Reportage

Natürlich nachhaltig!

23. Januar 2024 -
Natürlich nachhaltig! - © Barbara Marko
© Barbara Marko

Die Anforderungen an unsere Kleidung werden immer größer. Günstig, langlebig, leicht, wärmend und dennoch nachhaltig soll sie sein. Aber an eines der nachhaltigsten Materialien denkt dabei kaum einer: an heimischen Pelz.

Jedes Jahr vergibt das Jagd­magazin WEIDWERK im Zuge des Red Fox Austria Awards, der auf der Jagdfachmesse „Die Hohe Jagd & Fischerei“ in Salzburg stattfindet, einen Sonderpreis der ­Redaktion – eine Reportage im Wert von € 20.000,–. Im Jahr 2023 konnte ­Raphaela Rauter des Pelzsalons Rauter aus Innsbruck diesen begehrten Sonder­preis mit nach Hause nehmen, daher haben wir sie kürzlich besucht.

Red Fox Austria Award

Wie vielfältig heimischer, aus nach­haltiger Jagd stammender Fuchspelz zu modischer Kleidung und Accessoires verarbeitet werden kann, zeigen Österreichs Kürschner jährlich beim Red Fox Austria Award. Dieser Preis wurde von der Bundesinnung der Kürschner in Kooperation mit der Wirtschafts­kammer Österreich ins Leben gerufen, um auf die Ressource Pelz aus heimischen Wäldern aufmerksam zu machen.
In Österreich werden Füchse unter anderem bejagt, um das Niederwild zu schützen und die Population dieses Kulturfolgers unter Kontrolle zu halten. Damit die heimische Jägerschaft diesen wertvollen Rohstoff auch weiterhin nutzt und um auf die Bandbreite der Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die aus dieser wertvollen Ressource ­gewonnen werden kann, zeigen Österreichs Kürschner bei diesem Wettbewerb ihr Können und ihre kreative Ader.
Die präsentierten Modelle können sich sehen lassen!

Neues Leben

Im Geschäftslokal von Familie Rauter angekommen, begrüßt uns Raphaelas Vater Reinhard, der nach wie vor im 1987 eröffneten Geschäft mitarbeitet. Pelzmeister Reinhard ist für die ­Kundenpflege zuständig, arbeitet im Salon als Kürschner und hält jeden Mittwoch eine „Sprechstunde“ als Pelzsachverständiger im Geschäftslokal ab. „Nach vorheriger Terminvereinbarung können Interessierte jeden Mittwoch zu uns kommen. Bei einem kostenlosen Beratungsgespräch schätzen wir den Wert der mitgebrachten Pelzstücke. Dabei können Kunden auch etwaige Fragen zur Aufbewahrung oder Umarbeitung stellen. Sollte ein Kunde ein Pelzstück nicht mehr haben wollen, bieten wir an, es bei uns einzutauschen. Entscheidet er sich für ein neues ­Modell, ziehen wir den Schätzwert des alten Stückes ab“, erklärt Reinhard. „Aber auch Umarbeitungen jeder Art übernehmen wir gerne“, führt Raphaela weiter aus, während sie uns die rest­lichen Räume des Geschäftslokals zeigt. „So kann ein geerbtes Stück ,upgecycelt‘ und viele weitere Jahre getragen ­werden, ehe es weitervererbt wird. ­Teilweise werden Stücke über Jahrzehnte weitergegeben, repariert bzw. modernisiert und am Ende ist das ­Material auch noch verrottbar. Was könnte nachhaltiger sein?“, erklärt uns die junge Designerin. Und für all jene, die sich nicht sonderlich für die ­geerbte Pelzmode erwärmen können, bietet Familie Rauter die Umarbeitung von Mänteln in Decken oder Kissen an. Eine tolle Idee!

Natürlich nachhaltig! - © Barbara Marko
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Natürlich nachhaltig! - © Barbara Marko
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Inspiration

In der Schneiderei sorgen große Fensterflächen für gutes Licht und optimale Arbeitsbedingungen. Hier treffen wir Viola Rauter – Raphaelas Mutter –, die den Salon ihrer Tochter als ­Schneiderin unterstützt. Während wir Raphaela und ihrer Mutter bei der ­Arbeit über die Schulter schauen, möchten wir wissen, was die junge Kürschnerin zu ihrem Siegermodell ­inspiriert hat. Denn das Modell aus feinster Seide, für das insgesamt acht Fuchspelze verarbeitet worden sind, ist wahrlich außergewöhnlich. „Die Inspiration dafür kam mitten in der Nacht. Ich wollte etwas schaffen, das ein Hingucker ist und auch zu Veranstaltungen getragen werden kann. Es sollte außergewöhnlich modern und ,fresh‘ sein“, erklärt die Designerin.
Schon als kleines Kind hat Raphaela das Material Pelz fasziniert. „Es war für mich immer etwas Besonderes, meinen Vater im Geschäft zu besuchen und die tollen Kreationen zu bewundern“, verrät uns Raphaela. Viola ergänzt:
Als Raphaela noch sehr klein war, hörte ich eine Radiosendung, in der Kinder befragt wurden, welchen Beruf ihre ­Eltern ausüben. Das weckte meine Neugier und ich fragte meine Tochter, ob sie wisse, was ihr Papa in der Arbeit mache. Sie antwortete: „Er macht die Felle nass und schlagt Nägel rein. Damit meinte sie das Aufzwecken.“ (Aufspannen der Pelze, um diese in die gewünschte Form zu bringen.)

Langlebig & nachhaltig

Raphaelas Kreativität wird im Verkaufsraum deutlich; hier reihen sich neben Pelzjacken und Mänteln aller Art und Farbe auch Polster, Decken, und sogar Ohrringe oder Ringe sowie Schlüsselanhänger und Glücksbringer aus Pelz.
Wir fragen nach, wieso Raphaela sich gerade für die Arbeit mit diesem Naturprodukt entschieden hat und welche Modelle derzeit bei den Kunden am besten ankommen. „Ein Material, das seit Jahrtausenden verwendet wird, das wärmt und schmeichelt wie kein anderes, muss einen einfach faszinieren. Und dabei lässt es sich über Generationen reparieren und ­erneuern, ist also absolut langlebig und nachhaltig. Da kann kein anderes Material mithalten. Im Moment liegen geschorene Stücke, die eingefärbt und ausgefallen sind, stark im Trend“, ­erklärt sie uns.

Natürlich nachhaltig! - © Barbara Marko
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Natürlich nachhaltig! - © Barbara Marko
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Upcycling

Trotz der vielen tollen Kreationen, die Raphaela aus Pelz schafft, liegt die Hauptaufgabe von Familie Rauter im Upcycling (Erneuern) von alten Stücken. Während Vater Reinhard Pelze schätzt und über Umarbeitungsmöglichkeiten berät, arbeiten Raphaela und Viola in der Schneiderei. Neuerdings bietet der Familienbetrieb auch Umarbeitungen von Lederbekleidung an. Dafür zuständig ist Rosmarie, sie ist Leder- und Pelznäherin und arbeitet an einer extra starken Nähmaschine, die auch das zähe Leder zu durchdringen vermag. Außerdem bietet Familie Rauter auch eine kostengünstige Aufbewahrung sowie Reinigung von Pelzstücken an. „Wir reinigen die Pelzstücke, die zu diesem Zweck zu uns gebracht werden, ­komplett ohne Chemie – im Läuter­verfahren – mithilfe von Holzmehl“, erklärt Raphaela. Die Maschine, die dafür benutzt wird, die sogenannte „Läutertonne“, erinnert ein wenig an eine hölzerne Waschmaschine vergangener Tage.
Nachdem uns Reinhard die Werkstatt zeigt, in der er gerade ein Fell aufgezweckt hat, dürfen wir noch einen Blick ins Lager werfen, in dem sich die Pelzmäntel der Kunden aneinander­reihen. „Leider werden Pelze häufig falsch gelagert“, erklärt uns Reinhard, denn: „Pelz braucht Luft und darf unter keinen Umständen in einem feuchten Raum gelagert werden.“ Darum bietet Familie Rauter die Aufbewahrung im perfekt klimatisierten Lager an.

Pelze bitte zum Gerber

Mittlerweile gibt es leider immer ­weniger Kürschner, und auch der Nachwuchs bleibt zunehmend aus. Daher setzt sich Raphaela Rauter seit 2020 als stellvertretende Landesinnungsmeisterin für ihre Berufssparte ein. „Mir ist es wichtig, ein Mitspracherecht zu haben und für einen wundervollen Beruf zu kämpfen, der leider immer mehr in Vergessenheit gerät. Pelz ist meine Leidenschaft – und hat leider nach wie vor einen schlechten Ruf. Alle Pelze, die wir verwenden, kommen aus der EU und sind zertifiziert“, betont sie. Umso wichtiger ist es, dass gerade Jäger, die Pelz als natürliche Ressource „ernten“, auch etwas daraus machen und die Fuchsbälge zum Gerber ­bringen, um sie im Anschluss durch den Kürschner verarbeiten zu lassen. Eine Liste von Gerbern finden Sie weiter unten.
Zum Schluss möchten wir wissen, ob Raphaela auch 2024 wieder mit einem Modell beim Red Fox Austria Award auf der „Hohen Jagd & Fischerei“ (Samstag, 24. Februar, ab 13 Uhr, auf der WEIDWERK-Bühne in Halle 10) vertreten sein wird. „Natürlich bin ich wieder mit dabei. Ich habe auch schon mit der Arbeit am Modell ­begonnen, und so viel sei verraten: Es wird spektakulär!“

Gerber in Österreich
Holubovsky Johannes eingetragener Unternehmer Unterer Stadtplatz 7, 3340 Waidhofen/Ybbs
Holubovsky Gerberei und Handel GmbH Alte Poststraße 22, 3341 Ybbsitz
Gerberei Walter Artner e. U. Ledererstraße 14, 4070 Eferding
Rudolf Franz Artner Passauer Straße 10, 4070 Eferding
Lecapell GmbH Inkobastraße 2/1, 4730 Waizenkirchen
Alfred Rößler Jainzentalstraße 4/1, 4820 Bad Ischl
Gregor Kölblinger Gerberei GmbH Bachgasse 4, 4865 Nußdorf/Attersee
Gabriele Jenner Residenzplatz 3, 5020 Salzburg S
Herbert Ernekl Auffang 130, 5231 Schalchen
Asmir Mehanović Sonnberg 283, 5521 Hüttau S
Albert Felsberger Gerbergasse 19, 5600 St. Johann/Pongau S
Franz Ritsch-Gerberei-Gesellschaft m. b. H. Felberstraße 27, 5730 Mittersill S
Vincenz-Lukas Pinter Dorf 2, 6136 Pill T
Trenkwalder GmbH Blaiken 77, 6351 Scheffau am Wilden Kaiser T
Josef Riedmann Elsbethen 7, 6361 Hopfgarten im Brixental T
Johann Niederkofler Brixentaler Straße 21, 6364 Brixen im Thale T
Franz Anton Trenkwalder Leitenweg 10, 6500 Landeck T
Margarete Bader Pfarrweg 13, 6671 Weißenbach am Lech T
Robin Schlüßlmayr Mitterberger Straße 38, 8962 Gröbming Stmk.
Tschurtschenthaler Gerberei GmbH Bach 17, 9623 St. Stefan/Gailtal K