Sie schärft die Nase, fördert die Konzentration und legt einen wichtigen Grundstein für die zuverlässige Arbeit des Jagdgebrauchshundes.
Innerhalb der Ausbildung des Jagdgebrauchshundes erweist sich das Training auf der Schleppe in vielerlei Hinsicht als hilfreich. Wer seinen Hund systematisch an die Schleppe heranführt, schafft damit zugleich eine solide Basis für das Verlorenbringen von Nieder- und Raubwild sowie für die spätere Schweißarbeit. Dabei lernt der Hund für seine zukünftige Arbeit gezielt seine Nase einzusetzen, sich auf eine einzige Spur zu konzentrieren und diese bis zum Ende zu halten, ohne diversen Verleitungen zu folgen. Am Schleppstück angekommen, soll er es aufnehmen und sofort auf seiner eigenen Fährte zum Hundeführer zurückbringen.
Wie geht Schleppenarbeit?
Zu Beginn setzt man Dummys ein, später Wild bzw. Wildteile. Die Schleppe sollte eine Hilfsperson ziehen, damit der Vierbeiner nicht dem Geruch des Hundeführers folgt. Für den Helfer sind Gummistiefel Pflicht, denn durch diese gelangen nur wenige menschliche Geruchspartikel nach außen. Begonnen wird in einfachem Gelände: Wiesen mit kurzem Bewuchs, die nicht erst kürzlich gedüngt oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sein sollten. Erst später folgen Waldschleppen.
Die Witterung ist für den Hund intensiver, wenn auf feuchtem Boden begonnen wird. Außerdem sind vor dem Schleppeziehen die Windverhältnisse zu beachten: Der Vierbeiner sollte die Spur möglichst mit Nackenwind arbeiten. Auf freien Flächen wird der Hund eher mit tiefer Nase suchen. Kommt der Wind jedoch von vorne, beginnt er meist mit hoher Nase, was unerwünscht ist. Selbstverständlich kann sich der Wind bereits gedreht haben, bis der Hund auf der Spur angesetzt wird. Dies sollte dann bei der Beurteilung der Suche des Vierbeiners berücksichtigt werden. Im Wald hingegen setzt der Hund seine Nase etwas variabler ein, denn Geruchspartikel haften auch etwas höher an Sträuchern und Bäumen.
Schleppe ziehen
Am Beginn der Schleppe wird ein Anschuss simuliert, indem die Hilfsperson mit dem Dummy leicht auf dem Boden scharrt. Von Schleppwild werden Wolle, Haare oder Federn ausgezupft und das Wild kreisförmig ein paar Mal über den Boden gezogen. Ein Benetzen des Schleppgegenstandes mit Wasser kann ein noch stärkeres Geruchsbild bewirken. Der Dummy oder das Wild wird gut an einer Schleppschnur befestigt. Hat der Dummy eine Schlaufe, so eignet sich auch eine Flexileine mit Karabinerhaken. Somit ist ein Verlieren unterwegs kaum möglich. Um das Schleppwild mehrmals verwenden zu können, ist es wichtig, immer mit dem Strich bzw. Federnverlauf zu ziehen. Der Hund darf das Ziehen der Schleppe nicht beobachten. Ansonsten merkt er sich den Verlauf und sieht, wo das Schleppstück abgelegt wurde. Dies könnte ihn dann zur ungenauen Ausarbeitung und Abkürzung der Spur verleiten.
Es ist wichtig, den Schleppenverlauf entsprechend zu markieren, um ihn später genau nachvollziehen zu können. Markante Stellen stellen Anfangs- und Endpunkt dar. Der Streckenverlauf selbst wird durch einige längere – in größerem Abstand in den Boden gesteckte – Stöcke gekennzeichnet. Im Wald ist eine entsprechende Kennzeichnung an Bäumen mit Tafelkreide möglich, die sich beim nächsten Regenschauer wieder von selbst abwäscht: Beispielsweise Start- und Zielpunkt mit einem Kreuz, den weiteren Verlauf mit einem Kreis und Winkel durch die entsprechende Richtung andeutende Haken.
Anfangs wählt man einen kurzen, einfachen Spurverlauf (bis 300 Meter) mit nur einem stumpfen Winkel oder einer leichten Kurve. Rechte und spitze Winkel sollten erst mit zunehmender Spursicherheit des Hundes vorkommen. Vorher wäre die Gefahr zu groß, dass er bei ungünstigerem Wind in solchen Bereichen ungenau arbeitet. Generell gilt, den Verlauf regelmäßig zu verändern, damit der Hund nicht durch das Wiedererkennen in der Suche abstumpft.
Beute erst am Ende
Die ersten Meter soll die Schleppe etwas langsamer und dann zügig gezogen werden, ohne Zwischenstopp, damit keine Geruchsverdichtung entsteht. Sie verläuft seitlich neben der Trittspur des Schleppenziehers. Am Ende der Spur wird das Schleppstück von der Schnur gelöst und nach erneuter Geruchsverdichtung für den Hund gut sichtbar abgelegt. Anschließend geht der Schleppenzieher noch einige Meter weiter geradeaus, ehe er sich entweder abseits versteckt oder in weitem Bogen um die Spur zurückgeht.
Die deutlich erkennbare Beute am Ende der Schleppe ist anfangs wichtig, damit der Hund sie nicht überläuft und fälschlicherweise der Spur des Schleppenziehers folgt. Außerdem muss der Schleppgegenstand so abgelegt werden, dass ihn der Vierbeiner problemlos aufnehmen und apportieren kann. Bei Schleppwild ist darauf zu achten, dass dies in möglichst einwandfreiem Zustand ist. Stark beschädigtes, übelriechendes Wild verleitet den Hund zum Anschneiden. Eingefrorenes Schleppwild muss bis zum Ziehen der Spur vollständig aufgetaut sein, da es im gefrorenen Zustand weniger Geruchspartikel abgibt. Zudem ist die Kälte unangenehm im Fang, was dem Hund das Apportieren völlig verleiden kann.
Vor der Schleppenarbeit empfiehlt sich ein kurzer Spaziergang mit dem Hund, auf dem er sich lösen kann. Für die Arbeit auf der Schleppe soll der Hund ausgeruht, aber nicht völlig energiegeladen sein. Vor dem Training sollte er nichts fressen, sein Futter wartet als Belohnung nach getaner Arbeit. Auch zwischendurch sollte es keine Leckerli, sondern nur kurze lobende Worte geben. Ansonsten wird der Vierbeiner jedes Mal aus seiner Konzentration herausgerissen und findet sich schwer bis gar nicht wieder in seine eigentliche Aufgabe ein.
Zunächst sucht der Vierbeiner nur an der Feldleine. Damit hat man ihn in der Übungsphase besser unter Kontrolle und kann gut korrigieren. Damit wird auch verhindert, dass sich der Hund ein weitläufiges Suchen mit hoher Nase angewöhnt.
Schleppspur aufnehmen
Kurz vor dem Ausgangspunkt der Schleppe (vermeintlicher Anschuss), wird der Hund abgelegt. Dann untersucht man alleine den Anschuss, ehe der Hund abgeholt und mit einem „Such verloren, Apport“ am Startpunkt Witterung aufnimmt. Hat er sich an der Spur „festgesaugt“, ein kurzes Lob und dann folgt man mit etwas Abstand. Wird er zu stürmisch, nimmt man ihn mit einem „langsam“ etwas zurück. Klappt dies nicht, wird er wieder abgelegt, bis er sich entspannt und merkt, dass ihn sein ungestümes Verhalten nicht weiterbringt. Fährt er dann konzentriert mit seiner Arbeit fort, erhält er kurzes Lob. Die Betonung liegt hier auf „kurz“, damit der Hund nicht zu aufgeregt wird. Dem Hund nicht zu dicht zu folgen, um ihn nicht in seiner Arbeit zu behindern. Schließlich braucht er einen gewissen Freiraum für seine Suche. Die Leine sollte mit einem leichten Zug gehalten werden, ohne den Vorwärtsdrang einzuschränken.
Lob und Korrektur
Hundeführer müssen den Hund und sein Verhalten genau beobachten, um zu unterscheiden, ob er gerade lustlos auf dem Boden „herumstochert“ oder nicht mehr auf der richtigen Spur ist. Eventuell ist er aber von seinem Ausbildungsstand noch nicht so weit, die Spur zu halten. Kommt der Vierbeiner weiter von ihr ab, gibt man ihm etwas Zeit, sich selbst zu korrigieren. Hat er dabei Erfolg (kurzes Lob wichtig!), wird sich seine Leistung insgesamt zunehmend verbessern.
Sollte eine echte Arbeitsverweigerung bemerkt werden, fordert man sofortigen Gehorsam ein. Lobt aber sofort wieder, sobald er die Suche erneut konzentriert aufnimmt. Der Hund lernt nur über ein richtiges Timing von Lob und Korrektur, was von ihm erwartet wird.
Am Endpunkt der Schleppe muss der bereits im Apport ausgebildete Hund das Stück aufnehmen und sofort damit zurückkommen. Nach kurzem Lob geht es neben der Schleppspur gemeinsam zum Ausgangspunkt zurück. Dort soll sich der Vierbeiner absetzen und den Apportiergegenstand in die Hand geben. Dann wird ausgiebig gelobt und mit ein paar Futterbröckchen belohnt, wodurch diese Arbeit einen zusätzlichen Anreiz für den Hund bekommt.
Freie Spurarbeit für Fortgeschrittene
Wenn das Training an der Feldleine sicher funktioniert, ist der nächste Schritt die freie Spurarbeit. Beginnend mit einer geraden Schleppe (ohne Winkel) und die Feldleine wird durch eine Ablaufschnur ersetzt, die man nur durch den Ring der Halsung zieht. Damit kann der Jagdhund am Anfang bei Bedarf so weit korrigiert werden, bis er die Spur sicher angenommen hat. Dann die Schnur an einer Seite loslassen, damit er nun frei suchen und schließlich korrekt apportieren kann. Wirkt der Hund noch oder wieder unsicher beim Apportieren, übt man es noch einmal ohne Schleppe. Damit sich keine gröberen Fehler, wie ein Bunkern der Beute, manifestieren, geht man zum Training an der Feldleine über.
Klappt die freie Spurarbeit auf geradem Streckenverlauf zuverlässig, kann dies durch Einbauen von Winkeln oder das Wechseln der Schleppgegenstände erschwert werden. Auch unterschiedliche Gelände mit diverser Bewuchshöhe samt Hindernissen wie am Boden liegende Baumstämme sind wichtig. Die Stehzeit der Schleppe sollte verlängert werden (bis etwa fünf Stunden), sowie die Schleppenstrecke auf bis zu 1.000 m. Das Üben sollte auch bei Regen erfolgen, damit der Vierbeiner auch lernt, nasses Wild zu bringen. So bleibt das Training für den Hund nicht nur abwechslungsreich und spannend, sondern verbessert auch die Leistung für den späteren Jagdgebrauch. Während zu Beginn nur zwei bis drei Schleppen in der Woche gearbeitet werden, kann der Hund nun zwei bis drei Suchen an einem Tag absolvieren. Auf diese Weise hat man schon bald eine gute Basis für die Freiverlorensuche und die Schweißarbeit geschaffen.









