Top-Biotop

Landschaftsbild

Die Jagdgesellschaft St. Peter in der Au hat beim Lebensraumpreis 2025 des NÖ Jagdverbandes den zweiten Platz errungen: Ein Lokalaugenschein zeigt, wie viel Aufwand dahintersteckt und welche Verbesserungen durch das Biotop-System erreicht wurden.

Der Schnee knirscht unter unseren Stiefeln, während wir zum ersten Biotop-Element gehen. An einem sanften Hang hat David Schoder ein Biotop geschaffen, das ihn stolz macht. Er zeigt auf eine Dickung, die sich an die Landschaft anschmiegt. Auf der Windseite hat er einen Streifen Elefantengras gepflanzt. Das bietet dem Wild viele Vorteile: Schutz vor dem Westwind, der den Hang entlangweht, Sichtschutz und die Möglichkeit, von dort aus die vorgelagerten Wiesen bzw. Äcker zu beobachten. Wir finden viele Betten und Losung, die bestätigen, dass die Rehe das gerne nutzen. Und selbst im Jänner ist gut zu sehen, wie in der Wand, die aus den getrockneten Stängeln gebildet wurde, viele Wechsel und Schlupflöcher in die Dickung dahinter führen. Nicht nur Rehe, auch Hasen und Fasane nutzen das, wie der Schnee verrät. Und auch für Meister Reinecke scheint das interessant zu sein. Schoder grinst verschmitzt: „Das zeigt mir, dass wir ein interessantes Biotop geschaffen haben, wenn es für alle passt, oder?“

Erfolg braucht Geduld

Wir sind beim Lokalaugenschein mitten im Mostviertel bei der Jagdgesellschaft St. Peter in der Au (Bezirk Amstetten), das etwa 2.000 Hektar umfasst. Beim Lebensraumpreis des NÖ Jagdverbandes hat das Projekt den zweiten Platz erreicht. Im Gespräch mit David Schoder wird klar, was da an Beobachtung, Zeit, Geld und Arbeit dahintersteckt. Seine Eigenflächen von rund 13 Hektar, die er geerbt hat, liegen mitten innerhalb von etwa 50 Hektar intensiv genutzten Grünlandes, was eine Nutzung durch fünf bis sechs Schnitte jährlich bedeutet. Da ist es sowohl für Bodenbrüter als auch Rehe schwer, den Nachwuchs aufzuziehen. Zusätzlich hat sich gezeigt, dass durch Spaziergänger und sogar Motocross-Fahrer immer wieder speziell Rehwild so beunruhigt wurde, dass es absprang. Auf der Suche nach einem Wäldchen als Einstand und Schutz passierten dann auf der Straße immer wieder Wildunfälle. Im Jahr waren dadurch etwa 20 Stück Fallwild zu verzeichnen. Das hat Schoder gestört und gemeinsam wurde überlegt, was man dagegen unternehmen könnte.

So entstand das Biotop-Projekt, das seit 2011 im Aufbau ist. Die Idee war, eine Art Netz von verschiedenen Einstandsflächen zu schaffen, die einen Rückzugsraum bilden und zugleich Äsung, Schutz und Kinderstube sein können. So entstanden verschiedene Elemente, die so gruppiert sind, dass ein abwechslungsreicher Lebensraum entstanden ist. 

Kernmaßnahmen im Revier

Um diese Ziele zu erreichen, setzte die Jagdgesellschaft auf eine Kombination aus Lebensraumgestaltung, jagdpraktischen Einrichtungen und sogar Wasserbewirtschaftung. Rund um eine zentrale Wiese, die vom Wohnhaus aus gut einsehbar ist, wurde eine Pflanzung von rund 11.000 Sträuchern durchgeführt, ergänzt durch das schon erwähnte Elefantengras als Deckung. Weitere Flächen um die Wiese herum sowie ein Hang mit alten Streuobstbäumen und eine anschließende Remise ein wenig abseits in Richtung Straße ergänzen einander zu einem funktionellen Biotop-Verbundsystem im Ausmaß von insgesamt rund 1,5 Hektar.

Da Wasser erst weiter weg zur Verfügung stand, kam die Idee zur Anlage eines Teiches als Lebensraum auf: Gesagt, getan: Ein Bagger war zwei Tage im Einsatz und es entstand ein circa 15 x 30 Meter großer Teich als Tränke für Wild und als Lebensraum für Enten, Frösche, Kröten und andere Amphibien. Am Rand gibt es eine Schilfzone und im Sommer zischen schillernde Libellen durch die Luft. Die Enten, die immer wieder hier brüten und rasten, werden nicht bejagt. „Denn wichtig ist uns nicht das Beutemachen, sondern die Freude, dass wir sehen, wie sich eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt“, erzählt Schoder mit leuchtenden Augen und einem Lächeln im Gesicht. 

Daher haben auch die Rebhühner gut lachen. „Wir beobachten immer wieder ein bis zwei Ketten. Es sind ein Jahr mehr, ein Jahr weniger – auch abhängig davon, welche Feldfrüchte bzw. Wiesen im Umfeld von den Landwirten angebaut bzw. genutzt werden.“ Die Zahl der Hasen hatte sich gut entwickelt, aber im letzten Jahr ging sie – wie in vielen anderen Revieren auch – stark zurück (80 bis 90 Prozent). Die Myxomatose hat auch hier dem Bestand zugesetzt. Dafür sind durch die ganzen Maßnahmen viel mehr Fasane zu beobachten. Früher gab es selten einmal einen zu sehen, jetzt sind das ganze Jahr über rund zehn Vögel da. „Das ist bei der Treibjagd ein besonderer Moment, wenn die Hahnen den Hügel hinunterstreichen. Für die Schützen eine Freude – obwohl – oder gerade, weil sie schwierig zu schießen sind. Früher war selten einmal ein Hahn zu sehen, jetzt haben unsere Maßnahmen zu einer stabilen Population geführt. Das ist ein sichtbarer Beweis für den Erfolg unseres Biotops“, freut sich David Schoder.

Er zeigt Aufnahmen der Wildkamera bei der Schütte. Dort werden Maisbruch und ein wenig Weizen vorgelegt. Neben einem halben Dutzend Fasanen sind unzählige Singvögel Gäste und Nutznießer des Nahrungsangebotes. Aber auch mehrere Rehe sind auf den Aufnahmen zu sehen. Und wo sich viel tut, sind auch Beutegreifer nicht weit. Die Kunstbaue in der Dickung sind regelmäßig befahren. Auch das ist für Schoder ein gutes Zeichen: Es bedeutet für ihn Vielfalt und Ausgewogenheit. Er ergänzt: „Wir beobachten hier auch wieder den Wiedehopf. Um den Teich herum sind regelmäßig Amphibien wie Frösche, Kröten und Lurche zu sehen. Im Frühling und Sommer summt es nur so vor lauter verschiedenen Insekten, die auf der Wiese zwischen den verschiedenen Biotop-Flächen unterwegs sind.“

Einsatz & Finanzierung

Dazu war aber viel Einsatz notwendig: Die Pflanzung von rund 11.000 Sträuchern und des Elefantengrases sowie der Teich, die Fütterungen und Kunstbaue benötigten rund 500 Arbeitsstunden, die ehrenamtlich geleistet wurden. Die Gesamtkosten von rund 10.000 Euro wurden teils über die Wildökolandaktion (ca. 8.000 Euro Förderung durch Jagdverband, Landschaftsfond und EVN) teils privat, getragen. Die Kosten für das Ausbaggern des Teichs hat Schoder aus eigener Tasche bezahlt. Mit der Drohne hat er vom gesamten Biotop-Verbund sogar ein Video gemacht und auf seiner Facebook-Seite präsentiert.

Als wir beim Rundgang zum talseitigen Ende der Wiese kommen, sehen wir sieben Rehe aus dem unteren Waldstück hinaus und in Richtung des vierten Biotops wechseln – nicht hochflüchtig, aber zügig. Schoder lächelt: „Ein wunderbares Beispiel: Das Waldstück, aus dem sie kommen, ist mittlerweile so gestaltet, dass Wanderer und Moto-Cross-Fahrer nicht mehr hinein gehen. Der laute Schnee, über den wir gehen, hat jetzt zwar die Rehe locker gemacht, aber sie wissen genau, dass sie der Störung einfach durch den Wechsel in die andere Dickung ausweichen können. Die Zahl der Wildunfälle neben diesen Ökoflächen ist so auf praktisch Null gesunken. Ein voller Erfolg!“ Insgesamt haben etwa 15 bis 20 Stück Rehwild Einstand in dem Gebiet. Das Projekt ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie auf einer kleinen Fläche ein Hotspot der Biodiversität mit großer Wirkung für Wild, Natur und Menschen entstehen kann.

Gesamt
0
Aktien
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Vorherige
Frühjahrsputz
Blaser

Frühjahrsputz

Wenn die kalte Jahreszeit langsam Abschied nimmt, wird so manches Gerät aus dem

Das könnte dir auch gefallen
Enable Notifications OK No thanks