Nachweislich wurden diese Hunde aber schon 1812 im Münsterland gezüchtet. - © Christoph Burgstaller
Serie

Die heutigen Jagdhunderassen sind das Ergebnis einer jahrzehnte- oder gar jahrhundertelangen Züchtung. In loser Folge holen wir die einzelnen Rassen vor den Vorhang und stellen sie detailliert vor. – 5. Teil: Kleiner Münsterländer.

Die genaue Herkunft des Kleinen Münster­länders ist dennoch nicht ganz geklärt. Eine Hypothese besagt, dass er durch Weiterzüchtung von Hunden der französischen Rasse Epagneul Breton, die angeblich von Offizieren Napoleons mit nach Deutschland gebracht wurden, entstanden sein soll. Edmund Löns und Dr. Friedrich Jungklaus (beide haben erheblich zur Entstehung und Erhaltung dieser Rasse beigetragen) waren jedoch der Meinung, dass es sich um eine seit Jahrhunderten bestehende Einheitsrasse aus Nordwestdeutschland und den Niederlanden handle. Im Rassestandard ist heute noch vermerkt, dass um 1870 im Münsterland langhaarige Wachtelhunde gezüchtet wurden, die fest vorstanden, eine enorme Spursicherheit hatten und auch apportierten. Nachweislich wurden diese Hunde aber schon 1812 im Münsterland gezüchtet. Dies würde dem Zeitrahmen der Theorie entsprechen, dass der französische Epagneul Breton an der Entstehung der Rasse nicht ganz unbeteiligt ist.

Zucht

1906 wurde von dem Dichter Hermann Löns ein Aufruf gestartet, die letzten der damals als „Rote Hannover’sche Heidebracke" bezeichneten Hunde anzuzeigen. Seine Brüder Edmund und Rudolf Löns fanden daraufhin auf nieder­säch­sischen Bauernhöfen vor­stehende Wachtelhunde. Aus diesen suchten sie einen Zuchtstamm heraus und begannen dann mit der Reinzucht der Rasse, die sie als „Heidewachtel" bezeichneten. Alteingesessene Münster­länder nannten die Hunde auch Hecken­hündchen, Spion sowie Magister- oder Pfarrerhündchen, da sie besonders bei Lehrern und Pfarrern sehr beliebt waren. Einige andere Züchter bemühten sich auch um die Zuchtbasis dieser westfälischen Wachtelhunde, wobei die ersten Erfolge erst aus der Zucht von Hauptlehrer Heitmann in Burgsteinfurt erzielt wurden. Außerdem wurde 1911 bekannt, dass sich noch eine ­weitere Zuchtfamilie gebildet hatte, und zwar der sogenannte „Dorstener Schlag", gezüchtet von dem Jagd­aufseher Wolberg aus dem ebenfalls im Münsterland gelegenen Dorsten. Am 17. März 1912 wurde schließlich der „Verband für Kleine Münsterländer Vorstehhunde" gegründet. Sein Ziel war wie folgt formuliert: „Der Verein hat den Zweck, Reinheit und Hochzucht des langhaarigen kleinen Vorstehhundes, wie er im Münsterland seit vielen Jahrzehnten gezüchtet wird, zu fördern." Da damals aber noch die genaue Festlegung der Rassekennzeichen fehlte, wirkte sich dies ungünstig auf die Zucht aus. Die Hunde wurden zwar nicht von den Veranstaltungen der ­damaligen Jagdhundeorganisation ausgeschlossen, aber durch das Fehlen dieser genauen Rassekennzeichen wurde die Verbandstätigkeit ein­geschränkt. Der erste Standard wurde im ­selben Jahr von Dr. Friedrich Jungklaus zusammen mit Edmund Löns auf­gestellt, und seitdem wurde die Rasse danach gezüchtet. Allerdings wurden die Rasse­merkmale und die Leistungsanforderungen für diese Hunde erst 1936 durch den Verband beschlossen und offiziell festgelegt.

Aussehen

Im Standard dieser Hunderasse taucht heute noch der Name Jungklaus auf, denn die lohfarbenen Abzeichen, die beim Kleinen Münsterländer erlaubt sind, werden auch als „Jungklaus’sche Abzeichen" bezeichnet. Allerdings treten sie heute nur noch sehr selten bei ­diesen Hunden auf. Edmund Löns war nicht nur ein engagierter Züchter dieser Rasse, ­sondern berichtete über die Hunde in der Jagdpresse und machte sie bis über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. 1927 nahm er sogar den Farbschlag „Braunschimmel" mit in die Zucht auf. Bisher waren nur braun-weiße Hunde anerkannt gewesen. Aber eine Hündin mit der auffallenden Zeichnung überzeugte so mit ihren Fähigkeiten, dass er sie als Zuchthündin einsetzte. Aufgrund der genetischen Eigenschaften setzte sich die Zeichnung Braunschimmel durch und wurde 1929 als weitere Farbe im Standard vom Verband offiziell an­erkannt. Heute zeigen etwa ein Drittel aller Kleinen Münsterländer die Farbe Braun­schimmel im Phänotyp. Typisch für diese Rasse ist das ­mittellange, dichte, glatte bis wellige Haarkleid. Dadurch ist der Hund gut gegen Witterungseinflüsse, wie Nässe und Kälte, sowie vor Verletzungen durch Dickicht, Dornen oder Schilf geschützt. Die Vorderläufe sind gut befedert, die Hinterläufe bis zum Fersengelenk ­behost. Die Rute soll über eine lange Fahne und eine weiße Spitze ver­fügen. Zu ­üppige Brusthaare sind dagegen unerwünscht.

Verband

Im Dritten Reich kam es wegen ­unterschiedlicher Auffassungen, was die Zuchtziele dieser Hunde betraf, zur Spaltung des Verbandes. Darum wurde ein neuer Verein mit der Bezeichnung „Deutscher Heidewachtel Club" gegründet. Jahre später, 1961, konnten jedoch beide Vereine wieder zusammengeführt werden, sodass bis heute eine einheitliche Zucht des Kleinen Münsterländers erfolgt. Auch in der damaligen DDR hatte sich ein Verein für die ­Erhaltung und Zucht dieser Rasse ­gebildet. Er wurde nach der Wieder­vereinigung in den bestehenden Verband integriert. Heute trägt er den Namen „Verband für Kleine Münsterländer ­e.V." In Österreich betreut der „Verein für Große und Kleine Münsterländer" (ÖVMÜ) diese Rasse. Am 20. Mai 2006 wurde der Welt­verband „Verband für Kleine Münsterländer International (KlM-I) e.V." gegründet, wo Österreich durch den Vizepräsidenten im Präsidium vertreten ist. Heute ­zählen zu den Mitgliedsländern neben Deutschland und Österreich auch die USA, die Niederlande, Belgien, ­Dänemark, Frankreich, Tschechien, die Schweiz, Schweden, Nor­wegen und Finnland.

Die Bezeichnung als Heidewachtel sorgte übrigens auch später immer wieder für Verwirrung bei der Namensgebung, besonders bei Hundefreunden, die sich nicht näher mit der Historie des Kleinen Münsterländers befasst hatten. Da der Kleine Münsterländer dem Deutschen Wachtelhund, der zu den Stöberhunden zählt, sehr ähnlich sieht, bestand nicht nur aufgrund des Namens, sondern auch wegen des Erscheinungsbildes eine Verwechslungsgefahr. Der Kleine Münsterländer ist jedoch ganz klar ein Vorstehhund und auch dieser Rassegruppe (FCI-Gruppe 7) zugeordnet. Besonderer Wert bei der Zuchtauswahl wird bis heute auf die jagdliche ­Gebrauchstüchtigkeit gelegt.

Der Kleine Münsterländer ist ein ­äußerst vielseitiger Jagd­gebrauchshund, dessen Schwerpunkte bei der Arbeit im Feld, Wasser und Wald liegen.  - © Christoph Burgstaller

Der Kleine Münsterländer ist ein ­äußerst vielseitiger Jagd­gebrauchshund, dessen Schwerpunkte bei der Arbeit im Feld, Wasser und Wald liegen. © Christoph Burgstaller

Vielseitig!

Der Kleine Münsterländer ist ein ­äußerst vielseitiger Jagd­gebrauchshund, dessen Schwerpunkte bei der Arbeit im Feld, Wasser und Wald liegen. Auch schneiden diese Hunde bei den Schweißprüfungen im Vergleich zu anderen vielseitigen Rassen bemerkens­wert gut ab. Er ist unempfindlich gegen Witterungseinflüsse und ist bei jedem Wetter und in Feld, Wald und Wasser einsetzbar. Von den Jägern wird er als zuverlässiger Gebrauchshund geschätzt und ist bei der Jagd daher auch ziemlich häufig anzutreffen. In Deutschland werden beim VDH im Jahr durchschnittlich etwa 1.100 Welpen registriert, wobei die ­Anzahl in den letzten zehn Jahren immer zwischen 1.000 und 1.200 ­Welpen schwankte. In Österreich wurden 2017 beim ÖKV 110 Welpen vom ­Kleinen Münsterländer eingetragen. Der inter­nationale Verband kann im Jahr ins­gesamt durch­schnitt­lich etwa 2.700 Welpen von seinen Mitgliedsländern verzeichnen.

Wesen

Der Kleine Münsterländer ist der kleinste Vertreter der deutschen Vorstehhunderassen und wegen seiner Leichtführigkeit und Gelehrigkeit sowie seiner ­Kinder- und Familienfreundlichkeit zu einer der beliebtesten Vorstehhunderassen geworden und ist auch bei ­Jägerinnen und Jägern im städtischen Bereich ein sehr beliebter Jagdgefährte. Er lernt schnell, ist temperamentvoll, besitzt aber ein ausgeglichenes Wesen und verhält sich Menschen gegenüber aufmerksam und freundlich. Im Haus zeigt er ein ruhiges und angenehmes Verhalten. Er geht eine enge Bindung zu seinem Führer ein und wird daher auch als sehr teamfähig bezeichnet. Das bedeutet aber auch, dass er für eine ausschließliche Zwingerhaltung nicht geeignet ist. Trotz seiner Familien­tauglichkeit hat er einen ausgeprägten Beutetrieb, eine gute Nervenstärke und Wildschärfe, weshalb er vielseitig jagdlich eingesetzt werden kann.

Von den Jägern wird der Kleine Münsterländer als zuverlässiger Gebrauchshund geschätzt und ist bei der Jagd daher auch ziemlich häufig anzutreffen.

Allrounder

Aufgrund der feinen Nase und der ausdauernden Suche wird er zum Finden von Wild eingesetzt. Gefundenes Wild steht er fest vor, sodass der Weidmann in Ruhe zum Schuss kommt. Geschossenes oder krankes Wild findet er auch in ­Dickungen und bringt es selbst aus großer Entfernung zu seinem Führer zurück. Da Kleine Münsterländer spur- oder sichtlaut sind, eignen sie sich auch bestens zum Stöbern, was sie sicher­lich ihren Vorfahren zu ver­danken haben. Ebenso überzeugt die Rasse bei der Wasserarbeit und bei der Nachsuche. Der Kleine Münsterländer ist also ein echter Allrounder, was ihn wie erwähnt zusammen mit seinem ­ansprechenden Erscheinungsbild und seinem freundlichen Wesen zu einem beliebten Jagdbegleiter gemacht hat. Wie bei fast allen Jagdhunderassen werden auch beim Kleinen Münsterländer die üblichen Prüfungen nach dem Österreichischen Jagdgebrauchshundeverband abgenommen. Hierzu zählen die Anlagenprüfung (AP), die Feld- und Wasserprüfung (FWP) sowie die Verbandsgebrauchsprüfung (VGP). Dabei werden die Fächer Waldarbeit, Wasserarbeit, Feldarbeit und Gehorsam bewertet. Hier sei am Rande noch vermerkt, dass dem Kleinen Münsterländer sogar in der Jagd­musik ein eigenes Stück gewidmet wurde. Im Jahr 2000 wurde die „Kleine-­Münsterländer-Fan­fare" komponiert und erstmals 2003 auf einer bundesweiten Veranstaltung vorge­tragen. Seit 2012 ist sie die offizielle Fanfare des Verbandes für Kleine Münsterländer.

Edmund Löns war nicht nur ein engagierter Züchter dieser Rasse, ­sondern berichtete über die Hunde in der Jagdpresse und machte sie bis über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.  - © Oliver Deck

Edmund Löns war nicht nur ein engagierter Züchter dieser Rasse, ­sondern berichtete über die Hunde in der Jagdpresse und machte sie bis über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. © Oliver Deck