Infektion mit Lippengrind

Im vorliegenden Fall hat sich ein Jäger beim Aufbrechen eines Stückes Muffelwild infiziert.
Im vorliegenden Fall hat sich ein Jäger beim Aufbrechen eines Stückes Muffelwild infiziert.

Eine Infektion mit dem Orf-Virus (Parapox-Virus) ist vor allem bei Schafen, Ziegen, Rindern, Neuweltkameliden und Pferden als „Lippengrind“ bekannt. Es entstehen im Zuge der Erkrankung Bläschen und Krusten im Gesichtsbereich, aber auch am Euter und im Klauenbereich. Die Inkubationszeit beträgt bei Tieren 3 bis 14 Tage. Die Erkrankung ist zumeist selbstlimitierend und nicht meldepflichtig.

Orf-Virus beim Menschen
Im vorliegenden Fall wurde ein Jäger im Zuge des Aufbrechens eines klinisch gesund erscheinenden Stückes Muffelwild durch eine kleine Verletzung am Beckenknochen infiziert. Durch bakterielle Sekundärinfektionen können sich die Läsionen entsprechend ausweiten. Auch beim Menschen ist die Infektion mit Parapox-Viren nicht anzeigepflichtig. Die Inkubationszeit beim Menschen beträgt 4 bis 8 Tage. Die Läsionen sind zu Beginn meist nässend und dann knotenartig, bis zu 2 cm groß mit entzündlicher Umgebung und heilen in der Regel nach 4 bis 6 Wochen ab.

Bedeutung für Jäger
Bläschen und Krusten an der Haut und Schleimhaut des Hauptes und des Klauensaums sind nicht nur hinsichtlich der Lebensmitteleignung als bedenkliche Merkmale anzusehen, sondern können auch Zeichen von Tierseuchen sein. Beim Umgang mit solchen Stücken sind unbedingt Handschuhe zu verwenden.
Dass aber auch äußerlich unauffällige Stücke das Virus tragen können, ist ein Argument für die generelle Verwendung von Handschuhen beim Aufbrechen. Beim Auftreten der oben geschilderten Veränderungen sollte ein Allgemeinmediziner aufgesucht werden und darauf hingewiesen werden, dass man Jäger ist.

Bedeutung für die jagdliche Bewirtschaftung

Es gibt keine spezifischen Maßnahmen zur Vorbeugung oder Bekämpfung dieser Erkrankung. Es sind vor allem die allgemeinen und unspezifischen prophylaktischen Maßnahmen einzuhalten, wie jagdliche Entnahme von sichtbar erkrankten Stücken und das Einhalten von Hygiene an den Futterplätzen (Entfernen von unverbrauchten Futterresten, Reinigung und Desinfektion der Fütterungseinrichtungen).

Weiterführende Informationen
https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-z/parapocken
Eine ältere Zusammenstellung von Humanfällen aus den USA: https://www.cdc.gov/mmwR/preview/mmwrhtml/mm5503a1.htm

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