Zu den Vorfahren des Deutsch Langhaar zählen Vogel-, Habichts- und Wasserhunde sowie die Bracken.  - © Christoph Burgstaller
Serie

Die heutigen Jagdhunderassen sind das Ergebnis einer jahrzehnte- oder gar jahrhundertelangen Züchtung. In loser Folge holen wir die einzelnen Rassen vor den Vorhang und stellen sie detailliert vor. – 3. Teil: Deutsch Langhaar.

Auch wenn die offizielle Rasse­bezeichnung dieser Hunde „Deutscher Langhaariger Vor­stehhund" lautet, werden sie in der Regel nur kurz Deutsch Langhaar (DL) genannt. Ähnlich wie der Deutsch Kurzhaar kann diese Rasse auch auf eine wesentlich längere Geschichte ­zurückblicken als der Deutsch Drahthaar, der sich zum häufigsten und ­beliebtesten Allrounder unter den ­Jägern entwickelt hat. Zu den Vorfahren des Deutsch Langhaar zählen Vogel-, Habichts- und Wasserhunde sowie die Bracken. Das lässt bereits auf die enorme Vielseitig­keit dieser Rasse schließen. Schon alte Jagdgemälde und Gobelins aus dem Mittelalter zeigen langhaarige Jagdhunde, die dem Deutsch Langhaar, wie er heute erscheint, ­verblüffend ähnlich sind. Diese Hunde wurden überwiegend als Vogelhunde für die Beizjagd, aber auch für das sogenannte „Tiras­sieren", den Fang von Niederwild in Netzen, vor allem Vögeln, eingesetzt.

Seit 1879 wird die Reinzucht dieser Rasse betrieben. Den Grundstein für die heutige Zucht legte Freiherr von Schorlemer, der damals die ersten Rasse­merkmale festlegte. Die Zucht baute sich auf fünf verschie­denen Zuchtstämmen auf, welche die Namen der angekörten Deckrüden trugen, die bereits damals dem Rassestandard entsprachen. Der DON-Stamm, der JOB-Stamm und der ROLAND-­Stamm waren Stämme mit einfarbig braunen Hunden. Der MYLORD-­Stamm und der KALK­STEINER-­Stamm waren Stämme mit schimmelfarbigen Hunden. Die Schimmel­färbung des Deutsch Langhaar weist heute verschiedene ­Varianten auf, die im Standard fest­gelegt sind. Außerdem gibt es den Farbschlag Braun-­Weiß, bei dem sich die Farben klar abzeichnen. Früher gab es den Deutsch Langhaar auch in einem schwarz-weißen Farbschlag, und bis 1919 war diese ­Färbung ebenso im Zuchtbuch eingetragen. Schließlich wurde sie aber aus dem Standard aus­geschlossen, da diese Farbe beim Deutsch Langhaar nicht weiter erwünscht war. Diese schwarz-weißen Hunde waren schließlich die Grundlage für den Großen Münsterländer, bei dem nur schwarze oder schwarz-weiße Tiere zugelassen sind, die seit 1922 gezüchtet werden.

Vererbung der Fellfarbe

Die Vererbung der verschiedenen Farbvarianten beim Deutsch Langhaar ist beinahe eine Wissenschaft und wurde gründlich untersucht. Am stärksten dominant ist das Gen für einfarbig braune Hunde; am stärksten rezessiv ist das Gen für braun-weiße Tiere. Aber auch das Gen für Braunschimmel ist bei einem normalen Erbgang rezessiv. Das bedeutet also: Ist eines der Eltern­tiere homozygot braun, besitzt also zwei Gene für einfarbig Braun, werden auch alle Nachkommen ein­farbig braun sein – selbst wenn der Partner geschimmelt oder braun-weiß ist oder das Gen für Braunschimmel oder Braun-Weiß in sich trägt. Besitzt aber ein einfarbig brauner Hund jeweils ein Gen für Braun und ein Gen für Braun-Weiß oder Braunschimmel (hetero­zygot), können in den Würfen sowohl einfarbige als auch braun-weiße bzw. braunschimmelige Welpen auf­treten, sofern der Partner ebenfalls ­zumindest ein Gen für Braun-Weiß oder Braunschimmel besitzt. Paart man hingegen zwei braun-weiße oder braunschimmelige Tiere miteinander, können keine einfarbig braunen Welpen fallen, da die Elterntiere zwei Gene für Braunschimmel bzw. Braun-Weiß haben müssen. Rezessive Gene werden nur dann optisch sichtbar, wenn sie doppelt vorliegen. Innerhalb der Farbe Braunschimmel gibt es zudem noch Abstufungen, die als Dunkelschimmel, Hellschimmel und Forellenschimmel bezeichnet werden. Hier konnte festgestellt werden, dass sich die Schimmelfarbe umso dominanter vererbt, je dunkler sie ist. Alle ­Welpen, die nicht einfarbig braun sind, sind bei der Geburt braun-weiß. Das Nachdunkeln der Dunkelschimmel und die Entstehung der Schimmel­färbung sowie der Tupfen bei Hell- bzw. Forellen­schimmel erfolgen erst nach mehreren Wochen. Allerdings kann man bereits ab dem dritten Lebenstag an den Pfotenunterseiten erkennen, welche Farbe der Hund einmal be­kommen wird. Dunkelschimmel haben dunkle Sohlen; jene der Hell- bzw. Forellen­schimmel sind gefleckt, und die Sohlen der braun-weißen Welpen erscheinen hellrosafarben.

Verwendung

Ursprünglich war der Deutsch Langhaar ein mächtiger, robuster, ja beinahe bärenhafter Hund mit ausgeprägter Schärfe und festem Wesen. In den 1920er-Jahren begann man, Irish und Gordon Setter mit einzukreuzen, wodurch die Erscheinung schnittiger und eleganter wurde. Der Deutsch Langhaar wird schon lange als „alter deutscher Försterhund" bezeichnet, zumal er dank seiner Vielseitigkeit und seines angenehmen Wesens besonders bei Förstern sehr beliebt war. Zu seinen besonderen Fähigkeiten, die hochgeschätzt werden, zählen die ausgezeichnete Schweiß­arbeit, das laute Jagen beim Stöbern und die zuverlässige Arbeit auf der Wundfährte. Dank des längeren Haarkleids mit der dichten Unterwolle ist der Deutsch Langhaar gut gegen Kälte und Nässe geschützt und damit auch für die Wald- und Wasserarbeit zu jeder Jahres­zeit geeignet. Seine besondere Stärke liegt jedoch in der Stöberarbeit. Somit ist es wohl kein Zufall, dass der Deutsch Langhaar dem Deutschen Wachtelhund, einem klassischen Stöber­hund, recht ähnlich ist. Dieser ist allerdings etwas kleiner, gedrungener und auch nicht so schnell wie der Deutsch Langhaar. Dennoch können beide ­Rassen vermutlich auf gemeinsame Vorfahren zurückblicken.

Wesen

Der Deutsch Langhaar ist ausgeglichen, hat ein gezügeltes Temperament und sollte frei von Aggression sein. In der Jagdpraxis wird er besonders aufgrund seiner ausgesprochenen Ruhe gelobt. Er ist leichtführig und gut auszubilden. Er arbeitet äußest gründlich, ist dadurch aber vielleicht etwas langsamer als ­andere Vorstehhunde. Der Deutsch Langhaar sollte spurlaut sein und eine gewisse Raubwildschärfe besitzen. Diese beiden Eigenschaften, gepaart mit einer zuverlässigen Wesensfestigkeit, sind wichtige Zuchtvoraussetzungen. Außerdem sollten die Tiere dem vorgegebenen Typ-, Form- und Haarwert entsprechen, um für die Zucht zugelassen zu werden. Zwar wird der Deutsch Langhaar ­ausschließlich nach Leistung und nicht nach Schönheit gezüchtet, wohl aber sollte laut Standard auf ein edles ­Aus­sehen und einen schönen Kopf ­geachtet werden. Das Fell sollte ­mittellang und nicht zu üppig sein. Lange und gut befranste Behänge sind erwünscht, und die Rute sollte von einer schönen Fahne gekenn­zeichnet sein. Erst vor ein paar Jahren wurde ­folgender Text ergänzend in den Standard mit auf­genommen, um die jagdliche Tauglichkeit und Ver­wendung des Deutsch Langhaar zu unterstreichen:

„Entsprechend seiner jagdlichen Zweck­bestimmung als vielseitig einsetzbarer Jagdhund muss der Deutsch Langhaar alle von ihm geforderten Anlagen besitzen und für alle Arbeiten im Feld, Wasser und Wald, leistungsbezogen vor und nach dem Schuss, brauchbar sein."

Die Zucht baute sich auf fünf verschie­denen Zuchtstämmen auf, welche die Namen der angekörten Deckrüden trugen, die bereits damals dem Rassestandard entsprachen.

Geschichtliches

Im Jahr 1893 wurde in Deutschland von Freiherr von Schorlemer der „Club Langhaar" mit Sitz in Münster/Westfalen gegründet, deren Züchter vor allem in Westfalen und im Rheinland aktiv waren. Der Club besteht bis heute und ist damit der älteste Zuchtverein dieser Rasse in Deutschland. 1897 wurde als Zusammenschluss der Züchter des restlichen Deutschlands in Berlin der Verein Deutsch Langhaar e. V. gegründet. Erst im Jahr 1926 entstand der Deutsch Langhaar Verband (DLV) als Dachorganisation. Heute zählen zu diesem Verband 16 Zuchtvereine aus den verschiedenen Regionen Deutschlands. Sowohl der DLV als auch die einzelnen Zucht­vereine sind wiederum dem Jagd­gebrauchshundeverband (JGHV) sowie dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) angeschlossen. In Österreich wurden Mitte der 1890er-Jahre die Langhaarzüchter der gesamten Monarchie in einem losen Verein zusammengefasst. Man versuchte, eine gewisse Ordnung in die Langhaarzucht zu bringen. Das Zuchtgeschehen fand damals vorwiegend in Böhmen und Mähren sowie in Nieder­österreich statt. Aufgrund des Ersten Weltkrieges und der Nachkriegs­jahre sowie des Zerfalls der Monarchie drohte die Langhaarzucht zusammenzubrechen, da die meisten Zuchten nun auf einmal im Ausland waren und die Hunde nicht mehr gebraucht wurden.

Zucht

Im damaligen Österreichischen Klub Langhaar setzten sich aber zwischen den Weltkriegen Züchter für den ­Neuaufbau der Langhaarzucht ein. Im Jahr 1937 wurde der Verein für Große und Kleine Münsterländer gegründet, in dem schließlich auch der Deutsch Langhaar mit aufgenommen wurde, um alle drei deutschen langhaarigen Vorstehhunderassen zu vereinen. Ein Jahr später wurde Österreich an Deutschland angeschlossen, und es entstand die „Fachschaft langhaariger Vorstehhunde, Landesgruppe Ostmark". Nach Ende des Zweiten Welt­krieges ließ man den österreichischen Verein für langhaarige Vorstehhunde wieder aufleben, der, wie vor dem Krieg, diese drei Rassen betreute. Es dauerte aber noch weitere dreißig Jahre, bis im Jahr 1975 der Öster­reichische Deutschlanghaarklub (ÖDLK), so wie er heute noch besteht, gegründet wurde. Dieser Verein ver­anstaltet jährlich eine Anlagenprüfung, eine Feld- und Wasserprüfung sowie eine Vollgebrauchsprüfung. Seit 1969 gibt es auch eine Internationale VGP für den Deutsch Langhaar. Diese Prüfung wird abwechselnd in Deutschland, Österreich und Tschechien von dem jeweiligen Verband bzw. Verein vor Ort ausgerichtet.

Um die Zucht und Verbreitung dieser Hunderasse in allen Ländern zu fördern, wurde im Jahr 2010 der Weltverband Deutsch-Langhaar e. V. ­gegründet. Am 29. September 2010 wurde die Gründung eines Welt­verbandes beschlossen. In Deutschland fallen von dieser Vorstehhunderasse laut Welpenstatistik des VDH durchschnittlich zwischen 500 und 600 Welpen pro Jahr. Damit scheinen Angebot und Nachfrage ­dieser Rasse über viele Jahre weit­gehend konstant zu sein. In Österreich fallen unter dem ÖDLK zwischen 80 und 120 Welpen jährlich, wobei etwa zwei Drittel einfarbig braun und ein Drittel hell- bzw. dunkelschimmel­farbig sind. Resümee: Der Deutsch Langhaar ist nicht nur vielseitig einsetzbar, ­sondern auch ein anhänglicher und ­ruhiger Familienhund.

Der Deutsch Langhaar ist nicht nur vielseitig einsetzbar, ­sondern auch ein anhänglicher und ­ruhiger Familienhund. - © Christoph Burgstaller

Der Deutsch Langhaar ist nicht nur vielseitig einsetzbar, ­sondern auch ein anhänglicher und ­ruhiger Familienhund. © Christoph Burgstaller