Test

Leichtgewicht

March 2, 2021 -
Sauer 101 Highland XTC - © Oliver Deck

Mit der Sauer 101 Highland XTC wurde ein sehr leichter Repetierer aus der Taufe gehoben. In Kombination mit dem neuen Kahles Helia 3,5–18×50i haben wir die Büchse einem WEIDWERK-Test unterzogen.

Eine kurze, handliche Büchse mit wenig Gewicht bedeutet für den Jäger beim Führen eine Erleichterung in jeder Hinsicht. Dies spürt man nicht nur bei der Birsch, sondern auch bei der Bergjagd oder aber auch bei der Ansitzjagd in der Kanzel. Der deutsche Hersteller J. P. Sauer & Sohn rüstete seine bewährte ­Repetierbüchse Sauer 101 mit kurzer Lauflänge und Karbonschaft zu einer Hochleistungsbüchse auf. Resultat ist der vielversprechende Jagd­repe­tierer Sauer 101 Highland XTC, der nach ­Firmenangaben sämtliche Jagdanforderungen abdecken soll.
Auch der österreichische Tradi­tions­optik­hersteller Kahles ist mit dem neuen Zielfernrohr Helia 3,5–18×50i am Markt, welches eine große Bandbreite jagdlicher Einsatzbereiche ab­decken soll. Erprobt wurde die Büchse mit dem neuen Schalldämpfer von Recknagel, dem ERA Silencer SOB 3D, und dem neuen Teilzerlegungsgeschoss iBEX Tornado. Ob sich alle Komponenten im jagd­lichen Alltag bewährten und wie sich das Leichtgewicht im Kaliber .30-06 Spr. macht, haben wir in einem ­spannenden WEIDWERK-Praxistest überprüft.

Sauer 101 Highland XTC

Die Zutaten für diese Hochleistungsbüchse bestehen aus dem bereits bewährten S 101-Verschlusssystem, einem 51 cm kurzen, kaltgehämmerten Präzisionslauf mit Mündungsgewinde (M 15×1), der noch dazu kanneliert ist, und einem modernen Karbonschaft. Ziel dieser neuen Entwicklung war es aus Sicht von Sauer, einen Repetierer auf die Verkaufstheke zu legen, der kurz, ­führig und federleicht ist, allen ­Witterungseinflüssen trotzt und allen Jagdeinsätzen gerecht wird.
Der Zylinderverschluss verfügt über sechs massive Verschlusswarzen, die direkt im Lauf eingreifen und sicher verriegeln. Im Verschlusskopf wurden der innen­ liegende Auszieher und gleich zwei Ausstoßerstifte eingearbeitet. Während des gesamten Tests arbeitete dieses Auswurf­system wie ein Uhrwerk. Die Patronen bzw. Patronen­hülsen wurden sicher und vor allem waagrecht aus der Verschlusshülse befördert. Die Sicherung („Dura Safe“) ist ergonomisch am Zylinder­verschluss­ende angebracht und wirkt topsicher als Schlagbolzensicherung. Leider war es uns nicht möglich, absolut geräuschlos zu sichern bzw. zu entsichern. In gesichertem Zustand ist auch die ­Kammersperre aktiv, die durch einen Entriegelungsknopf deaktiviert werden kann. Daher kann der Verschluss der Waffe in ge­sicher­tem Zustand durch den Kammer­entriegelungs­knopf ge­öffnet und damit gefahrlos entladen werden.
Die patentierte Bettung der Verschlusshülse („Ever Rest“) ist äußerst stabil und verhindert Spannungen im Verschluss­system. Das Ergebnis ist eine perfekte Schussleistung, die laut J. P. Sauer & Sohn unter einem MOA, also unter 29 mm bei einer Entfernung von 100 m, bei fünf Schuss liegen soll. Der absolut trocken stehende Direktabzug ist jagdpraxis­gerecht justiert. Auf ­unserer Messuhr blieb der Zeiger bei einem Abzugs­gewicht von 980 g stehen. Durch die trockene Abzugsstruktur und das breite Abzugszüngel nahmen wir dieses ­Abzugsgewicht, subjektiv gefühlt, allerdings noch bedeutend geringer wahr.
Der große Wurf bei diesem Repetierer ist jedoch der Karbonschaft, denn: Karbon ist nicht gleich Karbon! In Zusammenarbeit mit einem Spezialisten, der auf eine solche Material­verarbeitung spezialisiert ist, wurde ein Schaft entwickelt, der federleicht und gleichzeitig extrem stabil ist. ­Dadurch war es möglich, eine Büchse mit einem Gesamtgewicht von nur 2,5 kg (Standardkaliber) zu fertigen.

Kahles Helia 3,5–18×50i

Das montierte Zielfernrohr (ZF) Kahles Helia 3,5–18×50i deckt mehrere jagd­liche Einsatzbereiche ab. Seine Stärken liegen in der Ansitzjagd, der Birsch und auch der Bergjagd. Durch die 18-fache Vergrößerung ist ein präziser Schuss auch auf weite Schussentfernungen möglich, vorausgesetzt, es herrschen vertretbare Witterungsbedingungen, die eine solche jagdliche Schussabgabe auch rechtfertigen.
Das Absehen befindet sich in der zweiten Bildebene und vergrößert sich bei einer Änderung der Vergrößerungseinstellung nicht mit. Dies ist bei einem Schuss auf größere Distanzen oder auf kleine Ziele ein Vorteil. Bei einem derart großen Zoombereich ist eine Parallaxejustierung notwendig. Der an der linken Seite des ZF befindliche Justierturm nimmt die Absehenbeleuchtung und auch die Parallaxekorrektur auf. Die Tag- und Nachtabsehenbeleuchtung lässt sich sehr fein dimmen, sodass eine Schuss­abgabe bis in die letzte Dämmerung möglich ist. Auf der ­anderen Seite ist der Rotpunkt auch bei grellem Sonnenlicht am Tag am Zielpunkt gut erkennbar. Die Absehenbeleuchtung ist mit einer intelligenten ­Abschaltautomatik ausgestattet. So braucht die Büchse nur waagrecht auf die Seite gelegt bzw. senkrecht abgestellt zu werden, und schon schaltet sich der Rotpunkt ab. Damit ist Stromsparen angesagt, und beim In-Anschlag-Gehen leuchtet der Rotpunkt wieder, also genau dann, wenn man ihn braucht. Dies funktionierte im Test einwandfrei und ist vor allem praxistauglich.
Dreht man bis zum Anschlag (erkennbar durch ein fühlbares, aber lautloses Klicken), ist die Absehenbeleuchtung komplett abgeschaltet. Sowohl der Parallaxeausgleich als auch die Absehenbeleuchtung ließen sich ergonomisch gut bedienen, allerdings wird das mit dicken Winterhandschuhen schon etwas schwieriger.
Die Justierung der Seiten- und ­Höhenkorrektur beträgt pro Klick 1 cm auf 100 m und ist somit auf euro­päische Bedürfnisse abgestimmt. Bei der Bildqualität erwarteten wir die ­bekannte Kahles-Qualität, die uns nicht verwehrt geblieben ist: Sehr gute Bildwiedergabe mit guter Randschärfe, Farbtreue und Dämmerungsleistung bei perfektem und präzisem Abkommen am Ziel zeichnen dieses Zielfernrohr aus.

Auf dem Schießplatz

Wie bereits erwähnt, wurde die bleifreie Jagdmunition der Marke iBEX (Tornado, 9 g) für diesen Test ausgewählt. Dieses ­Geschoss wurde vom WEIDWERK übrigens in einem Langzeit-Feldtest umfangreich geprüft, unter anderem ging es dabei um die Tötungs­wirkung auf Wild. Das ­Ergebnis dieses Tests wird in einer der nächsten Ausgaben veröffentlicht.
Das bleifreie Teilzerlegungsgeschoss ist ein uni­versales Jagdgeschoss, das durch die spezielle Konstruktion („Low Press Contour Profil“) besonders wenig Kupferabrieb im Lauf verursacht und gute Tiefen- und ­Tötungswirkung verspricht.
Die Überprüfung der Schussleistung erfolgte wie gewohnt nach WEIDWERK-Standard, also mit kaltem und mit warmem Lauf. Die ersten fünf Schuss
mit kaltem Lauf lagen alle im Zentrum der Scheibe, und das bei einem Streukreisdurchmesser von sagenhaften 18 mm. Mit warmem Lauf lieferte die Büchse einen Streukreisdurchmesser von 31 mm. Dazu muss noch erwähnt werden, dass der neueste Schalldämpfer (Recknagel ERA Silencer SOB 3D) mit Drahtgeflecht nach jedem Schuss abgenommen wurde, um auch die Wiederholungsgenauigkeit überprüfen zu können. Damit schoss die Büchse in Verbindung mit dem Zielfernrohr, der Munition und dem Schalldämpfer sprichwörtlich wie Gift.

Augenweide

Der Rückstoß der .30-06 Spr. ist ab­hängig vom Einsatz eines Schall­dämpfers (SD). Ohne SD ist der Rückstoß des Leicht­gewichts schon eine Herausforderung, und man benötigt doch einigen Schulterdruck, um die 3,4 kg leichte Büchse (inkl. Zielfernrohr und Montage) zu bändigen. Genau da zeigt sich der riesige Vorteil eines Schalldämpfers: Unfassbar, wie dieser Schall- und Rückstoßschlucker das Schießen mit dieser leichten Büchse verbessert. Mit nur 10,5 cm Überstand ab der Laufmündung war der kleinste SD der Recknagelgruppe auch im Revier­einsatz noch führig. Mit dem praktischen Schnellverschluss (vorgestellt im WEIDWERK 6/2019, Seite 40–41) ist es dann sehr einfach und vor allem rasch möglich, den SD nach dem Reviergang abzunehmen.
Eine wahre Augenweide stellt aber der Karbon­schaft dar, der eine perfekte Schaftgeometrie und damit eine ausgezeichnete Anschlagsqualität aufweist. Auch die Verarbeitung des Karbonmaterials erscheint uns makellos.

Performance

Der Schaft weist keine Fischhaut oder ähnliche Einlagen im Bereich des ­Pistolengriffs oder des Vorderschafts auf. Man würde somit meinen, dass die Büchse damit nicht griffig sei. Doch weit gefehlt! Der Repetierer liegt in diesen Bereichen mit guter Haptik in der Hand bzw. im Anschlag.
Die Beschichtung des Laufes, der Verschlusshülse und des Verschlusses garantiert laut Hersteller eine Ober­fläche, die jeden Jagdeinsatz schadlos übersteht. Grundsätzlich ist die Beschichtung sauber ausgeführt, nur bei näherem Hinsehen sind in den Fräs­linien der Kannelierung Beschichtungsfehler (graue statt schwarze Farbe) zu erkennen. Wie weit hier noch Schutz für das Metall besteht, konnte nicht geprüft werden.
Das Zielfernrohr hat sich auch in der Praxis bestens bewährt und leistete bei unseren Jagdeinsätzen eine Top­perfomance. Nur für den dynamischen Büchsenschuss, also etwa im Zuge einer Riegeljagd, ist es mit einem ­Gesichtsfeld von nur 12,2 m auf 100 m (bei 3,5-facher Vergrößerung) nur bedingt geeignet. Der etwas abstehende Justierturm der Beleuchtungs- bzw. Parallaxeeinheit ist beim Birschen etwas unangenehm, da er an der Kleidung scheuert. Im Liefer­umfang ist eine Neoprenschutzhülle für das ZF ent­halten, die dieses Scheuern verhindert. Nur, wenn es einmal bei der Jagd schnell gehen muss, dauert das Abnehmen der Hülle einige Augenblicke; Zeit, die man möglicherweise nicht hat . . . Die hauseigene HexaLock-Ziel­fernrohr­montage war spannungsfrei montiert, was sich auch in der Schuss­leistung wider­spiegelte.
In Zeiten von Nachtsicht und Wärme­bild haben wir mit einem zusätzlich montierten Wärmebildvorsatzgerät gejagt. Der federleichte Karbonschaft ist dafür nicht konzipiert, denn, wenn man bei einer solch leichten Büchse sowohl Schalldämpfer als auch Vorsatzgerät montiert, wird die Büchse naturgemäß äußerst kopflastig, was
in erster Linie das Birschen negativ ­beeinflusst. Da wandert die Büchse – bei österreichischer Trageweise links am Körper mit Lauf nach vorne – schon rasch in die Waagrechte und muss immer wieder nach oben korrigiert werden.
Bei der Ansitzjagd ist dieser Effekt kaum bis gar nicht zu bemerken. Im Gegenteil, das Zusatzgewicht reduziert den Rückstoß der Büchse noch einmal und fühlt sich an wie ein Schuss mit einer Schonzeitbüchse.

Fazit

Alles in allem ist die Büchse äußerst gut gelungen und liegt perfekt im Anschlag. Auch das Zielfernrohr liefert alles, was man als Jäger in beinahe allen Jagd­einsätzen – ausgenommen der Riegeljagd – braucht. Die Munition (wegen der außergewöhnlich guten Präzision) und der Schalldämpfer liefern zusätzlichen Komfort, was den Jägerinnen und Jägern in der jagdlichen Praxis einen Mehrwert bringt.
Deshalb lautet unsere Beurteilung: besonders empfehlenswert! Für eine Hightech-Karbonschaftbüchse mit Premiumzielfernrohr liegen die Komponenten auch in einem ausge­wogenen Preis-Leistungs-Verhältnis.