Der robuste Klassiker für lange Ansitze

Die offene Kanzel liegt im Trend. Ein Zimmerer zeigt, worauf es beim Bau einer sicheren und langlebigen Ansitzeinrichtung ankommt – von der Materialwahl bis zur richtigen Aufstellung im Revier.
Hochstand

Die offene Kanzel liegt im Trend. Ein Zimmerer zeigt, worauf es beim Bau einer sicheren und langlebigen Ansitzeinrichtung ankommt – von der Materialwahl bis zur richtigen Aufstellung im Revier.

Kurz vor Beginn der Hauptjagdsaison stehen im Revier noch einige Arbeiten an. Bauliche Jagdeinrichtungen werden auf ihren sicheren Zustand überprüft und aufgetretene Mängel beseitigt. Vom Wind und Schnee gezeichnete Ansitzeinrichtungen, die der Sicherheitsüberprüfung nicht mehr standhalten, sollten ehestmöglich abgetragen werden. Für viele Jäger ist das Frühjahr somit auch die Zeit für Neues. Ob geschlossene oder offene Kanzel, Riegeljagdhochsitz, Ansitzleiter oder Bodensitz – der Bau einer neuen Ansitzeinrichtung ist für viele eine handwerkliche Herausforderung. Genau aus diesem Grund werden immer wieder von Profis Kurse zum Hochstandbau angeboten. Einer dieser Experten, gelernter Zimmerer und selbst Jäger, ist Hannes Theuretsbacher. Er arbeitet für die Firma MHB Holz und Bau im Mostviertel, die für den NÖ Jagdverband solche Seminare bereits durchgeführt hat.

In der Werkstatt in Waidhofen an der Ybbs wird gerade an mehreren Hochsitzen und Riegeljagdhochständen gearbeitet, alles in Vollholz. „Die rustikale, offene Kanzel liegt nach wie vor im Trend“, berichtet Theuretsbacher. Diese massive Kanzel mit Dach ist ideal für lange, witterungsunabhängige Ansitze bei Tag und Nacht. Durch die Offenheit hat man einen guten Rundumblick und der Schusswinkel ist flexibler als bei geschlossenen Kanzeln. Die massive Holzkonstruktion steht für eine lange Lebensdauer und die Sitzbank bietet Platz für zwei Personen.

Strapazierfähiges Material

Für einen Hochstand wie diesen muss man mit Materialkosten von etwa 500 Euro rechnen. Früher hat man das Holz noch häufiger vor Ort geschlägert und entrindet. Heute wird aufgrund der Einfachheit Kantholz verwendet, obwohl Rundholz naturgemäß langlebiger wäre. Das Holz kann bereits zugeschnitten gekauft werden oder sollte anhand einer Materialliste vorbereitet werden. 

Da so eine offene Waldkanzel schnell mal über 300 Kilogramm wiegt, ist es vor allem im Gebirge oft sinnvoll, Forstarbeiten gleich auch zum Materialtransport zu nutzen. Als Material verwendet man überwiegend Fichten- oder Tannenholz. Langlebiger wäre Lärchenholz, aber das ist auch deutlich teurer. In der Werkstatt steht ein fertiger Lärchenhochstand, der Holzduft und die Gemütlichkeit erinnern stark an eine Sauna. Das verwendete Holz muss gesund und entsprechend stark dimensioniert sein. Der Experte empfiehlt für die Steher mindestens 10 mal 10 Zentimeter und der Bodenbelag der Kanzel sollte mindestens 5 Zentimeter dick sein, genauso wie die Sprossen der Leiter. 

Die meisten Teile werden zusammengeschraubt, aber für die Sprossen der Leiter und besonders strapazierte Teile gilt: „Nagel ist besser als Schraube, denn der reisst bei hoher Belastung nicht so schnell ab.“ Der Zimmerer weiß, worauf es ankommt. Immer wieder passieren beim Hochstandbau oder beim Aufstellen von Ansitzeinrichtungen schwere Unfälle. Um diese zu minimieren, rät der Experte, nie alleine, sondern am besten zu dritt oder zu viert den Hochstand aufzubauen. In puncto Sicherheit gelte auch: „Jagdgewand ist keine Arbeitskleidung.“ Und eine standfeste Leiter versteht sich von selbst. 

Gute Standfestigkeit

Sicherheit beim Hochstand bedeutet auch eine gute Standfestigkeit. Viele Hochstände sind „Selbststeher“, weil die Stelzen auseinandergehen. Eine Verankerung im Boden ist da nicht unbedingt erforderlich, aber je nach windexponierter Lage zusätzlich zu Abspreizungen zu empfehlen, wobei manche auch an Bäumen fixiert werden. 

Wichtig ist jedenfalls, den Hochstand nie direkt auf den Waldboden zu stellen, sondern auf Steine oder einen Erdspieß zu verwenden. Das erhöht die Langlebigkeit der Reviereinrichtung markant, weil die Steher durch weniger Nässe und fehlenden Erdkontakt nicht so schnell morsch werden. 

Bei Wind und Wetter 

Bei der Positionierung der Einrichtung sollte man nicht nur die Äsungsflächen, Wildwechsel und den Kugelfang im Blick haben, sondern auch die Windrichtung und den gedeckten Zugang. Wurde ein optimaler Platz gefunden, kann es nun endlich losgehen. Der Unterbau wird teilweise vorgefertigt, dann aufgestellt, mit Querstreben verschraubt und mit der Wasserwaage ausgerichtet. 

Danach wird die Leiter montiert und die Bretter vom Boden entsprechend befestigt. Die Seitenwände werden ebenfalls bequem am Boden vorgefertigt und dann – eventuell mit Hilfe eines Seils – hochgezogen und verschraubt. Heutzutage sieht man auch Seitenwände aus Holzspanplatten, die sind aber kein Vergleich zu einer attraktiven Rollschalung. Für eine wetterfeste Kanzel braucht es jetzt noch ein Dach. Dafür wird gerne Wellblech oder Dachpappe verwendet oder man flämmt das Holz. Sturmböen sollten bei der Fixierung immer mitbedacht werden. 

Zu guter Letzt fehlt nur noch die Sitzbank und dem ersten Ansitz steht nichts mehr im Weg. „Die Arbeit in der Natur und in Gebieten, wo man vielleicht sonst nicht so hinkommt“, begeistert Theuretsbacher besonders an solchen Aufträgen. Der Zimmerer und sein Helfer, Jonas, brauchen mit vorgeschnittenem Holz für den Aufbau rund einen halben Tag. Mit ungeübten Händen muss man sicher mit einem ganzen Tag rechnen – dafür steht am Ende eine Ansitzeinrichtung, die viele Jahre zuverlässig ihren Dienst im Revier erfüllt.

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