterreich, im Österreichzentrum Bär-Wolf-Luchs als Mitglied der AG Leitbild, als Co-Vorsitzender der AG 1 im Forst & Jagd Dialog usw.
Ein wesentlicher Meilenstein in dieser Zeit war die Um- und Neu­strukturierung des Verbandsbüros, also der Landesgeschäftsstelle, mit Unter­stützung einer Beratungsfirma. Durch diese umfassenden Veränderungen ist der NÖ Jagdverband heute ein moderner, zukunftsorientierter und finanziell abgesicherter Dienstleistungsbetrieb.

WEIDWERK: In welchen Bereichen der Wildtierforschung siehst du noch Forschungsbedarf und warum?
Werner: Derzeit läuft ein hochinteressantes Gamswildprojekt. Dabei werden Lebensräume, getrennt nach Winter und Sommer, kartiert. Das Ergebnis soll insbesondere der Lenkung von Tourismus und Freizeitnutzern dienen.

Das WEIDWERK sagt Danke für die Gespräche! Eines ist für das neue Präsidium und dessen Vorgänger gleich: Alle freuen sich auf die persönlichen Treffen bei jagd­lichen Veranstaltungen – die nächste Chance ist beim Landesjägertag!

Durch umfassende Veränderungen ist der NÖ Jagdverband heute ein moderner, zukunftsorientierter und finanziell abgesicherter Dienstleistungsbetrieb.