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Steyr Challenge: Von Jägern und Gejagten

28. Oktober 2023 -
Steyr Challenge 2023 - © Steyr Arms
© Steyr Arms

Anfang Oktober machte sich Steyr Arms wieder auf die Suche nach den härtesten Jägern der Alpen. Wir folgten diesem Ruf und kamen dabei ordentlich ins Schwitzen.

Schießen, Laufen, Abseilen – das hört sich eigentlich nicht so wild an. Wenn Steyr Arms die „härtesten Jäger der Alpen“ sucht, ist der Name allerdings Programm, und einfach ist es nicht, so viel ist ­sicher. Nur die Härtesten meldeten sich zur Steyr Challenge, die am 1. Oktober 2023 auf dem Truppenübungsplatz Seetaler Alpe zum vierten Mal über die Bühne ging. Seit dem ­ersten Startschuss im Jahr 2019 hat sich das Teilnehmerfeld allerdings ­völlig verändert: Die Teams sind stärker geworden, und ein „Looserteam“ sucht man vergeblich.

Entfernung

Es ist früher Morgen, als ich mich langsam über die gewundene Bergstraße dem TÜPL Seetaler Alpe nähere. Die Vorfreude ist groß, denn gleich darf ich mit der Steyr HS .50 M1 im Kaliber .50 BMG (12,7×99 mm) auf eine Ent­fernung von 1.000 Meter (!) schießen. Dafür hat Steyr Arms, wie bereits im Vorjahr, eine Sondergenehmigung erhalten, denn das HS .50 fällt in Öster­reich unter Kriegsmaterial.
Auf dem Speik-Plateau ange­kommen, weht mir ein kräftiger Wind um die Ohren. „Sehr schwierige Bedingungen“, ist einer der ersten Sätze, die ich aufschnappe, als ich mich dem Instruktor von Steyr Arms nähere. Zuerst erhalten wir eine Sicherheits­unterweisung sowie entsprechenden (doppelten) Gehörschutz. Als ich an der Reihe bin, wird mir eine aus­führliche Einweisung an dieser beeindruckenden Waffe zuteil. Ich blicke durchs Zielfernrohr auf die Zielscheibe, was auf diese Distanz nicht einfach ist, nehme das Scharfschützengewehr fest in Anschlag und krümme den Finger. – Ein ungewöhnlich lauter Knall, ­begleitet von einer gewaltigen Druckwelle, die sich auch fühlbar nach ­hinten ausbreitet, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Aber: Der Rückstoß ist durch die Mündungsbremse und das Liegendschießen gar nicht ­einmal so schlimm.

Streckenbesichtigung

Als meine Kollegen, die an der Challenge als „Team WEIDWERK“ teilnehmen, gegen Mittag ankommen, geht es mit den anderen Teilnehmergruppen nach einer kurzen Einweisung hinauf, um die Strecke zu besichtigen. Schnell wird klar, was am morgigen Tag, wenn die Challenge startet, auf sie wartet: Im zügigen Tempo geht es rund 1,3 km und 150 Höhenmeter bis zur ersten Station hinauf. Hier werden die Teilnehmer morgen die Bergung eines Gams simulieren. Diesen „Gams“ – ein Rucksack mit 25 kg für Männer und 15 kg für Frauen – gilt es, bis auf den Gipfel des Speik-Plateaus auf 2.000 m Seehöhe zu tragen. Dort trennen sich dann auch die Wege der Teammitglieder. Zwei Teilnehmer erwartet oben bereits die erste von vier Schießstationen. Der Schütze und sein Spotter (Assistent, der durchs Spektiv blickt und dem Schützen die Trefferlage mitteilt) versuchen, mit der Steyr HS .50 die Mannscheibe ­dreimal zu treffen. Das dritte Teammitglied muss sich etwas weiter rund 50 m über eine steile Felswand abseilen. Das vierte Teammitglied läuft weiter. Bei der nächsten Schießstation muss der zweite Schütze drei Schüsse mit dem Steyr Monobloc im Kal. .30-06 Spr. über den freien Bergstock abgeben. Weitere 1,6 km später gilt es, mit der Steyr Zephyr II im Kal. .22 lr. stehend frei dreimal die Biathlonscheiben auf eine Distanz von 50 m zu treffen. Ehe es ins Ziel geht, muss das letzte Teammitglied drei Schüsse, stehend auf­gelegt auf 200 m, mit dem Sturm­gewehr Steyr AUG auf die Scheiben bringen.
Jeder Fehlschuss – egal, bei welcher Station – muss kurz vor dem Ziel durch je eine Scheibe, welche von zwei Mann per Zugsäge von einem Baumstamm gesägt wird, kompensiert werden. Allerdings gibt es einen „Joker“ in Form von Bonusscheiben: Zwei Stück können pro Team in einem zusätz­lichen Berglauf ergattert werden.
Da wir gerade von Baumstämmen reden: Rund 600 m nach der dritten Schießstation wird ein Baumstamm aufgenommen, der bis ins Ziel zu tragen ist. Mit ihm müssen die Teams in einem Bach waten, eine steile ­Böschung überwinden, unter einem Tarnnetz hindurchrobben und zwei Eisenbahnwaggons durchqueren.
Im Anschluss an die Strecken­besichtigung bleibt etwas Zeit, sich zu entspannen. Besucher und Teilnehmer können auf dem Schießplatz die neuen Produkte von Steyr Arms testen, ehe es am Abend zur Vorstellung der Teams und Startnummern­vergabe, gekonnt moderiert von Rainer Pariasek, geht.

Steyr Challenge 2023 - © Steyr Arms
© Steyr Arms
Steyr Challenge 2023 - © Steyr Arms
© Steyr Arms
Steyr Challenge 2023 - © Steyr Arms
© Steyr Arms
Steyr Challenge 2023 - © Steyr Arms
© Steyr Arms

Neues am Rande

Wie bereits erwähnt, wird den Besuchern im Rahmen der Steyr Challenge einiges geboten. So konnte man auf dem Schießplatz auch neue Produkte aus dem Hause Steyr Arms, etwa die ­nagelneue, nur 2,4 kg schwere Steyr Gams, testen. Viele weitere ­Produkte aus dem Hause Steyr Arms, wie etwa das SSG M1, die DMR 762, die AUG Z, die Scout II, der ­Monobloc usw., konnten ebenfalls probegeschossen werden. Das musste man uns, wie so vielen anderen, nicht zweimal sagen.
Zum ersten Mal war die Challenge im Ziel­bereich bzw. auf dem Schießplatz mit einer Outdoor-Messe kombiniert. Vom Schießkino über Schalldämpfer und Zielfernrohre bis hin zum virtuellen Schießtrainer gab es einiges zu entdecken, und Waffenpflegeprodukte sowie Bekleidung und Ausrüstung für Schützen und Jäger rundeten das Angebot ab. Am Sonntag standen zudem ein Meet & Greet mit den „Hunter Brothers“ und ein Unter­haltungsangebot für die Kleinsten auf dem Programm.

Steyr Challenge 2023 - Wildökologe Peter Kittenberger hat mit dem Monobloc angestrichen über den Birschstock geschossen. - © Steyr Arms
Wildökologe Peter Kittenberger hat mit dem Monobloc angestrichen über den Birschstock geschossen. © Steyr Arms
Steyr Challenge 2023 - Artdirektor Jakob Wallner hat im Bewerb die HS .50 geschossen. - © Steyr Arms
Artdirektor Jakob Wallner hat im Bewerb die HS .50 geschossen. © Steyr Arms
Steyr Challenge 2023 - Im Ziel angekommen, wuchtet das WEIDWERK-Team den Baumstamm auf den Sägebock und beginnt zu sägen. - © Steyr Arms
Im Ziel angekommen, wuchtet das WEIDWERK-Team den Baumstamm auf den Sägebock und beginnt zu sägen. © Steyr Arms
Steyr Challenge 2023 - Die junge Dame aus dem Team „Wiener Blut“ wird als schnellste Läuferin bis zum Speik-­Plateau gekürt. Diese großartige Leistung wird mit einem Messer aus dem Hause Steyr Arms ­belohnt. - © Martin Grasberger
Die junge Dame aus dem Team „Wiener Blut“ wird als schnellste Läuferin bis zum Speik-­Plateau gekürt. Diese großartige Leistung wird mit einem Messer aus dem Hause Steyr Arms ­belohnt. © Martin Grasberger
Steyr Challenge 2023 - Das WEIDWERK-Team belegt trotz einer physisch starken Performance „nur“ Rang 18 und zählt damit zwar nicht zu den „härtesten Jägern der Alpen“, aber jedenfalls zu den „härtesten Jagdjournalisten“. - © Barbara Marko
Das WEIDWERK-Team belegt trotz einer physisch starken Performance „nur“ Rang 18 und zählt damit zwar nicht zu den „härtesten Jägern der Alpen“, aber jedenfalls zu den „härtesten Jagdjournalisten“. © Barbara Marko

Schweißtreibend

Am Morgen der Steyr Challenge können die Teams noch die letzten Probeschüsse abgeben, um für den Bewerb gewappnet zu sein. Noch sind alle Teilnehmer im Startareal hochmotiviert und scherzen. Aus allen Richtungen ertönt das Kampfgeschrei verschiedenster Teams, und Rainer Pariasek, der auch die Challenge moderiert, erklärt den Besuchern den Wettkampf und gewährt mit einigen Interviews Einblicke in das bevor­stehende Martyrium.
Pünktlich um 11.30 Uhr fällt der Startschuss. In vier „Slots“ und jeweils im Abstand von zehn Minuten starten insgesamt 23 Teams in die heraus­fordernde Strecke. Als ich die ersten Teilnehmer nach einer knappen Stunde wiedersehe, laufen sie, teilweise sogar allein, mit dem Baumstamm den Hang hinauf – Wahnsinn! Mit steigender Spannung warte ich auf das WEIDWERK-Team, um einige Blicke auf meine Kollegen zu erhaschen. Als Erste kommt unsere Redakteurin Edna Gober, die direkt im Anschluss stehend aufgelegt mit dem Sturmgewehr schießen wird. Die Mutter von zwei Kindern ­lächelt und wirkt nicht sonderlich ­abgekämpft. Wenig später kommt Wildökologe Peter Kittenberger – er hat mit dem Monobloc angestrichen über den Birschstock geschossen.
In der Hand hält er einen Beutel, in dem er die beiden aufgelesenen Bonusscheiben hat. Zum Schluss kommen Chefredakteur Martin Grasberger und Artdirektor Jakob Wallner bei mir vorbei. Letzterer hat im Bewerb die HS .50 geschossen, das Kleinkaliber war Chefsache. Gemeinsam manövrieren sie den sperrigen Baumstamm durch den Hindernisparcours.
Im Ziel angekommen, wuchten sie den Baumstamm auf den Sägebock und beginnen zu sägen. Insgesamt acht Fehlschüsse hat das Team dieses Jahr zu verbuchen. Bedenkt man, mit welchem Puls die Teilnehmer hier schießen müssen, wenig verwunderlich. Dank der Bonusscheiben müssen „nur“ sechs Baumscheiben abgesägt werden, und als die letzte Scheibe zu Boden fällt, reißt das Team den Baumstamm in die Höhe und hastet die letzten Meter ins Ziel. Geschafft – die Steyr ­Challenge ist abermals bezwungen. Mit strahlenden, aber abgekämpften Gesichtern ordnen die Teammitglieder ihre Knochen und haben nun erstmals Zeit durchzuschnaufen.

The Winner is …

Wir machen uns auf den Weg ins Zelt, wo in Kürze die Siegerehrung statt­findet. Auch diesmal gibt es für die ­ersten drei Teams wertvolle Preise. Bevor diese überreicht werden, übergibt die Initiative „Steyr Helps“ wie jedes Jahr eine Spende im Wert von € 1.000,–, diesmal an den privaten Tierpark Hagenbeck.
Außerdem werden zum ersten Mal der schnellste Läufer bzw. die schnellste Läuferin gekürt. In nur 21 Minuten schaffte es ein Mitglied des Einsatzkommandos Cobra bis zum Speik-­Plateau. Die junge Dame aus dem Team „Wiener Blut“ brauchte für die Strecke allerdings nur zehn Minuten länger. Diese großartige Leistung wird mit je einem Messer aus dem Hause Steyr Arms ­belohnt.
Direkt im Anschluss folgt die ­eigentliche Siegerehrung. Den dritten Platz belegen die „Erlauftaler Birnbambeidler“; sie erhalten neben einem Pokal eine Steyr-Arms-Armbanduhr. Auf Platz zwei landet das Team „Berggams-Kommando“; sie bekommen für ihre Leistung einen Steyr Monobloc überreicht. Auf Platz eins steht das Team EKO Cobra, das seinen Gewinn – eine brandneue Steyr Gams – einem im Ausland verunglückten Kollegen spendet.
Das WEIDWERK-Team belegt trotz einer physisch starken Performance „nur“ Rang 18 und zählt damit zwar nicht zu den „härtesten Jägern der Alpen“, aber jedenfalls zu den „härtesten Jagdjournalisten“. Eine neuer­liche Teilnahme im nächsten Jahr ist bereits fix!

Steyr Challenge 2023 - Den dritten Platz konnten die Erlauftaler Birnbambeidler für sich entscheiden. - © Martin Grasberger
Den dritten Platz konnten die Erlauftaler Birnbambeidler für sich entscheiden. © Martin Grasberger
Steyr Challenge 2023 - Die Mitglieder des Berggams-Kommandos konnten Platz zwei erringen. Sie nahmen einen Monobloc mit nach Hause. - © Martin Grasberger
Die Mitglieder des Berggams-Kommandos konnten Platz zwei erringen. Sie nahmen einen Monobloc mit nach Hause. © Martin Grasberger

Ergebnis im Detail

  1. Team EKO Cobra
  2. Berggams-Kommando
  3. Die Erlauftaler Birnbambeidler
  4. Path Of Hunt
  5. Enns Pongau
  6. Heidi Alm
  7. Die Karawankenbären
  8. Die Gebrüder
  9. The U’s
  10. Valhalla
  11. Ramingtal Silverbacks
  12. Lavantschuss
  13. Lowland Indians
  14. High Ready
  15. Dreiviertel Team
  16. Dynamite
  17. Kettner
  18. WEIDWERK
  19. Waffen Engel
  20. Wiener Blut
  21. Nordhessen
  22. Die Seitenstecher
  23. Steyr Arms (ausgeschieden)