Die Jagdeinrichtungen tragen wesentlich zum Erfolg bei. Wer sich hier bei der Vorbereitung der Reviereinrichtungen auf bestimmte Eckpfeiler konzentriert, ist bestens
gerüstet.
Eine wahre Begebenheit: Das Wetter passt und der Herbst präsentiert sich in seinen schönsten Farben. Die alljährliche Riegeljagd auf Wildschweine steht heute am Programm. Nach dem Beginn der Jagd setzt sich die Treiberkette in Bewegung. Wenn die Schweine – so wie letztes Jahr – schon in der ersten Dickung stecken, kann es bald zum Showdown kommen. Und so ist es auch. Das aufgeregte Lautgeben der Jagdhunde ist unüberhörbar und die ersten Schüsse fallen. Immer wieder schallen weitere Schüsse durch den Herbstwald und heben schlagartig den Adrenalinspiegel der Jäger auf den benachbarten Ständen. Nach zweieinhalb Stunden ist die Jagd vorbei. Das Wild wird geborgen und versorgt. Am Sammelplatz werden die Erlebnisse ausgetauscht und schnell stellt sich heraus, dass es diesmal großes Glück im Unglück gab. Es ereignete sich ein Unfall auf einem Riegeljagdstand, wo nur mit viel Glück und Hubertus’ Schutzengel nichts passiert ist. Beim Anwechseln der Wildschweine stand der Jäger auf, um in den Anschlag zu gehen und plötzlich gab der Boden unter ihm nach. Nach dem Durchbruch stürzte er aus etwa einem Höhenmeter ab, ehe er am Waldboden aufkommt – ein Horrorszenario. Die Büchse war zu diesem Zeitpunkt noch entspannt. Das zeigt in doppelter Hinsicht, wie gefährlich die Situation auch für die umliegenden Jäger hätte ausgehen können.
Revierkarten als Orientierungshilfe
Ist der Ablauf der Riegeljagd geklärt, gilt es die Reviereinrichtungen entsprechend auszuwählen. Eventuell kommt der eine oder andere neue Stand hinzu und so mancher anderer fällt weg, auch wenn im Vorjahr bereits das gleiche Gebiet bejagt wurde. Der Bewuchs nimmt stetig zu und aus einem Top-Stand im Vorjahr kann im nächsten Jahr einer werden, von dem aus kaum mehr Einsicht ins Gelände gegeben ist. Auch darf man nicht dem Irrglauben verfallen, dass die Stände, die letztes Jahr in Ordnung waren, automatisch heuer auch noch sicher sind. Deshalb ist es unabdingbar, jeden einzelnen Stand bereits im Vorfeld aufzusuchen und für einen optimalen Jagdtag vorzubereiten.
Revierkarten (auch Standkarten genannt) mit den markierten Ständen der Riegeljagd sind sehr hilfreich. Nicht nur in der Planungs- und Vorbereitungsphase, sondern sie bieten auch am Jagdtag für die Standschützen sowie für die Jagdgehilfen eine wesentliche Orientierungshilfe. Werden diese Revierkarten auch noch mit den Telefonnummern von Jagdleiter und Anstellern ausgestattet, ist auch die Kommunikation in Ernstfällen sichergestellt.
Sicherheitsüberprüfung
Dezidierte Riegeljagdstände sind in der Regel offene Stände, um für den Schuss auf bewegtes Wild entsprechenden Aktionsradius zu haben. Zur Vorbereitung des Riegeljagdstandes zählt zugleich auch eine Sicherheitsüberprüfung der Konstruktion. Fakt ist: Kommt es zu einem Unfall bei der Benutzung von Reviereinrichtungen, liegt die Verantwortung beim Jagdausübungsberechtigten. Der für das Weidwerk bereits vor Jahren entwickelte Leitfaden zur Sicherheitsüberprüfung von Hochständen hilft dabei, in puncto Konstruktionssicherheit nichts zu übersehen.
Wie geht man nun am besten beim zumindest einmal im Jahr durchzuführenden Sicherheitscheck vor? Hier heißt es rütteln, schauen und Material prüfen. Bei der Rüttelprobe wird die Konstruktionsstabilität untersucht. Ein rüttelnder Griff mit angemessenem Kraftaufwand auf Leiter (Holme und Sprossen) sowie Hauptstützen, Brüstung & Co gibt Aufschluss, ob die Bauteile noch kraftschlüssig miteinander verbunden sind.
Im Zuge der optischen Kontrolle liegt besonderes Augenmerk auf Luftspalten, Risse oder Verwitterungen (Holzfäulnis). Werden Bauteile erkannt, bei denen die Holzqualität nicht mehr als gegeben vermutet wird, gibt eine Messerprobe Aufschluss. Hierbei wird mit einer Messerspitze oder einem Flachschraubendreher versucht, in das Holz einzudringen. Gelingt das, deutet alles darauf hin, dass im Holzinneren bereits versteckte Holzfäulnis vorhanden ist und der Bauteil ausgetauscht werden muss. Der Vollständigkeit halber steht zum Abschluss noch eine Funktionskontrolle am Programm, wo Dachdichtheit, Gängigkeit von Fenstern und Türen oder Lautlosigkeit des Sitzbretts geprüft werden, wenngleich diese Beispiele eher bei geschlossenen Kanzeln als bei offenen Riegeljagdständen zutreffen.
Der Fokus gilt auch den Aufstandsflächen der Hauptstützen. Diese sind bei der Errichtung jedenfalls auf entsprechende Fundamente (z. B. Betonplatten oder flache Steine) zu stellen, um dauerhaft nicht der direkten Bodenfeuchtigkeit ausgesetzt zu sein. Ein prüfender Blick auf die Fundamente und Aufstandspunkte der Hauptstützen ist im Sicherheitscheck unerlässlich. Des Weiteren sind herausstehende Nägel nachzunageln, welche durch das Trocknen und Zusammenziehen des Holzes resultieren können. Besonderes Augenmerk muss den tragenden Bauteilen gewidmet werden. Ist das Holz gesund, kann einer weiteren jagdlichen Benutzung nichts mehr im Wege stehen. Leitern – vor allem die Verbindungen von Leiterholm und Leitersprosse – zählen zu den neuralgischen Bauteilen, die besonders gründlich auf ihre Stabilität zu überprüfen sind! Erkannte Sicherheitsmängel sind ohne Wenn und Aber auszubessern.
Umgebungscheck
Neben der Sicherheit der Stände tragen auch weitere Aspekte zum Erfolg einer Riegeljagd bei. So helfen die besten Standorte im Revier nichts, wenn die Schussfelder nicht freigeschnitten sind. Kugelfang muss dabei stets vorhanden und einsehbar sein. Auch auf freie Zuwegungen zu den Ständen ist zu achten. Sind Markierungen von Schieß- oder Sicherheitszonen aus dem Vorjahr noch vorhanden, gilt es auch diese auf ihre Gültigkeit zu überprüfen. Achtung: Werden einzelne Stände auch nur wenige Meter verstellt, können rasch vermeintlich sichere Bereiche brandgefährlich werden, da sich die Winkel zum Stand verändern. Für die leichtere Orientierung und Standzuweisung werden Stände markiert und in vielen Revieren zusätzlich mit Nummern versehen, die auch mit der Revierkarte übereinstimmen. Hier ist ebenfalls sicherzustellen, dass die Markierungen gut erkennbar sind.
Fazit
Für den Erfolg einer Riegeljagd kommt es nicht nur auf die Treffsicherheit der Jägerinnen und Jäger an. Der Erfolg liegt in der Regel vielmehr in der Vorbereitungsarbeit. Hier ist man gut beraten, nicht alles auf den letzten Drücker zu erledigen. Fahrlässig ist es, auf manche Arbeiten wie die Standüberprüfung im Vorfeld zu verzichten, nur weil im letzten Jahr auch „alles in Ordnung“ war. Die wahre Story zu Beginn zeigt, wie schnell es gehen kann und eine Jagd von einem Unfall überschattet wird.









