NÖ Landesjägermeister Christoph Metzker spricht über die Folgen von Hitze und Trockenheit, notwendige Lehren für die Reviere und darüber, warum sich die Jagd selbstbewusster zeigen sollte.
Wir sind mitten in der Hauptjagdsaison. Wie viel Zeit verbringen Sie momentan im Revier?
Christoph Metzker: Berufsbedingt und aufgrund meines Ehrenamts nicht so viel Zeit, wie ich gerne würde – hauptsächlich am Wochenende.
Ein Sommer der Extreme ist vorbei. Sind die Folgen für den Wildbestand schon absehbar?
Metzker: Ganz Niederösterreich war massiv von der Trockenheit betroffen, regional sind die Auswirkungen aber unterschiedlich. Im Osten sehen wir deutliche Auswirkungen beim Niederwild, speziell beim Hasen. Auch Fasan und Rebhuhn standen unter starkem Druck. Durch die Trockenheit sind Wiesen, Begrünungen und Brachen ausgetrocknet, damit gab es weniger Insekten. Gerade der Fasan braucht aber tierisches Eiweiß. Beim Rehwild sehen wir jetzt die Auswirkungen sehr deutlich: Ich habe in den vergangenen 30 Jahren um diese Jahreszeit noch nie so schwach entwickelte Kitze gesehen. Aus vielen Revieren hören wir auch von Kitzen, die den Hitze- und Trockenstress nicht überlebt haben.
Wird der Sommer Auswirkungen auf die Abschusspläne haben?
Metzker: In einigen Revieren wird es sicherlich herausfordernd, den Rehwildabschuss bei Geiß und Kitz zu erfüllen. Auch bei den Böcken sind vielerorts noch Stücke frei, weil die Bejagung durch die Hitze eingeschränkt war. Während der Brunft war die Aktivität teilweise in die Nacht verlagert.
Die Jägerschaft war im Sommer im Dauereinsatz. War das eine Möglichkeit, der nichtjagenden Bevölkerung zu zeigen, dass Jagd nicht nur aus Schießen besteht?
Metzker: Genau darauf wurden Jäger oft reduziert, aber das Bild ändert sich. Schon im Vorjahr bei der Myxomatose wurde deutlich, was viele Reviere leisten. Heuer war es die Trockenheit. Es wurden Wasser, Grün- und Saftfutter ausgebracht – auf private Kosten und ehrenamtlich. Unsere 37.000 Jägerinnen und Jäger haben zig Millionen Liter Wasser ausgebracht. Darauf können wir stolz sein. Wir nehmen unsere Leidenschaft ernst und dazu gehört das Wohl der Tiere.
Ist diese Leistung ausreichend kommuniziert worden?
Metzker: Es ist gelungen, das Thema medial breit zu transportieren, aber genug ist es wahrscheinlich nie. Da können wir noch lauter und selbstbewusster werden.
Welche Lehren zieht man aus einem Sommer wie diesem?
Metzker: Sehr viele. Der Klimawandel verändert Land- und Forstwirtschaft und damit unmittelbar die Lebensräume unserer Wildtiere. Gleichzeitig nehmen invasive Arten und neue Krankheiten zu. Bei der Trockenheit müssen Land- und Forstwirtschaft sowie Jagd stärker gemeinsam vorausplanen: Wo können Grünstreifen oder Begrünungen angelegt werden? Wann werden sie gemäht? Auch beim Wasser können wir vorsorgen und beispielsweise im Frühjahr Tränken schaffen. Und wir müssen beim Futter vorausdenken. Jeder Jäger sollte rechtzeitig wissen, welche Wildbestände er im Winter im Revier hat und wie viel Futter er braucht.
Wie intensiv ist in solchen Situationen der Austausch innerhalb der Jägerschaft?
Metzker: Das funktioniert über unsere Fachausschüsse sehr gut. Dort bringen Vertreter aus den verschiedenen Regionen ihre Themen und Erfahrungen ein. Diese werden diskutiert und daraus entstehen im Idealfall Empfehlungen für Vorstand und Präsidium. Gerade bei Trockenheit und Wasserversorgung gibt es viele Ideen, was wir künftig besser machen können.
Und wie intensiv ist der Dialog mit Land- und Forstwirtschaft?
Metzker: Als Landesjägermeister ist mir ein offener Austausch mit dem Land Niederösterreich und der Landwirtschaftskammer wichtig. In meinem eigenen Revier setzen wir uns im Winter mit dem Jagdausschuss und größeren Grundbesitzern zu einem Planungsgespräch zusammen. Je öfter Land- und Forstwirtschaft und Jagd miteinander reden, desto unkomplizierter und besser funktioniert es im Revier.
Der trockene Sommer hat heuer vieles überschattet. Hat die Aufmerksamkeit für das heurige Jahresmotto „Sichere Jagdpraxis“ unter der Hitze gelitten?
Metzker: Mit den Gesellschaftsjagden kommen im Herbst und Winter noch einige wichtige Themen. Uns ist aber bewusst, dass sichere Jagdpraxis zu umfangreich und wichtig ist, um sie nach einem Jahr abzuschließen. Deshalb werden wir das Thema 2027 weiterführen. Dazu gehört beispielsweise das regelmäßige Übungsschießen. Sicherheit umfasst aber nicht nur den Umgang mit der Waffe, sondern auch die Sicherheit im Revier und die Gesundheit der Wildtiere.
Welche Initiativen aus dem Jahresmotto werden länger nachhallen?
Metzker: Wir haben unter anderem Wissensquizze angeboten, die sehr gut angenommen wurden. Dabei sehen wir aber auch, dass der Wissensstand sehr unterschiedlich ist. Wer seine Jagdausbildung vor Jahrzehnten absolviert hat, vergisst theoretisches Wissen, wenn er es in der Praxis nicht regelmäßig braucht. Das wollen wir bewusst machen und gezielt Angebote über mehrere Kanäle schaffen.
Mit Ihrer Wahl zum Landesjägermeister wurde auch ein stärkerer Fokus auf die Jugend gerichtet. Wie entwickelt sich die Nachwuchsakademie?
Metzker: Die läuft extrem gut. Wir haben Jägerinnen und Jäger aus allen Bezirken und mit unterschiedlichen jagdlichen Hintergründen dabei. Die Gruppe ist sehr dynamisch und wissbegierig, die Teilnehmer wollen sich weiterentwickeln und vor allem mitgestalten. 2027 sollen die ersten Zertifikate vergeben werden. Das Ziel ist, die eine oder den anderen danach in ehrenamtliche Gremien, Bezirksfunktionen oder Fachausschüsse zu bringen. Danach soll ein zweiter Turnus starten.
Seit Ende Juni 2025 sind Sie Landesjägermeister. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Metzker: Sportlich, aber sehr positiv. Wir haben ein sehr gutes Team im Jagdverband und einen offenen Austausch in Präsidium und Vorstand. Bei den Bezirksjägermeistern hat es einen Generationswechsel gegeben und auch im Verband haben wir einiges verändert – bis hin zum Weidwerk, das sich in Richtung hochwertiges Fachmagazin entwickelt. Die Nachwuchsakademie läuft gut. Zudem habe ich mir vorgenommen, Brücken zu Politik, Wissenschaft und Forschung zu bauen, da ist uns bereits einiges gelungen. Wir haben uns viel vorgenommen und fast alles umgesetzt.
Im kommenden Jahr finden im NÖ Jagdverband turnusmäßig Wahlen statt …
Metzker: Ja, ich stelle mich der Wiederwahl. Mich begeistert es, die Jagd in Niederösterreich aktiv mitzugestalten und modern, aber im Sinne des Wildes naturnah und nachhaltig weiterzuentwickeln. Wir brauchen eine starke Stimme und eine professionelle Organisation. Und vielleicht schaffen wir es noch stärker, der nichtjagenden Bevölkerung zu vermitteln, wie vielseitig und wichtig die Aufgaben der Jägerinnen und Jäger sind. Das hat gerade dieser Sommer sehr deutlich gezeigt.









