Test

Kurz und bündig!

January 6, 2021 -
Blaser R8 Silence - © Oliver Deck

Mit nur 42 cm Lauflänge präsentiert Blaser das Modell R8 Silence und legt mit dem haus­eigenen Zielfernrohr 4–20×58 iC auch im Optik­bereich nach. – Wir haben das Duo in der Praxis getestet.

Der deutsche Hersteller Blaser ist für Innovation und Entwicklung am Waffensektor weltbekannt. Daher hat man sich in Isny dem aktuellen Thema Schalldämpfer ausführlich gewidmet.

Aus dem Gedanken, eine Jagdbüchse mit herkömmlichem Schalldämpfer führiger zu gestalten, ist das Produkt Blaser R8 Silence mit Integralschalldämpfer entstanden. Es wäre aber nicht Blaser, wenn man nicht auch am Premium-­Zielfernrohrsektor mitmischen wollte. Daher wurde eine neue Fertigungslinie auf die Beine gestellt.

Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Test ist auch der Munition gewidmet. Immerhin werden bei der von uns getesteten Blaser R8 Silence im Kaliber .308 Win. Geschosse aus einem nur 42 cm langen Lauf ver­schossen. Beide High-End-Jagd­werk­zeuge und nicht zuletzt auch die ­Munition wurden nach bewährtem WEID­WERK-­Standard für die Jagdpraxis genau unter die Lupe genommen.

Blaser R8 Silence - © Oliver Deck
© Oliver Deck

Der Geradezug­repetierer Blaser R8 ­Silence mit Integralschalldämpfer und das Zielfernrohr Blaser 4–20×58 iC im WEIDWERK-Test.

Blaser R8 Silence

Die Grundlage der Blaser R8 Silence ist das Verschlusssystem, welches bereits mehrfach durch die WEIDWERK-­Redaktion getestet wurde und immer gut abgeschnitten hat. Das bekannte Verschlusssystem verriegelt unverändert über einen Radialbund­verschluss, der direkt im Lauf eingreift. Der Verschlussgang war auch bei dieser Büchse ­bestens und lief in den Verschluss­führungen besonders leise. Damit ist in der Praxis geräuschloses Laden und Entladen möglich.

Der Geradezugrepetierer verfügt über ein Handspannsystem, welches leicht gespannt und entspannt werden konnte. Der „iC“-Spannschieber ist mit dem Blaser-Zielfernrohr gekoppelt und schaltet nach dem Spannen der Büchse den Leuchtpunkt automatisch ein. Für die Praxis bedeutet dies einen Handgriff weniger, der manchmal für den Erfolg ausschlaggebend sein kann. Wird die Büchse wieder entspannt, schaltet der beleuchtete Absehenpunkt automatisch ab.

Der Abzug stand trocken und brach wie Glas bei einem Abzugs­gewicht von 660 g. Im mattschwarzen Systemgehäuse aus Aluminium ist das abnehmbare Magazin inklusive der ­Abzugseinheit integriert. Das Maga­zin fasst im gegenwärtigen Kaliber .308 Win. 4+1 Patronen, was auch für eine eventuelle Riegeljagd reichen sollte.

Das System verfügt über eine Magazin­sicherung, welche mit einem Schiebeknopf aktiviert werden kann. Dies ist bei diesem Repetierer nicht ­unerheblich, denn ohne Magazin kann auch kein Schuss abgegeben werden.

Das wirklich „Neue“ am Silence R8 ist aber der Integralschalldämpfer. Die Blaser R8 Silence wurde im Kaliber .308 Win. geliefert und verfügt über eine Lauflänge von nur 42 cm.

Am 17 mm starken Lauf wurde ein Mündungsgewinde in der Größe von M 15×1 zur Montage des Schalldämpfers angebracht. Durch den gleich­mäßig starken „Laufüberzug“, der als Schalldämpfer ausgebildet ist (Länge 53,6 cm), verleiht er der Büchse tatsächlich mehr an Führigkeit und vor allem Balance gegenüber Gewehren mit herkömmlichen, oft „kopfschweren“ Schalldämpfern an der Laufmündung. Irgendwie scheint hier von Blaser die Physik überlistet worden zu sein, denn so kurze Läufe hatte man bei der Jagd bis dato noch nicht im Einsatz.

Die Schallreduktion wird von Blaser mit 28 dB angegeben und erreicht damit die geforderte Grenze, bei welcher das Gehör bei Einzelschallereignissen keinen Schaden nehmen dürfte. Die Angaben wurden dazu von uns übernommen und die Schallminderung im Test nicht überprüft. An die Schall­reduktion von hochqualitativen Schalldämpfern mit größerem Durchmesser, die an der Mündung montiert werden, dürfte die Blaser Silence laut offiziellen Angaben nicht herankommen.

Die Blaser R8 Silence wurde in traditioneller Schaftform und geradem Schaftrücken aus schön gemasertem Nussbaumholz gefertigt. Die Bayerische Backe mit Doppelfalz sowie der Vorderschaftabschluss in Ebenholz runden den exklusiven Geradezugrepetierer elegant ab. Dies ist auch notwendig, denn die Dimension der Vorderschaftausnehmung für den 31 mm starken Schalldämpfer wirkt schon ungewohnt und wird durch den schwarzen Ebenholzabschluss etwas gefälliger. Das vergoldete Abzugszüngel und der goldene Schriftzug im System verleihen der Jagdwaffe einen exklusiven Touch.


Technische Daten Blaser R8 Silence

  • Geradezugrepetierer mit Radialbundverschluss
  • Handspannsystem mit iC-Technologie
  • abnehmbares Magazin mit Magazinsperre
  • Magazinkapazität 4+1
  • Integralschalldämpfer
  • Lauflänge 42 cm
  • Kaliber .308 Win.
  • Gesamtlänge 1.085 mm
  • Gesamtgewicht Büchse und Zielfernrohr 4,86 kg
  • Preis € 5.978,–

Blaser 4–20×58 iC

Blaser beschreitet in der Zielfernrohrtechnik neue Wege und fertigt die Zielfernrohre aus eigenem Haus in der ersten Bildebene. Früher war dies durch die feinen ­Absehen bei kurzer Entfernung und die groben Abkommen auf weiten Schussentfernungen für die Jagdpraxis nicht optimal. Warum Blaser in der ersten Bild­ebene fertigt, liegt in dem Umstand, dass bei einem Ver­größerungswechsel keine Treffpunktverlagerung entstehen kann. Das Absehen bleibt mit dem Zielbild ­vereint, bevor die ­beweglichen Teile des Innensystems verändert werden. Durch eine sogenannte „Phasengittertechnologie“ konnte in der ersten Bildebene eine feine, tageslichttaugliche Absehen­beleuchtung realisiert werden. Tatsächlich ließ sich der Rotpunkt ­sowohl für das letzte Büchsenlicht als auch für den Schuss bei ­starker Sonne sehr fein steuern.

Ausgestattet mit Neigungssensor und Abschaltautomatik kann man getrost bereits zu Beginn der Jagd die Absehenbeleuchtung einschalten. Den Rest erledigt die stromsparende ­Steuerungstechnik des Zielfernrohrs (ZF). Eine weitere Stromersparnis ist die „illumination Control (iC)“-Automatik. Hier wird, wie bereits erwähnt, die Absehenbeleuchtung beim Vorschieben des Spannschiebers aktiviert. Dies funktionierte in der Praxis perfekt, denn so hat man immer den Rotpunkt, wenn man ihn braucht, und dies noch dazu stromsparend.

Etwas lästig ist das Einschießen, denn hier muss die Schnellverstellung mit einem kleinen Imbusschlüssel ­abgeschraubt werden. Nach Anleitung geht es dann sehr rasch, die Büchse zu justieren. 100 m Fleckschuss war die Vorgabe, und darauf haben wir unsere Nullung justiert. Fleckschuss und 4 cm hoch für die GEE lassen sich nach Wunsch arretieren.

Neu ist auch die Anordnung des Justierturms der Absehenbeleuchtung bzw. der Parallaxeeinstellung. Beide Steuerungselemente sind am Justierturm an der rechten Seite des Ziel­fernrohrs angebracht. Dies bereitet insofern Schwierigkeiten, da man als Rechtsschütze die Hand vom Pistolengriff nehmen muss, um an einer dieser Einstellungen zu drehen. Mit Handschuhen können die beiden Justier­ebenen der Absehenbeleuchtung und Parallaxejustierung nur schwer ­bedient werden, da diese sehr knapp neben­einander angebracht sind.

Um die vollständige elektronische und optische Technik auch im Zielfernrohr unterzubringen, hat man den Mittelrohrdurchmesser auf 34 mm gesteigert. Da dieses Zielfernrohr für die Ansitz- und Birschjagd insbesondere in der Dämmerung gedacht ist, wurde der Objektivdurchmesser auf 58 mm an­gehoben. Große Justiertürme tragen dann zusätzlich ihren Teil bei, um das ZF an der R8 doch etwas ­massig wirken zu lassen. Mit ­immerhin 885 g Gesamtgewicht gehört es auch in ­dieser Kategorie nicht zu den Leicht­gewichten.


Technische Daten Blaser 4–20×58 iC

  • Vergrößerung 4–20-fach
  • Absehen in 1. Bildebene
  • Objektivdurchmesser 58 mm
  • Sehfeld auf 100 m 9,2–1,9 m
  • Augenabstand 90 mm
  • ASV und Parallaxeausgleich
  • Verstellung pro Klick 1 cm/100 m
  • Gewicht 885 g
  • Länge 365 mm
  • Preis: € 3.286,–

Auf dem Schießstand

Bei der Überprüfung der Schuss­leistung waren wir auf den 42 cm langen Lauf der Blaser R8 und deren Performance besonders gespannt.

Wir haben drei Munitionslabo­rie­rungen für unseren Test gewählt. ­Zunächst zwei gleich schwere blei­haltige Geschosse aus dem Hause RWS (RWS Doppelkern, 10,7 g, und RWS Speed Tip Pro Short Rifle, 10,7 g) und eine bleifreie Laborierung von iBEX (Tornado, 9 g). Alle drei Laborierungen lieferten eine hervorragende Schussleistung (5-Schuss-Gruppen nach WEID­WERK-Standard) mit den Streukreisdurchmessern von 20 mm (RWS Speed Tip Pro Short Rifle), 25 mm (iBEX ­Tornado)und 26 mm (RWS DK).

Zur Schussleistung der Blaser R8 Silence als auch des Blaser Zielfernrohrs und der Qualität der drei Munitions­laborierungen braucht man nichts mehr hinzuzufügen – einfach top!

Sieht man sich die Tabelle an, so erkennt man, dass der 42er-Lauf bei allen drei Laborierungen die Anfangsgeschwindigkeit massiv reduziert. Die bleifreie Laborierung von iBEX schneidet dabei noch am besten ab und verliert nur knapp über 90 m/s Anfangs­geschwindigkeit, obwohl sie für einen 60 cm-Lauf konzipiert worden ist. Daher bedient die bleifreie iBEX-Laborierung jede im Handel verfügbare Lauflänge mit einer noch für die Jagd ansprechenden Anfangsgeschwindigkeit und ausreichender Tötungs­wirkung – bei einer noch dazu sehenswerten Schussleistung. Auch die RWS Short Rifle Speed Tip Pro hält, was sie verspricht, und verliert von 50 cm auf 42 cm zwar noch knapp 60 m/s, verlässt den Lauf der R8 aber noch mit 771 m/s – ebenfalls mit einer großartigen Schussleistung. Bedenklich verläuft die Performance der RWS DK, die bei nur 800 m/s laut Firmenangabe startet, aber den 42 cm langen Silence-Lauf tatsächlich mit lediglich 695 m/s verlässt. Wenn man bedenkt, dass ­dieses Doppelkerngeschoss nach einer Schussentfernung von 100 m nur noch eine Geschwindigkeit von rund 600 m/s hat, dann liegt diese Laborierung bereits bei 100 m an der Grenzgeschwindigkeit einer jagdlich geforderten ausreichenden Tötungswirkung.

Dieser Test zeigt, dass nicht nur die Schussleistung ein Kriterium für die Wahl der Munition sein darf, sondern auch die Anfangsgeschwindigkeit, mit der das Geschoss den Lauf verlässt! Insbesondere dann, wenn der Lauf so kurz ist wie in diesem Fall! Die RWS DK, 10,7 g, ist deswegen keine schlechte Munition, sie braucht lediglich einen etwas längeren Lauf und ist für diese R8 Silence, insbesondere auf größere Distanzen oder schweres Schalenwild, weniger gut geeignet.

Blaser R8 Silence - Die beste Performance mit einem Streukreisdurchmesser von 20 mm lieferte die RWS Speed Tip Pro Short Rifle, 10,7 g (l.), ­gefolgt von der iBEX Tornado, 9 g, mit 25 mm und der RWS DK, 10,7 g, mit 26 mm (jeweils 5 Schuss mit kaltem Lauf). - © Oliver Deck
© Oliver Deck

Die beste Performance mit einem Streukreisdurchmesser von 20 mm lieferte die RWS Speed Tip Pro Short Rifle, 10,7 g (l.), ­gefolgt von der iBEX Tornado, 9 g, mit 25 mm und der RWS DK, 10,7 g, mit 26 mm (jeweils 5 Schuss mit kaltem Lauf).

Fazit

In der Praxis präsentierte sich die ­Blaser Silence durch den Integralschalldämpfer sehr ausgewogen und vor allem führig. Trotz des dicken Schalldämpferrohrs und der großen Ausnehmung am Vorderschaft wirkt die Büchse gefällig. Das Abschrauben und Wiederaufsetzen des Schall­dämpfers funktionierte ohne Probleme – und vor allem ohne Treffpunkt­verlagerung. Immerhin wird der Lauf an der Laufmündung durch ein Gewinde und an der Laufwurzel durch ein Gleitlager stabilisiert. Das Blaser-Zielfernrohr 4–20×58 iC trägt durch das 58 mm-Objektiv und den 34 mm-Mittelrohrdurchmesser massiv auf und schmälert damit die Führigkeit der Büchse. Bedingt durch den großen Objektiv- wie auch Schalldämpferdurchmesser musste eine ­höhere Montage gewählt werden, die für unseren Geschmack zu hoch ausgefallen ist, denn der gewohnt gute ­Anschlag der Blaser R8 mit hoher Schaft­rücken­ebene wird dadurch nicht unwesentlich verändert.

Die optischen Leistungen des Blaser-Ziel­fernrohrs, wie Bildwiedergabe, Kontrast, Bild- und Randschärfe, sind herausragend und ohne Makel. Das Abkommen in der ersten Bildebene ist überraschend fein. Infolge des Praxistests haben wir versuchsweise (keine Schussabgabe) ein Stück Reh auf 400 m anvisiert. Das ­beleuchtete Abkommen war so fein wie bei einem Zielfernrohr mit Absehen in der zweiten Bildebene. Für weite Schussentfernungen ist eine Absehenschnellverstellung (ASV) direkt mit an Bord. Man braucht nur den ­Höhenjustierturm anheben und kann dann auf die gewünschte Entfernung einfach und genau justieren. Einzig bei schwindenden Lichtverhältnissen sind die feinen Zahlen und Einstellungen schwer auszunehmen. Möchte man das Zielfernrohr mit der kleinsten Ein­stellung von 4-fach bei einer Riegeljagd verwenden, ist das sehr feine Ab­kommen bei schnellem Anschlag und Einsatz der Büchse schon schwieriger mit dem Ziel zu vereinen als dies bei einem Zielfernrohr mit Absehen in der 2. Bildebene der Fall ist. Die Stärke des Blaser-ZF 4–20×58 iC liegt aber nicht in der ­Riegeljagd, sondern wie gesagt in der Ansitz- und Birschjagd – und diese Aufgabe ­erfüllt das Premium-Ziel­fernrohr mit Bravour.

Bei der Blaser R8 Silence handelt es sich um eine vollwertige Jagdbüchse, die trotz Schalldämpfer elegant und führig wirkt und zuletzt auch keine Gefahr für das menschliche Gehör darstellt. Aber: Für jagdliche Weitschüsse ist die R8 Silence mit ihrem 42 cm-Lauf im Kaliber .308 Win. nicht wirklich ­geeignet; dafür müsste man zu einer Lauflänge von 47 cm bzw. 52 cm greifen, die für die R8 Silence ebenfalls verfügbar sind. Sowohl die Büchse als auch das Zielfernrohr Blaser 4–20×58 iC und die Munition von iBEX bzw. RWS (Short Rifle) überzeugten in allen jagdlichen sowie technischen Belangen und sind im Premium­bereich mit Sicherheit eine Innovation für die Jagdpraxis, welche allerdings auch ihren Preis haben.

Noch etwas: Seit heuer wird die Blaser Silence als „Blaser Silence Ti“ bestellbar sein. Die neue Bezeichnung wurde notwendig, da im Rahmen eines Upgrades, unter Verwendung des Werk­stoffs Titan, der Integralschalldämpfer vom Typ ISD erheblich materiell und damit auch qualitativ aufgewertet wurde.

Blaser R8 Silence - © Oliver Deck
Blaser R8 Silence © Oliver Deck
Blaser R8 Silence - © Oliver Deck
Blaser R8 Silence © Oliver Deck
Blaser R8 Silence - © Oliver Deck
Blaser R8 Silence © Oliver Deck