Meilensteine für das Wolfsmonitoring in NÖ

Ein drohendes Wolfsrudel
drohendes Wolfsrudel

Ein mehrstufiges, wissenschaftlich begleitetes Monitoring liefert seit Jahren belastbare Daten zu Verbreitung, Rudelstrukturen und Individuen – eine fundierte Grundlage für seriöses Wolfsmanagement.

Während für einige Regionen in Österreich der Wolf immer noch etwas Neues ist, sammelt Niederösterreich, vor allem das Waldviertel, schon seit 2016 einige Erfahrungen zu diesem Thema. Startschuss war die Bestätigung des erstes Wolfrudels auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig. Dabei hat das Bundesheer mit der Abteilung für Militärökologie die ersten Fotofallen aufgestellt und damit erstmals einen Meilenstein für ein aktives Monitoring gesetzt. Das Land Niederösterreich hat schließlich Ende 2018 das Projekt „Wolf in Allentsteig“ zusammen mit dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI, Vetmeduni Wien) gestartet. Nachdem für das Projekt Wölfe gefangen werden sollten, war es entscheidend, die Aufenthaltsbereiche und Bewegung der Tiere zu ermitteln. Dafür wurden weitere Wildkameras aufgestellt und somit das Rudelgebiet systematisch abgedeckt. Nachdem im Waldviertel drei weitere Rudel durch die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft bestätigt werden konnten, wurde das „Rezept“ aus Allentsteig auch für die Rudel Gutenbrunn, Arbesbach und Harmanschlag mit Erfolg umgesetzt. Bis heute wird das Wolfsmonitoring vor allem von der Bezirksgeschäftsstelle des NÖ Jagdverbandes (NÖ JV) in Zwettl begleitet und intensiv unterstützt.

Die Änderung des Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene hat einige Reaktionen und Emotionen ausgelöst. Viele interpretierten die neuen Rahmenbedingungen jedoch falsch: Die Annahme, dass die Wölfe durch diese Änderung problemlos bejagt oder reguliert werden dürfen sowie auch die Vorstellung, dass es jedem Wolf in Österreich an dem Kragen geht, sind nicht korrekt. Erstens erfolgen jagdliche Entnahmen nicht planlos und ein Management bedeutet nicht die erneute Ausrottung der Art, was einige befürchten. Zweitens ist jede Form der Regulierung ohne fundierte Datengrundlage und sorgfältige Planung nichts weiter als ein Blindflug.

Wie kommt man an die notwendigen Daten? Monitoring ist nicht immer gleich Monitoring. Am Anfang war das Monitoring des Wolfsbestands in Österreich mehr oder weniger Zufallssache. In einem solchen rein opportunistischen System muss man per Zufall eine Losung finden, einen Wolf auf der Wildkamera haben oder einen Riss finden, um einen Nachweis zu bekommen. Dieses System ist zwar kostengünstig, liefert jedoch zu wenig Daten, um eine umfassende wissenschaftliche Auswertung zuzulassen. Ein aktives und flächendeckendes Monitoring würde solche Daten liefern, ist jedoch sehr teuer. Das Land Niederösterreich hat sich für einen Weg entschieden, welcher auf einem mehrstufigen Monitoring basiert. Dabei wurde auf die Zusammenarbeit zwischen dem NÖ JV, dem FIWI und dem Land Niederösterreich gesetzt. Das Land Niederösterreich fungiert dabei als Auftraggeber und hat das Monitoring in seiner Zuständigkeit. Die Jägerschaft leistet ihren Beitrag mit direkter Unterstützung in ihren Revieren. Die Aufgabe des FIWI, einem Institut mit langer Erfahrung im Monitoring großer Beutegreifer, war die Ausarbeitung eines Konzepts, die Koordinierung sowie die Auswertung der gewonnenen Daten.

Wolf Rudel
Wolf Rudel



Mehrstufiges Monitoringsystem
Die Basis des Monitorings bildet eine Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung sowie der Jägerschaft. Nachdem die Mehrheit der Jäger und Jägerinnen wissen, dass mit einer Wolfspräsenz fast überall zu rechnen ist und wo die Hinweise bzw. Daten diesbezüglich gemeldet werden sollten, gibt es ein opportunistisches System auf der ganzen Landesfläche. Wenn lokal ein oder mehrere Wölfe wiederholt bestätigt werden, dann wird in diesem Gebiet das Monitoring aktiv und gezielt umgesetzt. Dabei wird aktiv nach Losungen und Fährten gesucht und auch Wildkameras werden gezielt in dem Gebiet positioniert. Wenn ein Rudel bestätigt wird, werden Wildkameras systematisch im Gebiet verteilt und ausgelesen. Die Jägerschaft wird instruiert, in regelmäßigen Abständen nach Losungen oder im Winter auch nach Urin zu suchen.

Was passiert mit den Daten?
Das ist eine der wichtigsten Fragen in dem ganzen Prozess! Auch wenn die Meldebereitschaft bei den niederösterreichischen Jägern am höchsten in ganz Österreich ist – alleine im Jahr 2025 wurden in Niederösterreich 327 Meldungen über Rissverdachtsfälle, Fotos, etc. durchgeführt –, sei der Umgang mit den Daten kurz erklärt: Die größten Sorgen entstehen dadurch, dass Einige befürchten, dass sie oder ihr Jagdrevier nach einer Wolfsmeldung genauer unter die Lupe genommen werden oder gar an die Öffentlichkeit gelangen. Die Daten am FIWI werden jedoch mit sehr viel Respekt behandelt und es gibt klare Regeln, vor allem wie diese Daten nach Außen präsentiert werden. Um alles etwas einfacher zu beschreiben, soll hier ein typisches Ablaufbeispiel dargestellt werden: Der Jäger Max Mustermann hat aus seinem Revier, in welchem er eine oder mehrere Wildkameras hat, ein Foto mit einem wolfsähnlichen Tier auf sein Handy bekommen. Er entscheidet sich, seinen Beitrag zum Wolfsmonitoring zu leisten und übermittelt dieses Foto an den JV (jagd@noejagdverband.at) oder an das Land Niederösterreich (Wildtierhotline 02742 9005 9100 oder per E-Mail an wildtier@noel.gv.at). Das Foto wird ans FIWI weitergeleitet und dort bewertet, um als sicherer Nachweis eingestuft zu werden. Max Mustermann wird informiert, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt und gebeten, Standortinformationen (Revier, möglichst exakte Koordinaten) zu übermitteln, damit die Meldung vollständig erfasst werden kann. Zusätzlich wird ersucht, den Standort gezielt nach Fährten, Losungen oder Urinmarkierungen abzusuchen.

In der Nähe der Kamera findet man am nächsten Tag tatsächlich eine Losung, welche viele Haare und Knochensplitter enthält. Er nimmt wieder Kontakt mit dem NÖ JV auf und meldet diesen Fund. Er wird dabei instruiert, wie er die Probe ans FIWI einschicken kann. Die Probe wird dann am FIWI analysiert und die Ergebnisse werden dem Land Niederösterreich, als Auftraggeber, mitgeteilt. Im nächsten Schritt kann auch der Probeneinsender beim Land die Ergebnisse anfragen. Das Foto, welches Max Mustermann weitergegeben hat, wird auf der Wolfsverbreitungskarte (https://baerwolf-luchs.at/verbreitungskarten/wolfverbreitung) als ein grünes 10 km x 10 km Rasterquadrat dargestellt. Die Karte hat einen weißen Untergrund und das Revier von Max Mustermann wird dort nicht dargestellt (siehe Karte Wolfsvorkommen). Von der Losung, welche er gesammelt hat, konnte im Beispiel sogar das Wolfsindividuum bestimmt werden. Es scheint auf einer separaten Karte als ein großer Punkt auf (siehe Karte Wolfsnachweise NÖ). Alle Nachweise, welche in einem Rudelgebiet gesammelt werden, liegen unter dem Rudelsymbol (deckt ca. 150 km² ab) und sind somit einzeln auf der Karte nicht einem Revier oder ähnlichem zuordenbar. Die Daten über die Person und das Revier dienen lediglich zur Verifizierung der Nachweise und werden nicht weitergegeben.

Warum dieser Aufwand?
Der Wolf als ein Beutegreifer, der nach einem langen Zeitraum seine ursprünglichen Lebensräume wiederbesiedelt, bringt natürlich auch viel Potenzial für Konflikte mit sich. In solchen Situationen ist es sehr wichtig zu wissen und zu dokumentieren, wo und wie er sich verbreitet und auch wie viele Individuen es gibt. Eine sinnvolle Bestandsregulierung oder ein effizientes Management ist nur dann möglich, wenn wir den oft erwähnten günstigen Erhaltungszustand erreichen. Egal wie diese Schwelle berechnet oder modelliert wird, werden wir ohne ein Monitoring nicht wissen können, wann diese Schwelle erreicht ist. Zusätzlich wird es ohne Bestandserfassung nicht möglich sein, Kalkulationen zur Bestandsregulierung zu machen. Die Jägerschaft, unterstützt durch die Wissenschaft, führt seit Jahrzehnten Wildzählungen in Österreich durch. Gamswild, Rotwild, Raufußhühner, Rebhuhn oder Feldhase sind nur ein paar Beispiele dafür. Der Wolf soll mit der gleichen Professionalität behandelt werden. Niederösterreich geht bereits jetzt mit gutem Beispiel voran.

Gesamt
0
Aktien
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Vorherige
Infektion mit Lippengrind
Im vorliegenden Fall hat sich ein Jäger beim Aufbrechen eines Stückes Muffelwild infiziert.

Infektion mit Lippengrind

Eine Infektion mit dem Orf-Virus (Parapox-Virus) ist vor allem bei Schafen,

Das könnte dir auch gefallen
Enable Notifications OK No thanks