Reportage

Thermal wirkt phänomenal

30. August 2022 -
Thermal wirkt phänomenal - © Martin Grasberger
© Martin Grasberger

Die Wärmebildtechnologie ist aus der jagdlichen Praxis nicht mehr wegzudenken: Von Beobachtungsgeräten über Vorsatz- und Zielgeräte bis hin zu Wärmebildkameras an Drohnen, die für die Jungwildrettung verwendet werden, reicht aktuell das Einsatzspektrum. – Wir haben bei einem tschechischen Hersteller Einblicke in diese interessante Welt erhalten.

Langsam, Schritt für Schritt, ­birsche ich den Waldrand entlang. Jede Deckung ausnutzend und jedes verräterische Geräusch vermeidend, schiebe ich mich Meter für Meter vorwärts. Der Wind passt, und die Rotte Sauen, die sich im milchreifen Mais laut schmatzend den Magen füllt, nimmt keine Notiz von mir. Immer wieder bleibe ich für Augen­blicke ­stehen, um die Sauen mit dem Wärmebild-Beobachtungsgerät anzusprechen. Schnell wird klar, dass es sich um eine Bache mit sechs Frischlingen handelt, die zwischen fünfundzwanzig und dreißig Kilo haben mögen (auf­gebrochen). Da ich schon fast sechzig Meter am ­Geschehen bin, kann ich sogar schon die einzelnen Farbschattierungen, welche die Körperwärme beschreiben, erkennen. Setze ich die Wärmebildkamera ab, ­umfängt mich wieder die sternenklare Nacht.

Keine schwarzen Flecken mehr

Der Feldjäger, der in den letzten ­Wochen aufgrund der Milchreife des Getreides nahezu ständig „auf den ­Läufen“ war, um die Sauen von den Kulturflächen fernzuhalten, und der Berg­jäger, der weiträumige Windwurf- oder Käferkalamitätsflächen nach Wild absucht, haben eines gemeinsam: Beide nutzen Wärmebildgeräte, um effizienter jagen zu können.
In den letzten fünf Jahren hat sich auf dem Wärmebildsektor übrigens viel getan. Es wurden große Fortschritte ­erzielt, nicht zuletzt befeuert durch die Legalisierung von Nachtzielhilfen in zahlreichen Bundesländern und den damit einhergehenden Anstieg der Nachfrage. Auch bis dato traditionelle Jagdoptikspezialisten, wie zum Beispiel Kahles, Leica, Swarovski oder Zeiss, sind dem Trend gefolgt und haben kürzlich Wärmebildkameras auf den Markt gebracht.

Thermal wirkt phänomenal - Jakub Rudel, kaufmännischer Direktor Zahori Trade GmbH - © Martin Grasberger

Jakub Rudel, kaufmännischer Direktor Zahori Trade GmbH © Martin Grasberger

"Wenn man sich zwölf Jahre mit Vorsatz­geräten beschäftigt, weiß man, worauf es ­ankommt."

Zu Besuch in Tschechien

Als einer der Spezialisten auf dem Wärme­bildsektor hat sich die tschechische Marke „Night Pearl“, die im Jahr 2008 von der Zahori Trade GmbH aus der Taufe gehoben wurde, auch hier­zulande einen Namen gemacht.
Am Anfang hat man sich bei Zahori Trade, dem Zeitgeist entsprechend, mit Nachtsicht-Vorsatzgeräten beschäftigt und erst Jahre später den Fokus auf die Wärmebildtechnologie gelegt. Seit 2018 ist das Vorsatzgerät „SEER“ auf dem Markt, das mittlerweile in der dritten Generation vorliegt. „Es dauert einfach, bis ein Produkt wirklich ausgereift ist. Und selbst dann kann es noch weiterentwickelt werden“, erklärt Jakub Rudel, kaufmännischer Direktor von Zahori Trade. „Aber wenn man sich zwölf Jahre lang mit Vorsatzgeräten beschäftigt, weiß man, worauf es ankommt“, schmunzelt er. Im Night-Pearl-Marken­portfolio findet sich neuerdings auch ein Wärmebild-Zielgerät („Marten 650“), um den Kundenwünschen Rechnung zu tragen. (Hinweis: Dieses Zielgerät wird derzeit vom WEIDWERK getestet; den Testbericht finden Sie in einer der nächsten Ausgaben.)

Mit dem SEER mehr sehen

Mit dem roten Joystick als zentralem Bedienelement unterscheidet sich das Wärmebild-Vorsatzgerät SEER 50 Plus II, das Flaggschiff bei Night Pearl, schon optisch vom Mitbewerb. Es ist robust, rückstoßfest und einfach zu bedienen – Dinge, die in der jagd­lichen Praxis von größter Wichtigkeit sind. Dieses Vorsatzgerät verwendet einen Lynred-Sensor mit 17 μm und einer Auflösung von 384×288 Pixeln aus französischer Provenienz.
Für die Entwicklung des SEER, für die man in Summe € 217.000,– auf den Tisch geblättert hat, standen bei den tschechischen Ingenieuren vor allem zwei Dinge auf der Agenda: Präzision und einfache Bedienung. Und ein ­robustes Gehäuse aus Aluminium sollte der empfindlichen Technik im Herzen des Geräts zudem besseren Schutz bieten. Bei einem Vorsatzgerät spielen aber noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle, etwa die Größe und das Gewicht. Hinsichtlich dieser beiden Komponenten haben Vorsatzgeräte mit Wärmebild im Vergleich zu jenen mit Nachtsichttechnik (Bildverstärkerröhren) die Nase vorn, da sie kompakter und zugleich leichter gebaut werden können. Letztlich zählt jedes Gramm, das am Objektiv der Zieloptik beim großkalibrigen Schuss auf Zielfernrohr und Montage wirkt.

Know-how ist gefragt

Als wir das von Grund auf sanierte, neu anmutende Gebäude von Zahori Trade, östlich von Brünn gelegen, ­betreten, schweift unser Blick am Rothirschpräparat vorbei, das keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass man sich hier voll und ganz der Jagd verschrieben hat. „Viele unserer Mitarbeiter sind Jäger“, nimmt Jakob Rudel meine Frage nach der jagdlichen Ausrichtung des Unternehmens vorweg.
Wir werden durch die Räumlichkeiten geführt, wo wir nicht nur zahlreiche Mitarbeiter treffen – Zahori Trade beschäftigt zurzeit zweiunddreißig –, sondern auch einen Blick in die hauseigene Werkstätte werfen können, in der Tests, Messungen und Reparaturen vorgenommen werden. Zahori Trade verfügt übrigens über eine offizielle Genehmigung, auch Geräte von InfiRay reparieren zu dürfen. Der große Vorteil darin liegt, dass ein Produkt im ­Schadensfall nicht nach China geschickt werden muss (ein Großteil der hier­zulande verfügbaren Wärmebildgeräte läuft nämlich in Asien vom Band). Somit werden für den Kunden Wartezeiten und Kosten gespart.
Besonders stolz ist man bei Night Pearl auf die betriebseigene, unter­irdische Fünzig-Meter-Schießbahn, auf der die Wärmebildgeräte hinsichtlich Präzision und Schussfestigkeit getestet und optimiert werden. „Bei der Konstruktion von Wärmebildvorsatzgeräten ist neben dem Know-how auch die ­Erfahrung von größter Wichtigkeit. Beides haben wir“, erklärt Jakub Rudel. „In naher Zukunft wollen wir Produkte aus eigener Erzeugung (Wärmebild- und digitale Nachtsichtgeräte) für ­unsere Kunden auf den Markt bringen“, so Rudel weiter.

Thermal wirkt phänomenal - © Martin Grasberger
© Martin Grasberger
Thermal wirkt phänomenal - © Martin Grasberger
© Martin Grasberger
Thermal wirkt phänomenal - © Martin Grasberger
© Martin Grasberger
Thermal wirkt phänomenal - © Martin Grasberger
© Martin Grasberger
Thermal wirkt phänomenal - © Martin Grasberger
© Martin Grasberger
Thermal wirkt phänomenal - © Martin Grasberger
© Martin Grasberger

Know-how ist gefragt

Als wir das von Grund auf sanierte, neu anmutende Gebäude von Zahori Trade, östlich von Brünn gelegen, ­betreten, schweift unser Blick am Rothirschpräparat vorbei, das keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass man sich hier voll und ganz der Jagd verschrieben hat. „Viele unserer Mitarbeiter sind Jäger“, nimmt Jakob Rudel meine Frage nach der jagdlichen Ausrichtung des Unternehmens vorweg.
Wir werden durch die Räumlichkeiten geführt, wo wir nicht nur zahlreiche Mitarbeiter treffen – Zahori Trade beschäftigt zurzeit zweiunddreißig –, sondern auch einen Blick in die hauseigene Werkstätte werfen können, in der Tests, Messungen und Reparaturen vorgenommen werden. Zahori Trade verfügt übrigens über eine offizielle Genehmigung, auch Geräte von InfiRay reparieren zu dürfen. Der große Vorteil darin liegt, dass ein Produkt im ­Schadensfall nicht nach China geschickt werden muss (ein Großteil der hier­zulande verfügbaren Wärmebildgeräte läuft nämlich in Asien vom Band). Somit werden für den Kunden Wartezeiten und Kosten gespart.
Besonders stolz ist man bei Night Pearl auf die betriebseigene, unter­irdische Fünzig-Meter-Schießbahn, auf der die Wärmebildgeräte hinsichtlich Präzision und Schussfestigkeit getestet und optimiert werden. „Bei der Konstruktion von Wärmebildvorsatzgeräten ist neben dem Know-how auch die ­Erfahrung von größter Wichtigkeit. Beides haben wir“, erklärt Jakub Rudel. „In naher Zukunft wollen wir Produkte aus eigener Erzeugung (Wärmebild- und digitale Nachtsichtgeräte) für ­unsere Kunden auf den Markt bringen“, so Rudel weiter.

Weidmannsheil

Ich habe die Büchse bereits langsam auf dem Schießstock platziert und das Wärmebild-Vorsatzgerät eingeschaltet, das mir die Sauen nach wenigen ­Sekunden „wie Leuchtkäfer“ offenbart. Trotz meiner Vorsicht dürften sie etwas mit­bekommen haben, denn die Bache dreht sich ab und zieht langsam davon. Die Frischlinge folgen „im Gänse­marsch“, doch der letzte von ihnen schafft die Geländekante, die es zu überwinden gilt, nicht mehr. Das bleifreie Projektil aus der .308 Win. hat ihn an den Platz gebunden.