Sensible Zeit für Schwarzwildjagd

Wildschwein (Führende Bache) Ende Mai, Spessart, Bayern

Bache oder Keiler? In der Frischzeit ist das genaue Ansprechen von Einzelgängern dringend geboten. Bei der Schwarzwild-Bejagung gibt es nun zwischen Wald- und Feldrevieren deutliche Unterschiede.

Der März ist ein besonderer Monat. Der Winter verlässt die Reviere im Flachland und die Natur erwacht zu neuem Leben. Die Tage werden spürbar länger und die Temperaturen deutlich wärmer. Die ersten Zugvögel kommen aus ihren Winterquartieren zurück, darunter auch die Waldschnepfe und die stimmungsvolle Jagd am Morgen- und Abendstrich war für Jäger und Jägerinnen in den Niederungen lange Zeit ein jagdlicher Schwerpunkt. Aufgrund der Streichung der Frühjahrsschusszeit ergeben sich jetzt zeitliche Kapazitäten für andere jagdliche Aktivitäten. In Revieren mit Schwarzwildvorkommen lohnt es sich somit, dieser edlen Wildart mehr Aufmerksamkeit entgegenzubringen.

In Jahren mit Voll- oder Sprengmast ist es in diesem Monat meist der Fall, dass der Vorrat an Bucheckern oder Eicheln entweder gefressen wurde oder zu keimen begonnen hat und somit dem Wild nicht mehr als Nahrung zur Verfügung steht. Dadurch kommt es in diesen Jahren immer zu dem Phänomen, dass die spärlich oder gar nicht aufgesuchten Kirrungen meist von heute auf morgen von den Sauen wieder sehr gut angenommen werden. Dazu kommt noch, dass das Schwarzwild in dieser Zeit einen sehr hohen Energiebedarf hat. Das liegt zum einen am einsetzenden Wechsel von der Winter- zur Sommerschwarte, aber zum anderen vor allem an der Laktationsleistung der Bachen. Dieser erhöhte Energiebedarf führt dazu, dass das Schwarzwild in dieser Phase des Jahres sehr aktiv ist.

Wenn die Rauschzeit wie üblich von November bis Anfang Dezember stattfindet, so ist nach einer Trächtigkeit von 3 Monaten, 3 Wochen und 3 Tagen der Monat März die Zeit, in der die meisten Frischlinge gefrischt werden. Dieser Umstand hat ganz massive Auswirkungen auf das Verhalten des Schwarzwildes und muss bei der Bejagung unbedingt berücksichtigt werden, da in dieser Zeit die Rottenstrukturen im Umbruch sind und Bachen kurzfristig auch alleine anzutreffen sind.

Bache als Einzelgängerin 

Der Grund dafür ist, dass sich die Bachen zum Frischen von der Rotte zurückziehen und ihren Wurfkessel aufsuchen. Der Wurfkessel ist ein aus Ästen und dürrem Gras zusammengetragener Haufen in meist sehr dichten Dickungen, wobei sich ältere Bache hierbei meist als bessere Baumeisterinnen herausstellen, und so verwundert es auch nicht, dass bei älteren Bachen die Überlebensrate der Frischlinge signifikant höher ist, als bei jungen Geschlechtsgenossinnen. In der Zeit rund um das Frischen duldet die Bache, neben der Anwesenheit von anderen Sauen, auch die Anwesenheit der Frischlinge aus dem Vorjahr nicht und daher werden auch diese vom Wurfkessel vertrieben. Wie soll man nun in dieser für das Schwarzwild so sensiblen Zeit das Schwarzwild bejagen? Am besten man unterscheidet hier in Wald- und Feldreviere. 

Ruhe im Wald

Im Waldrevier bin ich der Meinung, dass in dieser Zeit dem Schwarzwild möglichst viel Ruhe gegönnt werden sollte und wir uns hier im Sinne der Weidgerechtigkeit selbst regulieren sollten. Sollte es aber aufgrund hoher Schwarzwilddichten notwendig sein, Sauen zu bejagen, so ist die Bejagung so auszurichten, dass zum einen die Störung so gering wie möglich ist und zum anderen Fehlabschüsse verhindert werden. Da wie oben bereits angeführt die Bachen die Frischlinge aus dem Vorjahr vertreiben, ziehen diese in eigenen Rotten herum. Da diese Gruppierungen ohne Führung sind, sind sie verhältnismäßig leicht zu bejagen. Sie erscheinen oft noch bei Tageslicht und können hier auch gut angesprochen werden. Da sie jetzt oft schon ein Gewicht von ca. 30 bis 40 kg erreicht haben, steht hier auch die Produktion von wertvollen Wildbret im Vordergrund. 

Genaues Ansprechen

Egal wie man zum Einsatz von modernen Nachtoptiken wie zum Beispiel von Wärmebildgeräten steht, so ist jetzt eine Zeit, wenn man bei der Büchse auch weiterhin auf das bewährte Zielfernrohr setzen möchte, wo man sich mit dieser faszinierenden Möglichkeit des genauen Ansprechens beschäftigen sollte. Gerade in dieser Zeit kommt es immer wieder vor, dass Bachen auch alleine die Kirrung aufsuchen. Was dann auf keinen Falls passieren darf ist, dass sie fälschlicherweise als Keiler angesprochen und als solche erlegt werden. Mit dem Einsatz von einem Wärmebildgerät kann dies sehr gut verhindert werden. Sollte ein einzelnes Stück in den Anblick kommen, so kann man eindeutig erkennen, ob es sich um einen Keiler oder eine Bache handelt. 

Wenn es eine Bache ist, so kann man gut sehen, ob sie noch inne hat oder ob sie schon gefrischt hat. Die Milchleiste ist im Wärmebildgerät auch bei der noch vorhandenen Winterschwarte immer gut zu erkennen, da sie sehr stark durchblutet ist. Bei Bachen, welche nur einen oder zwei Frischlinge führen, ist hier trotzdem mit Bedacht anzusprechen, da in diesen Fällen die Striche zwischen den Hinterläufen aktiv sind und diese mit einem Pinsel verwechselt werden können. Der Grund, warum Bachen alleine oder auch zu mehreren ohne Frischlinge auf der Kirrung erscheinen können, ist einfach erklärt. Entweder hat sich die Bache zum Frischen von der Rotte zurückgezogen und nutzt das Angebot der Kirrung noch aus, oder der Wurfkessel liegt in unmittelbarer Nähe der Kirrung. Wenn die Bachen wieder gemeinsam auf Nahrungssuche sind, so kann es passieren, dass die Frischlinge abseits der Kirrung abgelegt werden und die Bachen alleine erscheinen, ein Abschuss wäre hier fatal. 

Schwarzwild, Sommer

Die Wärmebildtechnik erlaubt es jedoch auch, in Rotten Überläufer gezielt anzusprechen und diese zu erlegen. Eine Praxis vor der ich nur abraten kann, denn Schwarzwild ist sehr lernfähig und ich bin der Überzeugung, dass es auch das Schwarzwild verdient hat, den Nachwuchs so störungsfrei wie möglich aufzuziehen. Sollte man sich zu dieser Praxis hinreißen lassen, werden die Leitbachen beginnen, vor dem Besuch der Kirrung diese zu umkreisen, um sich Wind zu holen. Das führt dazu, dass man die Bejagung des Schwarzwildes nach anfänglichen Erfolgen extrem erschwert. 

Schäden am Feld

In Feldrevieren gestaltet sich die Situation allerdings anders. Sauen frischen hier im Allgemeinen nicht und suchen das Feld in der Nacht nur zur Nahrungssuche auf. Wobei hier im März vor allem das Grünland im Fokus steht. Die höheren Temperaturen führen dazu, dass die Bodenlebewesen wieder aktiv werden. Aufgrund des Wechsels der Schwarte und der Laktation ist der Bedarf an tierischem Eiweiß sehr hoch, es kann daher im März zu empfindlichen Schäden auf Wiesen kommen. Aber auch im Wintergetreide kann es zu starken Schäden kommen, nämlich immer dann, wenn der Landwirt im sogenannten Mulchsaatverfahren seine Flächen bewirtschaftet. Aufgrund des Verzichtes auf den Pflug gibt es auf diesen Feldern eine sehr rege Bodenfauna und dies weiß das Schwarzwild sehr zu schätzen. 

Damit diese Schäden verhindert werden können, ist auf diesen Flächen das Schwarzwild gezielt zu bejagen und mit dem Einsatz von Wärmebildtechnik kann hierbei ein Fehlabschuss von säugenden Stücken effektiv verhindert werden. Wenn man zur gleichen Zeit im Wald auf die Jagd verzichtet, so kann man das Schwarzwild sehr gut lenken und den Schaden im Sinne der Landwirtschaft gering halten.

Zusammenfassend kann man also sagen, der Monat März ist eine extrem sensible Zeit für unser Schwarzwild. Wenn es möglich ist, sollte man in dieser Zeit auf die Bejagung verzichten. Sollte es jedoch aufgrund von erhöhten Beständen oder wegen untragbaren Schäden auf Feldern und Wiesen notwendig sein, Sauen zu bejagen, so kann durch den Einsatz von Nachtsichttechnik und hier vor allem durch die Verwendung von Wärmebildgeräten eine weidgerechte Jagd stattfinden.

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