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Jetzt Wildacker- und Biodiversitätsflächen anlegen

April 28, 2021
Feldhase

In diesen Tagen mit wärmeren Temperaturen ist die richtige Zeit zur Anlage von neuen Wildäckern und Biodiversitätsflächen. Insekten, Feldvögel, besonders das Niederwild aber auch Schalenwild werden es danken. Bereits ab Juni dienen diese Flächen als Deckung für Feldhase und frisch geschlüpften Gesperren. Ab Juli blühen einzelne Arten und ziehen Insekten an, die das wichtige tierische Eiweiß für die Aufzucht der Jungvögel bieten, während sich die Junghasen vom Hauptsatz im Mai Juni gut gedeckt entwickeln können.

Richtig wertvoll werden die Wildäcker dann ab der Ernte der Hauptkulturen, wo Deckung und frische Grünäsung Mangelware wird. Von einer Bearbeitung sollte abgesehen werden, weil das Niederwild sich im ersten Winter schon an die Deckung gewöhnt und dann diese im Frühjahr zur Brut und Aufzucht gut annimmt, vor allem wenn es eine ungestörte Rückzugsinsel darstellt.

Eine besondere Innovation schon als Vorgriff auf die neue GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) Periode ab 2023 wurde in Abstimmung mit dem Jagdverband und Ornithologen eine neue Mischung entwickelt, die den neuen ÖPUL-Anforderungen bereits jetzt entspricht. Die Mischung mit dem Namen „FeldvogelPluss“ wurde speziell entwickelt für die natürliche Futternutzung von Samenkörnern durch wildlebende Vögel. Dies umfasst die Kleinvögel genauso als auch die größeren Arten wie z.B. Rebhuhn oder Fasan.

Deshalb beinhaltet die Mischung Kleinstsamenkomponenten, wie Mohn, Klee, Hirse, Hanf oder Öldistel bis hin zu Sonnenblume und Getreidekörnern. Um die Samenentwicklung zu gewährleisten, sollte FeldvögelPluss ab Mai (nach der Frostgefahr) in ein feinkrümeliges und rückverfestigtes Saatbett nicht zu tief angebaut werden. Die Saatstärke beträgt 25 kg/ha, was einer Packung pro Hektar entspricht. Zu Vegetationsende muss der Aufwuchs unbedingt über den Winter stehen bleiben. Dann nämlich können sich die Wildvögel bedienen – ganz egal ob von den Pflanzen direkt oder an den ausgefallenen Körnern am Boden.

Aber schon während der Vegetation nützt diese Mischung als Lebensraum für Wildtiere jeglicher Art. Durch den stufigen Aufbau und die Zusammensetzung ist während des Jahres schon Futter und Deckung gesichert. Auch Rehe und Hasen sind dankbare Gäste auf diesen Flächen, welche damit auch als Ablenkungsfütterung dienen können.

Als vielfältige Mischung kommen aber ebenso die Insekten nicht zu kurz. Elf der 16 enthaltenen Pflanzenarten sind insektenblütig und liefern Pollen und Nektar. Vor allem durch den Verbleib am Feld über den Winter können viele Insektenarten und Bestäuber die enthaltenen Pflanzen als Kinderstube und Winterquartier nutzen.

Somit ist FeldvögelPluss eine Bereicherung in der Anlage von Äsungs- und Blühflächen. Erhältlich ist die Mischung auf Bestellung in ihrem Lagerhaus und beim Landesproduktenhandel. Für Detailfragen steht ihnen auch das Beratungstelefon unter 0664 6274242 zur Verfügung.

2021 als Chance fürs Niederwild?

Das Ausnahmejahr 2020 hat unsere Welt schlagartig verändert. Welche Schlüsse ziehen wir Niederwildjäger daraus, und auf welche Zukunft haben wir uns einzustellen?

Die Pandemie hat auch viel Positives zur Bewusstseinsbildung der Jagd in der ­Gesellschaft, aber auch bei den Jägern intern beigetragen. Wir waren überrascht von der plötzlich ­gestiegenen privaten Nachfrage nach regional gewonnenem Wildbret. Viele Jäger konnten die Nachfrage nicht ­decken und haben damit unbewusst die Knappheit dieses wertvollen heimischen Lebensmittels aufgedeckt. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit hat verstärkt zur Zubereitung und zum ­Konsum im eigenen Haushalt geführt. Großartig ist das Vertrauen in die ­heimische Jägerschaft und ihre Erzeugnisse, was sich auch in den verringerten Importzahlen ausdrückt. Jetzt gilt es, darauf aufzubauen und die Weichen für eine gezielte Bedienung dieses Nachfrageschubes in der kommenden Saison zu stellen.

Die Lockdown-Phasen haben zu einer regelrechten Flucht hinaus in die Natur geführt. Viel mehr Bewegung und hoffentlich auch Wahrnehmung in der Natur könnten einem erweiterten ­Publikum zu einem besseren Verständnis für die Zusammenhänge in unseren Lebensräumen verhelfen. Dort können wir Jäger vermehrt Kontakt aufnehmen, die Diskussion suchen und das Ver­halten mit viel Einfühlungsvermögen lenken. Die Ruhezonen für das Wild müssen tabu bleiben!

Die Reviere mit bisher maßvollen Niederwildbesätzen und entsprechend geringeren Streckenerwartungen haben heuer auf die Gesellschaftsjagden verzichtet bzw. nur sehr verhalten gejagt. Diese Reviere werden aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren wieder Niederwild bejagen und das heimische Wildbretangebot flächen­deckender entwickeln.

Es eröffnen sich gerade jetzt durchaus Chancen für die (Niederwild-)Jagd und deren Stärkung innerhalb einer ­kritischen Gesellschaft. In einer ein­setzenden Wertekorrektur haben wir die Möglichkeit, unser nachhaltiges und natürliches Handwerk wieder gut zu positionieren. Dazu gehören natürlich auch die „zeitlosen“ Erfolgsfaktoren der Niederwildhege: Lebensraumgestaltung, Raubwildbejagung, Ruhe­zonen, Jagdmanagement. Sie bleiben die Eckpfeiler eines nachhaltig nutzbaren Nieder­wildes als Bestandteil einer stabilen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur.

Vielfalt ist Leben

In nahezu allen für das Niederwild ­relevanten politischen Strategieentwürfen (Klima, Biodiversität usw.) zeichnen sich verbesserte Rahmen­bedingungen für das Niederwild und die gesamte Vogel- bzw. Insektenwelt ab. Wie immer auch die Lebensraumverbesserungsmaßnahmen dann finanziell und organisatorisch ausgeformt werden, wird es auf die Motivation und die tatkräftige Mithilfe der Jäger ankommen, welche positive Wirkung sie entfalten. Der ­Lebensraum oder besser das Lebensraummanagement in unserer Kulturlandschaft ist zweifellos das Kern­element jedes Wildbestandes und seiner stabilen, nachhaltigen Nutzung.

Der Hegeerfolg bestimmt sich daher in erster Linie nach der Einflussnahme und Verbesserung der Lebens­­raum­situation. In unserer überwiegend ­intensiv landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft sind daher die mit der Landwirtschaft verträglich abgestimmten Maß­nahmen zur Einbindung von Biodiversitätsflächen, Wildäckern und Biotopinseln in die kurzlebig zu erntenden Feldfrüchte entscheidend. Ein ausgewogenes Nebeneinander ohne Bewirtschaftungserschwernisse ist über­all machbar und bedarf einer gut überlegten Planung.

Getreu dem Motto „Vielfalt ist Leben“ stehen innerhalb der Saatgutmischungen sehr wertvolle Standardmischungen und Einzelkomponenten je nach Zweck und Zielrichtung zur Auswahl. Einige davon sind im „Bundes­land aktuell“ exemplarisch angeführt und können im örtlichen Lagerhaus bestellt werden. Die erforderlichen Kenntnisse zu Aussaat und Pflege­maßnahmen können bei Landwirten, im Lagerhaus oder unter www.diesaat.at erfragt werden. Wichtig sind die Grundsätze: Nicht zu üppige Bestände erzeugen und am besten gar nicht – jedenfalls auf keinen Fall während der Brut-, Setz- und Aufzuchtperiode – nutzen bzw. häckseln.


Empfohlene Saatgutmischungen!

Ablenkungsstreifen

Wildäsungsmischung
(mehrjährig für Schalen- und Niederwild mit abfrostenden Komponenten)

  • 2,0 kg Weißklee
  • 3,0 kg Luzerne
  • 1,0 kg Inkarnatklee
  • 4,0 kg Esparsette
  • 2,0 kg Timothe
  • 15,0 kg Sommerweizen
  • 15,0 kg Hafer
  • 1,0 kg Sonnenblume
  • 8,0 kg Ackerbohne
  • 12,0 kg Sojabohne
  • 1,5 kg Winterrübse
  • 0,5 kg westfälischer Furchenkohl

=>65,0 kg Aussaatmenge/haApril bis Juni

Wildäsungsmischung
(einjährig für Schalen- und Niederwild)

  • 1,0 kg Sommerfutterraps
  • 1,0 kg Sonnenblume
  • 8,0 kg Ackerbohne
  • 5,0 kg Futtererbse
  • 15,0 kg Saatwicke
  • 20,0 kg Sojabohne
  • 4,0 kg Futterkohl
  • 1,0 kg Gingellikraut
  • 20,0 kg Buchweizen

=> 75,0 kg Aussaatmenge/haApril bis Juni

AckerGrün HumusPluss
(einjährig zur Äsung und als Lebensraum)

  • 1 kg Phacelia
  • 6 kg Rauhafer
  • 5,5 kg Sommerwicke
  • 2 kg Perserklee
  • 3 kg Alexandrinerklee
  • 2 kg Ölrettich
  • 1 kg Kresse
  • 1 kg Leindotter
  • 1 kg Gingellikraut
  • 0,5 kg Sonnenblume
  • 2 kg Öllein

=> 25,0 kg Aussaatmenge/ha

Biodiversitätsmischungen
für Biodiversitätsflächen auf Acker- und Grünlandflächen (ÖPUL 2015): Mahd oder Häckseln ist mind. 1×, frühestens am 1. August, jedoch max. 2×im Jahr erlaubt. Kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und keine Düngung.
Tipp:1×wildschonend von innen nach außen im September/Oktober mähen.

AckerGrün BiodiversitätsPluss

  • 2,0 kg Luzerne
  • 2,0 kg Hornklee
  • 2,0 kg Weißklee
  • 2,0 kg Rotklee
  • 4,0 kg Inkarnatklee
  • 8,0 kg Esparsette

=> 20,0 kg Aussaatmenge/ha

AckerGrünBioLebensraumPluss

  • 2,0 kg Luzerne Bio
  • 2,0 kg Hornklee Bio
  • 2,0 kg Weißklee Bio
  • 2,0 kg Rotklee Bio
  • 4,0 kg Inkarnatklee Bio
  • 8,0 kg Esparsette Bio

=> 20,0 kg Aussaatmenge/ha

AckerGrünBienentrachtPluss

  • 3,0 kg Luzerne
  • 3,0 kg Rotklee
  • 2,0 kg Hornklee
  • 2,0 kg Weißklee
  • 3,0 kg Inkarnatklee
  • 2,0 kg Malve
  • 3,0 kg Buchweizen
  • 0,5 kg Leindotter
  • 0,5 kg Senf
  • 2,0 kg Futterkohl
  • 2,0 kg Phacelia
  • 1,0 kg Ringelblume
  • 1,0 kg Sonnenblume
  • 1,0 kg Kümmel
  • 1,0 kg Koriander
  • 1,0 kg Fenchel
  • 2,0 kg Kresse

=> 30,0 kg Aussaatmenge/ha

AckerGrünBlütenPluss

  • 3,0 kg Luzerne
  • 4,0 kg Esparsette
  • 3,0 kg Hornklee
  • 2,0 kg Weißklee
  • 3,0 kg Rotklee
  • 3,0 kg Inkarnatklee
  • 1,5 kg Malve
  • 0,2 kg Leindotter
  • 0,3 kg Senf

=> 20,0 kg Aussaatmenge/ha

Äsungsflächen

Weidemagnet Schalenwild
(auch für Heugewinnung geeignet)

  • 4,0 kg Weißklee
  • 2,0 kg Rotklee
  • 2,0 kg Hornklee
  • 1,0 kg Knaulgras
  • 3,0 kg Timothe
  • 4,0 kg Wiesenschwingel
  • 7,0 kg Rotschwingel
  • 8,0 kg Wiesenrispe
  • 4,0 kg Englisches Raygras

=> 35,0 kg Aussaatmenge/haApril bis Mitte September

Meran’sche Wildäsung nach Fladenhofer

  • 1,0 kg Rotklee
  • 1,0 kg Schwedenklee
  • 0,5 kg Serradella
  • 1,0 kg Sonnenblume
  • 1,0 kg Inkarnatklee
  • 10,0 kg Waldstaudenroggen
  • 6,0 kg Buchweizen
  • 0,5 kg Herbstrübe
  • 1,0 kg Winterrübse
  • 1,0 kg Ölrettich
  • 3,0 kg Malve
  • 1,0 kg Leindotter
  • 2,0 kg Futterkohl
  • 1,0 kg Lein

=> 30,0 kg Aussaatmenge/haApril bis Juni

Untersaatmischung

AckerGrünBioUntersaatPluss

  • 1,5 kg Weißklee Bio
  • 3,0 kg Inkarnatklee Bio
  • 3,0 kg Alexandrinerklee Bio
  • 2,5 kg Persischer Klee Bio

=> 10,0 kg Aussaatmenge/haals Untersaat; als Reinsaat: 20 kg/ha;
Mitte August oder im Frühjahr

April 28, 2021