Vom Konditor zum Präparator: Stefan Gratzer und das Naturmuseum Salzkammergut

Das Naturmuseum Salzkammergut ist gefüllt mit Präparaten und Naturwissen. Foto Martin Grasberger

In den Gassen von Bad Ischl liegt süßer Duft in der Luft – von Schokolade, Biskuit und gerösteten Nüssen. Seit der Kaiserzeit steht die K.u.K. Hofzuckerbäckerei Zauner für meisterhafte Konditorkunst. Genau hier begann für Stefan Gratzer der Weg vom Konditor zum Naturpräparator. Geboren im Salzkammergut, lernte er bei Zauner das Handwerk – geprägt von Präzision, Geduld und Kreativität.

Doch Gratzer ging weiter: Mit dem Meisterbrief im Präparationsgewerbe gründete er 1992 das Atelier „Naturdesign Gratzer“ – spezialisiert auf naturgetreue Tierpräparate, museale Dioramen und Ausstellungsgestaltung. Seine Vision: Natur erhalten und für kommende Generationen erlebbar machen.

Ein Naturmuseum für das Salzkammergut

2009 wurde sein Traum wahr: Das „Naturwelten – Naturmuseum Salzkammergut“ öffnete in Ebensee seine Pforten. Hier stehen nicht bloß ausgestopfte Tiere – hier wird Naturwissenschaft lebendig. Präparate von heimischen und exotischen Tieren, darunter ein 2.500 Jahre altes Nilkrokodil, erzählen von Artenvielfalt, Lebensräumen und Naturgeschichte.

Gratzer arbeitet mit modernster Präparationstechnik wie Gefriertrocknung und Nirosta-Verstärkung. Die Exponate sind staubgeschützt in Vitrinen untergebracht – eine bewusste Maßnahme gegen Licht- und Umweltschäden. Dank dieser Sorgfalt sind die Präparate langlebig und authentisch – ein wertvolles Kulturgut.

Kritisch hinterfragt: Ethik der Präparation

Rund 98 % der Tierpräparate im Naturmuseum stammen von natürlich verendeten Tieren – viele aus Zoos. Präparate dienen hier nicht als Trophäen, sondern als Zeitzeugen: Sie schaffen Bewusstsein, fördern Bildung und machen Natur greifbar. Ein gutes Präparat, sagt Gratzer, berührt – wie ein gelungenes Foto. Es zeigt, wie ein Tier gelebt hat – und was wir verlieren könnten.

Segelfalter und Klimawandel: Ein eleganter Bote

Ein besonderes Highlight der Sammlung ist der Segelfalter (Iphiclides podalirius) – einst selten, heute vermehrt im Salzkammergut zu finden. Seine Präsenz gilt als Indikator für die Folgen des Klimawandels: steigende Temperaturen, längere Sommer, neue Vegetationsräume. Im Naturmuseum ist er als detailgetreues Präparat zu bewundern – eingebettet in seinen natürlichen Lebensraum.

Naturmuseum Salzkammergut – Kontakt & Besuch

„Naturwelten“ Naturmuseum Salzkammergut
Langwieserstraße 111, 4802 Ebensee am Traunsee
Tel.: +43 (0) 664/22 10 151
E-Mail: salzkammergut@naturmuseum.at
Website: www.naturmuseum.at

Gesamt
0
Aktien
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Vorherige
Aus dem hohen Norden: ein Elch wird zum Medienstar

Aus dem hohen Norden: ein Elch wird zum Medienstar

Am 18

Nächste
Gamsrücken an der Lärche im Spitzmorchelsafterl

Gamsrücken an der Lärche im Spitzmorchelsafterl

Zubereitung: Die geputzten Gamsrückenstränge salze­n, pfeffern, mit Olivenöl

Das könnte dir auch gefallen
Enable Notifications OK No thanks