Hunde-Trio  - V. l. n. r.: Pudelpointer, Deutsch Stichelhaar und Griffon Korthals. - © Oliver Deck
Serie

Die heutigen Jagdhunderassen sind das Ergebnis einer jahrzehnte- oder gar jahrhundertelangen Züchtung. Entstanden sind Jagdhunde, die für die unter­schiedlichsten Jagdmethoden prädestiniert sind – vom kleinen, wendigen Bauhund bis hin zum kräftigen Apportierhund. In loser Folge holen wir die einzelnen Rassen vor den Vorhang und stellen sie detailliert vor. – 14. Teil: Deutsch Stichelhaar & Griffon Korthals.

Nachdem wir bereits über den Deutsch Drahthaar, einer der beliebtesten und häufigsten, aber auch jüngsten Jagdhunderassen, berichtet haben (WEIDWERK 2/2019, Seite 32), widmen wir uns in dieser Ausgabe den ersten beiden der insgesamt drei einander sehr ähnlichen, rauhaarigen Jagdhunderassen, die nicht unerheblich zu seiner Entstehung beigetragen haben.

Hierbei handelt es sich um viel ältere Rassen, deren Markenzeichen das raue, drahtige Fell, der mehr oder weniger ausgeprägte Bart und die ­buschigen Augen­brauen sind: der Deutsche Stichel­haarige Vorstehhund und der Griffon Kort­hals (auch: Französischer Rauhaariger Vorstehhund).

Häufig sehen einander die Hunde ­dieser drei Rassen so ähnlich, dass sie nur von wahren Kennern richtig benannt werden können – und selbst ­diesen kann es passieren, dass der eine oder andere vierläufige Jagdgefährte der ­falschen Rasse zugeordnet wird.

Deutsch Stichelhaar

Der Deutsch Stichelhaar, wie diese Rasse kurz genannt wird, ist die älteste mitteleuropäische rauhaarige Vorstehhunderasse. Schon auf Holzschnitten aus dem 16. Jahrhundert sind „straufhaarige“ oder stichelhaarige Hühnerhunde zu sehen. Aus diesen hat sich der heutige Deutsch Stichelhaar ent­wickelt.

1879 wurde der Rassestandard definiert, 1882 wurde die Rasse als eigenständig anerkannt und der Stichelhaar im öster­reichischen und deutschen Hundestammbuch registriert. 1888 gelang durch den Kynologen Dr. Hanns von Kadich in einer wissenschaftlichen Monographie der Nachweis, dass es sich beim ­Deutsch Stichelhaar um die eigenständige rauhaarige Rasse des deutschen Hühnerhundes und nicht um eine Varietät des kurzhaarigen oder einer italienischen bzw. französischen Rauhaarrasse handelt. Diese Rasse wurde also zu der Zeit nicht neu ­erzüchtet, sondern auf der Basis der damals in der k. u. k. Monarchie und im Deutschen Reich vorhandenen und bewährten rauhaarigen Vorsteher gezüchtet. Vier Jahre später, 1892, wurde der „Club Stichelhaar“ ge­gründet. Im Jahr 1976 wurde er in ­„Verein Deutsch Stichelhaar e. V.“ ­umbenannt und bestimmt bis heute das Zuchtgeschehen nachhaltig. Auf die Rein­zucht dieser Hunde wurde großer Wert gelegt. ­Einkreuzungen ausländischer Rassen wurden abgelehnt, sodass der Deutsch Stichelhaar heute als eine der wenigen „reinerbig“ bezeichneten europäischen Jagdgebrauchshunderassen verbleibt.

Ursprünglich war die Rasse in Böhmen und Mähren, Österreich, Brandenburg und Hessen in den ­Waldrevieren verbreitet. Nach dem Krieg und der Teilung Deutschlands beschränkte sich das Hauptzuchtgebiet jedoch auf Ostfriesland. Bis heute ist der Stichelhaar auch deshalb in den süd­lichen Regionen, darunter auch Österreich, nur selten anzutreffen, weil der Stichelhaar unter anderem auch mangels Kenntnis der rasse­typischen Unterscheidungsmerkmale bei Neuerstellung der Zuchtbücher als Drahthaar klassifiziert und eingetragen wurde.

Aufgrund seiner Verbreitung in Böhmen und Mähren ist es nicht ­verwunderlich, dass er dem Český ­Fousek, auch „Böhmisch Rauhbart“ ­genannt, sehr ähnlich ist und man schon immer von einer engen ­Verwandtschaft ausgehend genidente Rassen vermutete. Inzwischen ist durch DNA-Gutachten u. a. des Instituts für Vererbungsforschung der Veterinär­medizinischen Universität in Hannover belegt und durch die Beweisführung von Dr. Hanns von Kadich im Jahr 1888 ­bestätigt, dass der Deutsch Stichelhaar als eine eigenständig reinerbige Rasse zu verbleiben hat.

Beim Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Deutschland werden jährlich im Durchschnitt ­zwischen 30 und 50 Welpen dieser Rasse gemeldet. In Österreich waren es in diesem Jahr nur neun Welpen. Dadurch wird klar, dass der Stichelhaar von den drei hier angeführten raubärtigen Rassen am seltensten ist.

In Österreich wurde die Rasse bisher zusammen mit dem Český Fousek und dem Deutsch Drahthaar vom Verein für rauhaarige Vorstehhunde betreut. Ganz aktuell ist die Gründung eines neuen Vereins Deutsch Stichelhaar im Juli 2019 in Österreich (VDStÖ) mit Sitz in Altmünster (Oberösterreich) und die angemeldete Aufnahme als Zucht­verein in den ÖKV.

Wesen

Warum der Deutsch Stichelhaar nicht häufiger in Jägerhand zu finden ist, können die Kenner der Rasse nicht verstehen. Denn oberstes Zuchtziel waren schon immer ruhige und wesensfeste Hunde, sodass der Stichelhaar nicht nur ein vielseitiger Jagdbegleiter ist, sondern auch ein hervorragender Familien­hund. Und die Mannschärfe, die ihm früher nachgesagt wurde und häufig zu Ablehnung führte, ist in der Form nicht mehr vorhanden und auch nicht rassetypisch. Dennoch ist ein Stichelhaar nicht nur ein zäher und ausdauernder Jagdgebrauchshund geblieben, sondern auch, aufgrund seiner ausgeprägten Führerbezogenheit, ein Wächter für Haus und Hof. Übrigens: Die Bezeichnung „Stichelhaar“ bedeutet nicht sticheliges Haarkleid, sondern, dass die längeren weißen Fellhaare aus dem kürzeren Unterkleid „hervorsticheln“.

Deutsch Stichelhaar  - V. l. n. r.: Pudelpointer, Deutsch Stichelhaar und Griffon Korthals. - © Oliver Deck

Deutsch Stichelhaar © Oliver Deck

Steckbrief
  • Ursprung Deutschland
  • Gebrauchsgruppe Vorstehhunde
  • Wesen vielseitig einsetzbarer, leicht­führiger Jagdgebrauchshund; ausgeglichen, ruhig, robust, mutig, aber beherrscht; weder scheu noch aggressiv
  • Haarkleid hart und borstig mit kaum sichtbarer Unterwolle; buschige Augen­brauen und mäßiger Bart
  • Fellfarben Braun mit oder ohne weißem Brustfleck; Braunschimmel mit oder ohne braune Platten; Hellschimmel mit oder ohne braune Platten
  • Größe Rüden 60 bis 70 cm, Hündinnen 58 bis 68 cm

Griffon d’arrêt à poil dur – Korthals

Diese Rasse wird bei uns meist kurz Korthals-Griffon oder auch ­Griffon Korthals genannt. Schaut man sich aber den offiziellen Namen an, ist es klar, dass es sich um eine ­französische Rasse handelt. Daher lautet seine ­korrekte deutsche Bezeichnung gemäß FCI-­Standard „Französischer Rauhaariger Vorstehhund (Korthals)“.

Der Name Griffon könnte seinen Ursprung in dem spanischen Wort „grifo“ haben, das jemanden mit ­zerzaustem Haupthaar beschreibt. Im Französischen ist „griffon“ die Be­zeichnung für Gänsegeier. In Bezug auf Hunderassen bezieht sich der ­Begriff jedoch einfach auf das typische Rauhaar. Somit weist der Name auf das äußere Erscheinungsbild dieser Hunde hin und sagt nichts über die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rassegruppe aus.

Denn außer dem Griffon Korthals gibt es noch zehn andere Hunderassen (sieben Laufhunde- und drei Gesellschaftshunderassen), bei denen aufgrund ihres Haarkleides der Begriff „Griffon“ im Namen auftaucht. Der Griffon Korthals ist nach seinem ­Begründer benannt. Edvard Karel Korthals wurde 1851 in Amsterdam ­geboren und wuchs in den Nieder­landen als Sohn eines Industriellen auf. Seine ­Leidenschaft gehörte der Jagd und der Kynologie.

Korthals begann schon 1870 mit der Auslese von rauhaarigen Griffons. Er schuf diese Rasse aus rauhaarigen ­holländischen, belgischen und französischen Vorstehhunden und kreuzte auch den Barbet (Französischer Wasserhund) mit ein. Sein erstes Zwingerbuch entstand 1872.

Da er sich lieber der Hundezucht widmen wollte als im elterlichen ­Betrieb einzusteigen, zog er 1877 nach Deutschland um. Dort erwarb er von einem Freund verschiedene Griffons, mit denen er arbeitete. 1881 zog er ins hessische Biebesheim, wo ihm Prinz Albrecht ein ideales Jagdrevier zur ­Verfügung stellte. In diesem entstand sein Zwinger „Iponwond“.

Bei der Zucht, die er mit acht ­Griffons begann, legte er nicht nur Wert auf das Aussehen dieser Hunde, sondern vor allem auch auf die jagd­lichen Eigenschaften. Bis zum Jahr 1886 gingen so aus dieser Zucht etwa 600 Hunde hervor, von denen aber nur 65 in das Griffon-Register, das er „Stammbuch für drahthaarige Vorstehhunde“ nannte, eingetragen wurden. Nach zwölf Jahren war es ihm dann gelungen, Nachkommen ­dieser Hunde hervorzubringen, die alle einheitlich ausfielen. Korthals verstarb 1896 im Alter von nur 44 Jahren.

Seit 1888 wird die Rasse in Reinzucht weitergezüchtet. Im selben Jahr wurde auch der Griffon-Club e. V. unter dem Vorsitz von E. K. Korthals gegründet. Schon im Jahr darauf, also 1889, ­erschien zum ersten Mal das Griffon-­Stammbuch, in dem natürlich nur reinblütige Hunde dieser Rasse auf­genommen wurden. Wie bei vielen ­anderen Rassen auch, kam die Zucht durch den Zweiten Weltkrieg fast zum Erliegen. Einigen engagierten Züchtern ist es zu verdanken, dass der ­Griffon Korthals erhalten und der Griffon-­Club wieder neu aufgebaut werden konnte. Erst 1954 wurde der Griffon Korthals von der FCI an­erkannt.

Obwohl die Zucht in Deutschland unter der Federführung eines Niederländers entstanden ist, gilt im Standard als Herkunftsland Frankreich, ver­mut­lich weil die meisten Hunde, die den Grundstock für die Entstehung dieser Rasse legten, aus Frankreich kamen. Bis 1940 waren die Nieder­länder noch an den deutschen Griffon-­Club mit an­geschlossen. Dann gründeten sie einen eigenen Verein. Spezielle Clubs für den Griffon Korthals gibt es außerdem noch in Frankreich, in Großbritannien und in den USA. In ­Österreich besteht dagegen kein ­spezieller Verein, der sich der Zucht und Erhaltung dieser Rasse annimmt. Daher gilt hier als Ansprechpartner der Österreichische Kynologenverband (ÖKV). Beim VDH in Deutschland werden durchschnittlich 60 bis 70 Welpen pro Jahr gemeldet, beim ÖKV in Österreich sind es einige wenige.

Im 15. Teil dieser Hunde­-serie folgt die dritte Rasse des Trios – der Pudelpointer.

Griffon Korthals - V. l. n. r.: Pudelpointer, Deutsch Stichelhaar und Griffon Korthals. - © Oliver Deck

Griffon Korthals © Oliver Deck

Steckbrief
  • Ursprung Frankreich
  • Gebrauchsgruppe Vorstehhunde
  • Wesen vielseitig; sanftmütig, stolz, ­ausgezeichneter Jäger, der an Führer sowie Territorium ­gebunden ist, das er umsichtig bewacht; Kindern gegenüber sehr sanft
  • Haarkleid hart und derb, nie gelockt oder gewellt, mit feiner, dichter Unterwolle
  • Fellfarben stahlgrau mit kastanien­braunen Flecken; einfarbig kastanienbraun, oft gemischt mit weißen Haaren oder gestichelt; Weiß mit Kastanienbraun; Weiß mit Orange
  • Größe Rüden 55 bis 60 cm, Hündinnen 50 bis 55 cm