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Dentler DR 21
Dentler DR 21

Wie sich die futuristische Dentler DR 21 in Kombination mit dem Meostar R2 1,7–10×42 RD im rauen Jagdalltag bewährt, wollten wir genauer wissen.

Die deutsche Dentler Jagdwaffen GmbH ist für ihre Zielfernrohrmontagen bekannt, die sie für verschiedene Einsatzbereiche herstellt. Nun meldet sich dieser Hersteller mit seiner ersten Jagdbüchse zu Wort. Keine Kopie einer gewohnten Büchse, nein, eine völlig neue Büchsenkonstruktion: Ähnlich einem Bullpup-System, futuristisch und extravagant im Aussehen, wurde uns ein Dentler DR 21 im Kaliber .308 Win für einen WEIDWERK-Test angeliefert. Montiert mit einem Zielfernrohr aus dem Hause Meopta, dem Meostar R2 1,7–10×42 RD, einer Dentler Zielfernrohrmontage-Basis und einem Schalldämpfer SOB 2 von Recknagel waren wir schon gespannt, was beim Praxistest letztendlich auf dem Abrechnungsblatt zu finden sein würde.

Dentler DR 21
Als eine futuristisch und gegen alle bisherigen Gewehrkonstruktionen aussehende Jagdbüchse präsentiert sich die Dentler DR 21 in einer sehr kurzen Bauweise mit besonderer Handspannung. Die in Leutkirch (Allgäu/Deutschland) ansässige Firma Dentler ist eigentlich bekannt für die Erzeugung und Produktion von Zielfernrohrmontagen.
Mag der erste Blick an einen Selbstlader im Bullpup-Design denken lassen, offenbart sich die DR 21 bei näherem Hinsehen als Geradezugrepetierer mit Drehkopfverschluss, welcher etwa auf Höhe des Pistolengriffs mit sechs Warzen verriegelt und somit eine extrem kurze Bauweise ermöglicht. Die Büchse verfügt über eine verstellbare Schaftlänge und mit einer ganz eingeschobenen Schaftlänge von 35,5 cm und einer Lauflänge von 52 cm (Kaliber .308 Win) kommt man ohne SD auf kurze 87 cm Gesamtlänge. Mit Schalldämpfer liefert die Büchse wirklich ab, denn mit 97,5 cm inklusive aufgesetztem SD (Recknagel SOB 2, Mündungsüberstand 10,5 cm) ist die Büchse tatsächlich kurz. Wir haben die Schaftlänge auf 36,5 cm verlängert und kommen so auf 98,5 cm mit SD.
Der Verschlusskopf ist mit 6 massiven Verschlusswarzen ausgestattet. Die Verschlusshülse, in der der Lauf verschraubt ist, wurde im vorderen Bereich in skelettierter, also durchbrochener Fertigungsweise ausgeführt. Das Verschlussgehäuse nimmt im oberen Bereich die ebenfalls von Dentler gefertigte Zielfernrohrmontage auf. Mit nur einer Drehschraube und Passbolzen fixiert, kann ein Zielfernrohrwechsel rasch und unkompliziert durchgeführt werden. Der Verschluss gleitet auf einem Prismen-Profil leichtgängig retour und verschwindet unter der höhenverstellbaren Schaftbacke. Genial gedacht, so bewegt sich der Verschluss nicht Richtung Gesicht, wie bei anderen Geradezugsystemen, sondern darunter hindurch.
Die Dentler DR 21 ist mit einem Handspannsystem ausgestattet, das ein Spannen mit dem Ballen der Schusshand unmittelbar vor der Schussabgabe ermöglicht und so viel Sicherheit bietet. Allerdings verlangt dieses Spannen des Schlagsystems dem Schützen doch einige Übung und Fertigkeiten ab. Zum raschen Nachladen wird der Verschluss mittels Kammergriff nach hinten gezogen und wieder geschlossen, nach der Schussabgabe ist er erneut frei für den Repetiervorgang. Wird die Büchse nur geladen, bleibt nach dem Schließen des Verschlusses die Kammersperre aktiv. Somit kann der Verschluss der Waffe im Revier nicht unabsichtlich geöffnet werden. Mit einem mäßigen Druck auf den Handspanndrücker lässt sich die Büchse sicher öffnen und entladen. Nur mit der Schusshand (Rechtsschütze rechte Hand) ist dies allerdings schwer möglich, da muss für den Druck auf den Spanndrücker die linke, schussunterstützende Hand her – also wieder etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach ein paar Handhabungen durchaus machbar.
Als Abzug wurde lobenswerterweise ein Direktabzug gewählt, der bei unserer Testbüchse bei 1.070 g auslöste. Der Abzug stand sehr trocken und spielfrei, ist aber für einen jagdlichen Büchsenschuss eher an der oberen Abzugswiderstandsgrenze angesiedelt. Das zwei­reihige Magazin ist durch einen abklappbaren Schwenkmechanismus, der auch die Abzugsgruppe beinhaltet, zugänglich. Es wird hier auf einer Führungsschiene nach hinten abgezogen und fasst 5+1 Patronen bei Standard­kalibern, wie in unserem Fall .308 Winchester. Somit ist der Jäger für jede Jagdsituation – insbesondere auch für eine Riegeljagd – gut ausgestattet. Wenn das Magazin rasch nachgeladen werden muss, sollte es von oben gefüllt werden, denn bei abgeklapptem Schwenkmechanismus kann es nach hinten rutschen und verhindert damit das schnelle Zuklappen des Bügels.

Meostar R2 1,7–10×42 RD
Der tschechische Zielfernrohrhersteller Meopta bringt mit der Meostar R2-Linie ein kostengünstiges Zielfernrohr (ZF) auf den Markt. Durch seinen Vergrößerungsbereich eignet sich das Testmodell für viele jagdliche Einsatzentfernungen. Der Fokus liegt hier aber eher in der Berg-, Pirsch- und Riegeljagd. Mit Abstrichen bei der Dämmerungsleistung des 42 mm-Objektives ist es natürlich auch für die Ansitzjagd geeignet.
Das robuste ZF ist aus Dural, also Flugzeugaluminium gefertigt. Hohe Belastungen sind damit für den Tubus kein Problem. Insbesondere bei der Anwendung von Nachtsichtgeräten als Vor- oder Nachsatzgerät ist diese Robustheit natürlich von Vorteil. In Kombination mit einem Nachtsichtgerät eignet sich das 42 mm-Objektiv für einen Nachtansitz auf Sauen ebenfalls. Das Abkommen liegt in der zweiten Bildebene und hat damit den Vorteil feiner Balken bei größeren Entfernungen. Bei kurzen Entfernungen, wie eben einer Riegeljagd, kann das kompakte Abkommen rasch am Wildkörper platziert werden. Die Bildqualität ist gut, Bildschärfe ist bis in den Randbereich gegeben. Einzig die Dämmerungsleistung ist durch das 42 mm-Objektiv etwas eingeschränkt und verkürzt die Jagdzeit in der Dämmerung dann doch beträchtlich.
In Summe geht das Meostar für die Jagd sehr in Ordnung, reicht aber punkto Bildqualität und Sehfeld (21,1–6,8 m/100 m) an ein Top-Premium­zielfernrohr doch nicht ganz heran. Die Justierung wird pro Klick um 0,7 cm/100 m korrigiert; das heißt, es wird auch Jäger jenseits des großen Teiches ansprechen. Eine Absehensbeleuchtung mit 8 Stufen und Zwischenstufen garantiert auch bei Dämmerung ein sauberes Abkommen am Wildkörper. Bei den Zwischenstufen ist die Absehensbeleuchtung immer abgeschaltet. Damit kann man die gewünschte Helligkeit vorjustieren: Dreht man eine Stufe weiter oder zurück, wird die Beleuchtung abgeschaltet. Beim Einsatz braucht nun wieder nur eine Stufe nach vorne oder zurück gedreht werden und schon passt die gewünschte Beleuchtung. Ebenfalls an Bord ist eine Auto-Off-Funktion, die nach drei Stunden Dauerbetrieb die Absehens­beleuchtung automatisch ausschaltet. Der Mittelrohrdurchmesser beträgt 30 mm, sodass alle herkömmlichen Zielfernrohrmontagen eingesetzt werden können.

Am Schießplatz
Zunächst wurde die Schussleistung der Büchse mit Zielfernrohr und Schalldämpfer überprüft. Dazu wurde das Modell SOB 2 des bekannten Herstellers Recknagel mit einem 15×1 mm Mündungsgewinde gewählt. Der bewährte Schalldämpfer ist sehr robust, hat eine hoch belastbare Oberflächenbeschichtung (nach Militärstandard) und einen Mündungsüberstand von nur 10,5 cm.
Als Munition wurde die ebenfalls aus tschechischer Fertigung stammende Sellier & Bellot „eXergy Blue“ mit 10,7 g Geschoßgewicht gewählt. Dabei handelt es sich um ein bleifreies Deformationsgeschoss, das wir bereits – übrigens sehr erfolgreich – im Rahmen eines Langzeit-Feldtests (siehe WEIDWERK-Ausgabe 11/24) erprobt haben.
Nach WEIDWERK-Standard wurden zunächst einmal 5 Schuss mit jeweils 3 Minuten Pause, also mit kaltem Lauf, auf eine Anschuss-Scheibe auf eine Entfernung von 100 m abgegeben. Mit einem Streukreisdurchmesser von 17 mm lieferten die Jagdwerkzeuge wirklich eine perfekte Schussleistung. Mit warmem Lauf (drei Schüsse ohne Zeitverzögerung) lieferte die Dentler 21 dann jedoch einen Streukreis von 43 mm im Durchmesser. Damit haben die Dentler DR 21, das Meostar-Zielfernrohr, der Recknagel-Schalldämpfer sowie die Munition eine für die Jagd sehr gute Performance abgegeben,
jedenfalls die Schussleistung betreffend.
Der Rückstoß war mehr als moderat, was der Kombination aus Eigen­gewicht, Schalldämpfer und wohl auch der Rückstoßdämpfung, die in der längenverstellbaren Schaftkappe zusätzlich eingearbeitet worden ist, geschuldet ist. In der Jagdpraxis war der Repetierer dann doch etwas gewöhnungsbedürftig.
Zunächst haben wir die Schaftlänge und die Schaftbackenhöhe genau an unsere persönlichen Bedürfnisse angepasst. Dies ist notwendig, da der Bereich an der Schaftbacke ziemlich breit konzipiert ist und man dadurch etwas schwieriger in den Anschlag findet. Es erforderte doch einige Probeanschläge und Trockentraining, um beim raschen Anschlagen die Büchse sauber an der Wange zu haben.
Die Handspannung der Büchse wird, wie schon ausgeführt, durch einen Drucktaster am Pistolengriff mit dem Handballen der Schusshand eingedrückt. Damit ist die Büchse gespannt, entsichert und schussbereit. Dies erfordert einen satten Anschlag, vorsichtig geht da nichts, aber es funktionierte nach ein paar Probeschüssen wirklich gut. Schwieriger wird es bei sehr rasch hintereinander abgegebenen Schüssen. Handballenauflage drücken (Büchse spannen, schießfertig machen), dabei muss der Abzugsfinger noch „lang“ (Sicherheit) geführt werden. Dann Abzugsfinger auf den Abzug und Schussabgabe ausführen. Nach der Schussabgabe repetieren und das Prozedere wiederholen, das will geübt sein. Wenn der Drücker der Handballenauflage nicht aktiviert ist, hat man aber immer eine entspannte Büchse – mehr an Sicherheit geht nicht. Das sichere Entladen bzw. Öffnen des Verschlusses wird, wie schon erwähnt, durch einen leichten Druck auf den Drücker der Handspannung gewährleistet. Die Balance der Büchse ist ohne Schalldämpfer etwas hinterlastig, also Richtung Schaftkappe gewichtet. Mit aufgesetztem Schall­dämpfer liegt die Büchse dafür deutlich ausgewogener im Anschlag. Was aber eindeutig auf die Schulter drückt, ist das Gewicht der Büchse: Ohne Schalldämpfer zeigte die Waage 4,85 kg (mit ZF und Dentler Montage-Basis) an. Für den Recknagelschalldämpfer gibt es noch leichte 378 Gramm dazu.
Die Dentler DR 21 muss man haben wollen, ihre Funktionen müssen sich in das Gedächtnis des Jägers brennen. Dann hat man eine moderne futuristisch anmutende Büchse mit kaum 100 cm Gesamtlänge inkl. SD mit einem universellen jagdlichen Einsatzbereich. Die Fertigungsgenauigkeit ist lobenswerterweise sehr hoch. Das Meostar ZF R2 1,7–10×42 RD ist ein kompaktes, robustes, einfaches, aber jagdtaugliches Zielfernrohr, welches das Notwendigste, aber auch Wichtigste liefert, was der Jäger in der Praxis braucht. Das Abdimmen des Rotpunktes bei der Absehens-Beleuchtung ist auch bis in den feinsten Bereich möglich gewesen. Damit überstrahlt diese den Wildkörper nicht. Alle Bedienelemente, sowohl der Büchse als auch des Zielfernrohres, sind auch mit Handschuhen handhabbar.
Abschließend kann dem futuristischen Geradezugrepetierer DR 21 in der getesteten Version eine gute Performance attestiert werden, wenngleich man sein Design mögen und seine Handhabung verinnerlichen muss. Die Eignung zum brauchbaren Jagdwerkzeug hat er jedenfalls.

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