Test

Bleifrei mit Hasler

December 1, 2021 -
Hasler Munition - © Martin Grasberger

Erneut setzen wir uns mit bleifreier Munition auseinander und testen eine italienische Laborierung aus dem Hause Hasler. Wie wirkt sie auf Wild? Welches Ausmaß hat die Wildbretzerstörung? – Diese und noch weitere Fragen klären wir in einem Langzeitfeldtest.

Im Zuge unserer Feldtest-Offensive mit bleifreier Büchsenmunition ist die Wahl diesmal auf das italienische Geschoss Hasler Ariete gefallen. Wie in den vorangegangenen Munitionstests haben wir abermals drei .30er-Kaliber „im Rennen“, mit denen wir die Performance diesesGeschosses während eines kompletten Jagdjahres in der jagdlichen Praxis ausgiebig analysieren werden.

Die Zukunft!

Bleifreie Geschosse sind weiterhin im Trend und aus unserer Sicht in Zukunft unabdingbar. Nachdem wir im letzten Jahr ein Teilzerlegungsgeschoss – das iBEX Tornado – getestet haben, wählen wir diesmal ein Deformations­geschoss, also eine völlig andere Kon­struktion. Das bei uns eher unbekannte Geschoss Hasler Ariete wird in diesem Test zeigen, wie die Tötungswirkung in der jagdlichen Praxis funktioniert. Die Reaktion jedes einzelnen Stückes wird in einem Schussprotokoll penibel genau dokumentiert und ausgewertet. Auf die Parameter, wie Wildart, Wildbretgewicht (aufgebrochen), Schussentfernung, Zustand des Wildes beim Schuss, Ausschusstendenz und Wildbretentwertung, werden wir ein besonderes Augenmerk legen. Am Ende werden die gesammelten Daten ausgewertet, um allgemeine Aussagen zur Tötungswirkung treffen zu können.
Drei Testbüchsen stehen für diesen WEIDWERK-Feldtest zur Verfügung; deren Läufe wurden im Vorfeldchemisch gereinigt, auf ihre Schuss­leistung (5 Schuss auf 100 m) hinüberprüft und auf die jeweilige Treffpunktlage eingeschossen (siehe Tabelle).

Büchse Zielfernrohr Kaliber Lauflänge
Blaser R8 Ultimate mit Blaser-SD (Over-Barrel) Blaser 2,8–20×50 iC .308 Win. 52 cm
Blaser R8 Professional
Success Leather mit Reck­nagel ERA Silencer SOB 1
Swarovski Z8i 2–16×50 P SR mit Ballistikturm .300 Win. Mag. 60 cm
Steyr Monobloc mit Steyr-SD (Breezer) Swarovski Z8i 2–16×50 P SR mit Ballistikturm .30-06. Spr. 56 cm

Geschossdetails

Das Geschoss Hasler Ariete (Konstrukteur Giuseppe De Pasquale, erfolgreicher Sportschütze), ist ein monolithisches Deformationsgeschoss, welches grundsätzlich keine Splitter abgeben soll. Das heißt, das Geschoss kann nur aufgrund einer möglichst großenDeformation (ähnlich einer Fahnen­bildung) durch Aufpilzen des Geschoss­vorderteils die tödliche Expan­sionswirkung und damit Flüssig­keitsverdrängung erzeugen. Das Geschoss soll beim Durchdringen des Wildkörpers kaum an Masse verlieren. Das grundsätzlich unterkalibrierte Geschoss verfügt über abgerundete Führbänder, die dann im Zug-Feld-Profil eingepresst und damit in Rotation – also Drallstabilisation – versetzt werden. Durch das Führband­prinzip weist dieses Geschoss einen geringen Einpresswiderstand bei der Geschossbeschleunigung auf, was einen moderaten Gasdruckanstieg sicherstellt. Das Geschoss verfügt über eine Bohrung in der Spitze, welche die Deformation einleitet und mit einer Kunststoffspitze verschlossen ist. Ziel ist es, damit den BC-Wert *) zu verbessern. Ob sich dieser Einsatz mit einem etwas trägeren Ansprechverhalten im Wildkörper manifestieren wird, werden wir im Feldtest klären. Aufgrund der Bau- und Fertigungsart erwarten wir eine gute Tiefenwirkung bei tendenziell schwereren Stücken. Wie das Geschoss auch gleichzeitig bei schwächeren Stücken wirkt, wird der Test ebenfalls zeigen.
Ein wesentliches Detail ist die Fertigungstechnik der Geschosse, die auf CNC-Drehmaschinen hergestellt werden. Dies ist neu, denn grundsätzlich werden nicht Deformationsgeschosse, sondern eher Teilzerlegungsgeschosse aufgrund ihrer Metalllegierung fertigungstechnisch gedreht.
Zur Vorbereitung des Feldtests haben wir alle Büchsenläufe einer gründlichen chemischen Reinigung unterzogen. Das alte Geschossmaterial wurde somit entfernt, um optimale Voraussetzungen hinsichtlich der Präzision der neuen Geschosse zu schaffen. Der Hersteller selbst gibt an, auf den Kupferabrieb im Lauf zu achten, daher
werden wir die Läufe nach fünfzig Schüssen auf Kupferablagerungen hin kontrollieren und mittels einer Schussgruppe erneut den Streukreis überprüfen.

Chemische Reinigung

Bei der Umstellung einer Laborierung (insbesondere einer bleifreien Laborierung) empfiehlt es sich, den Lauf einer chemischen Reinigung zu unterziehen. Die Laufablagerungen der alten Laborierung werden durch ein chemisches Solvens (Lösungsmittel, Anm.) aufgelöst. Dazu muss man aber wissen, dass nur Kupfer oder kupferähnliche Metalle mit einem solchen Solvens aufgelöst werden können. Sollte keine chemische Reinigung erfolgen, könnte es sein, dass die neue Laborierung durch die Kupferablagerungen im Lauf keine zufriedenstellende Schussleistung bringt.
Für die chemische Reinigung benötigt man lediglich einen kugelgelagerten Putzstock, eine kalibergenaue Bronzebürste und einen Patchhalter mit Reinigungspatches oder Filzpfropfenhalter mit kalibergenauen Filzpfropfen. Wichtig zu erwähnen wäre noch das Abdecken des Schaftes mit einem Tuch, damit das Solvens keine Beschädigung am Holz oder Kunststoff der Büchse verursacht, sollten ein paar Tropfen danebengehen. Ein sogenanntes „falsches Schloss“, also ein Rohr, welches die Verbindung vom Patronenlager bis zur Position, an welcher für gewöhnlich der Verschluss endet, darstellt, verhindert ein Verschmutzen des Magazinbereichs der Repetierbüchse mit Solvens. Die Bronzebürste mit dem aufgetragenen Solvens wird nun durch den Lauf geschoben, indem man etwa zehn Hübe aus der Mündung hinausputzt und die Bürste wieder vorsichtig zurückzieht. Die Putzrichtung im Lauf sollte dabei nicht geändert werden. Nach einer Einwirkzeit von etwa 10–15 Minuten sollte das Solvens mittels eines Patchs (aus Baumwolle) oder Filzpfropfen aus dem Lauf geschoben werden. Die blaue Färbung oder blaue Flüssigkeit am Patch zeigt das aufgelöste Kupfer. Je nach Verschmutzungsgrad und Abrieb im Lauf muss diese Prozedur mehrmals wiederholt werden. Eine hellblaue Verfärbung deutet auf einen bereits gereinigten Lauf hin. Eine leichte Verfärbung wird man so gut wie immer vorfinden, denn alles Kupfer bekommt man kaum aus dem Lauf heraus. Dies ist aber für eine gute Schussleistung unwesentlich.
Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass nach der chemischen Reinigung der Lauf neutralisiert werden sollte, sofern die Büchse danach in den Gewehrschrank gestellt wird. Dazu wird der Lauf mit einem Neutralisationsspray (zum Beispiel „Gun Coating“ von Fluna Tec oder „GunCer“ von Ballistol) eingesprüht und erneut mit einem Patch oder Filzpropfen durchgewischt. Diese Produkte neutralisieren sämtliche Solvensrückstände im Lauf, denn alle Rückstände bringt man mit einem Patch oder Filzpfropfen nicht aus dem Lauf. Auf diese Neutralisation kann man verzichten, wenn man sofort nach der chemischen Reinigung die erforderlichen Probeschüsse absolviert. Daher unsere Empfehlung: Eine chemische Reinigung unmittelbar vor dem Schießstandbesuch durchführen!
Das Equipment für die chemische Reinigung kommt in der Anschaffung auf unter € 100,–, und dies gleich für mehrere Kaliber. Wer sich bezüglich des Durchführungsprozederes nicht ganz sicher ist, sollte sich dieses vom Büchsenmacher genau erklären lassen. Letztlich bleibt noch die Möglichkeit, die chemische Reinigung vom Fachmann durchführen zu lassen.

Für die chemische Reinigung des Laufes sind  unter anderem ein Solvens und Baumwollpatches  erforderlich. - © Martin Grasberger
Für die chemische Reinigung des Laufes sind unter anderem ein Solvens und Baumwollpatches erforderlich. © Martin Grasberger
Für die chemische Reinigung des Laufes sind  unter anderem ein Solvens und Baumwollpatches  erforderlich. - © Martin Grasberger
Für die chemische Reinigung des Laufes sind unter anderem ein Solvens und Baumwollpatches erforderlich. © Martin Grasberger
Für die chemische Reinigung des Laufes sind  unter anderem ein Solvens und Baumwollpatches  erforderlich. - © Martin Grasberger
Für die chemische Reinigung des Laufes sind unter anderem ein Solvens und Baumwollpatches erforderlich. © Martin Grasberger
Für die chemische Reinigung des Laufes sind  unter anderem ein Solvens und Baumwollpatches  erforderlich. - © Martin Grasberger
Für die chemische Reinigung des Laufes sind unter anderem ein Solvens und Baumwollpatches erforderlich. © Martin Grasberger

Auf dem Schießplatz

Nach der Reinigung wollten wir selbstverständlich wissen, was das neue Hasler-Ariete-Geschoss in puncto Präzision zu leisten imstande ist. Dazu wurden Fünfergruppen auf eine Entfernung von 100 m geschossen. Die Blaser R8 Professional Success im Kaliber .300 Win. Mag. mit geflutetem Semiweight-Lauf und bestückt mit dem Over-Barrel-Schalldämpfer Recknagel SOB1 startete die erste Schussgruppe. Montiert mit einem Swarovski Z8i 2–16×50 P inkl. Ballistikturm lieferte diese Büchse auf 100 m einen sensationellen Streukreis von nur 13 mm im Durchmesser – und den sogar mehrmals hintereinander. Fünf Schusslöcher konnten mit einer 5-Cent-Münze abgedeckt werden (!).
Das Ariete-Geschoss im Kaliber .300 Win. Mag. verfügt über ein Geschossgewicht von 10,8 g (167 gr). Die Anfangsgeschwindigkeit (V0) der Laborierung liegt nach drei gemessenen Schüssen im Durchschnitt bei exakt 900 m/s. Die Herstellerangaben liegen bei 950 m/s, dieser Unterschied ist sicherlich dem 60 cm-Lauf geschuldet (Messläufe in diesem Kaliber sind üblicherweise 65 cm lang). Die Steyr Monobloc im Kaliber .30-06 Spr. leistete, versehen mit dem Steyr-SD „Breezer“, einen Streukreis von 38 mm im Durchmesser. Mit einem Geschossgewicht von 10,3 g (159 gr) im Kaliber .30-06 Spr. haben wir aus dem Monobloc-Lauf mit 56 cm Lauflänge eine Anfangsgeschwindigkeit von 832 m/s gemessen. Die Blaser R8 Ultimate im Kaliber .308 Win. erreichte eine Schussleistung von sehr guten 28 mm im Durchmesser bei einer Geschossgeschwindigkeit von 842 m/s und einer Lauflänge von 52 cm. Laut Firmenangaben sollten es 860 m/s sein. Durch den 52 cm-Lauf verliert die .308 Win. kaum an Anfangsgeschwindigkeit gegenüber den Firmenangaben, daher sind die gemessenen 842 m/s ein sehr guter Wert.
Alle drei Zielfernrohre sind mit einem Ballistikturm ausgestattet, daher haben wir die Büchsen auf 100 m „Fleck“ (Haltepunkt = Treffpunkt) eingeschossen. Auf jede weidgerechte Entfernung kann das ZF somit rasch nachjustiert werden, und wir erhalten immer einen Fleckschuss. Die Wild­arten, die wir jagen werden, sind Rot-, Schwarz-, Gams- und Rehwild. Der Haltepunkt am Stück wird von den Testern mit „hart am Blatt“ angepeilt. Diesen Haltepunkt haben wir auch bei den anderen bleifreien Geschossen ­gewählt. – Ein Jahr lang muss die ­bleifreie Hasler-Munition mit dem Ariete-Geschoss nun zeigen, was sie hinsichtlich der Tötungswirkung zu leisten imstande ist.

Nach der chemischen  Reinigung wurde die  Anfangsgeschwindigkeit (V0) gemessen. - © Martin Grasberger
Nach der chemischen Reinigung wurde die Anfangsgeschwindigkeit (V0) gemessen. © Martin Grasberger
Danach galt es, eine 5er-Schussgruppe zu schießen, ... - © Martin Grasberger
Danach galt es, eine 5er-Schussgruppe zu schießen, ... © Martin Grasberger
...  und die Schussleistung der Munition – in Verbindung mit den Läufen – zu testen. - © Martin Grasberger
... und die Schussleistung der Munition – in Verbindung mit den Läufen – zu testen. © Martin Grasberger

WEIDWERK Langzeit-Feldtest mit Hasler-Munition