Die Superspürnasen

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Die Nachsuchen haben sich im Vorjahr in NÖ vor allem auf Schwarzwild erhöht. Das Nachsuchgespann Gerhard Pausch und sein Hund Nils haben unter den Bereichshundeführern die meisten Wundfährten erfolgreich ausgearbeitet. 

Nils ist ein Deutsch Kurzhaar, acht Jahre alt – und derzeit noch in Reha. Bei einer Nachsuche im vergangenen Herbst wurde er von einem Rothirsch am Kniegelenk verletzt. Die Operation vor wenigen Wochen ist gut verlaufen, momentan muss sich der Hund noch etwas schonen. Doch bald darf er wieder Fährten aufnehmen. Gelenkschonende Trainingseinheiten im Revier rund um Hohenau an der March absolviert er bereits. Denn ein Grundsatz von Bereichshundeführer Gerhard Pausch aus Eichhorn bei Zistersdorf lautet: „Nur der Stümper hat ausgelernt, der Meister nie.“

Seit mittlerweile 15 Jahren ist Pausch als Nachsucher im Bezirk Gänserndorf unterwegs. Im Vorjahr hat er unter den Bereichshundeführern Niederösterreichs die meisten Nachsuchen durchgeführt – exakt 52. Doch an dieser Zahl lässt sich Pausch ungern messen und setzt die vielen Einsätze gerne mit seiner verfügbaren Zeit als Pensionist in Verbindung. Viel lieber erzählt Pausch emotionale Episoden aus seiner Tätigkeit als Bereichshundeführer für Nachsuchen: etwa als Nils seinem Vaterhund – ebenfalls ein Nachsuchhund – vor Jahren das Leben gerettet hat, als der sich bei einer Suche mit der Leine um einen Baum verfangen hatte – und anschließend hat Nils auch noch die angeschweißte Sau gefunden. „Das sind die Momente, die bleiben“, sagt Pausch sichtlich noch immer gerührt: „Diese Emotionen und die Gemeinschaft innerhalb der Jägerschaft begeistern mich.“

Statistik 2025

Für eine weidgerechte Jagd ist das Nachsuchen mit Hund unerlässlich. In Niederösterreich stehen dafür neben den Revierhunden, die  abhängig vom jährlichen Abschuss für jedes Revier gemeldet sein müssen, auch 48 Bereichshundeführer bereit – einer dieser Spezialisten, die bei Bedarf gerufen werden können, ist Gerhard Pausch. Auch wenn die technischen Hilfsmittel wie Zielfernrohre oder Nachtzielhilfen immer präziser bzw. erlaubt sind und dadurch besser getroffen wird, wie auch Pausch klar bestätigt, ist die Anzahl der von den Bereichshundeführern gemeldeten Nach- und Kontrollsuchen im Vorjahr in Niederösterreich um 30 Prozent gestiegen. Insgesamt 325 Mal sind die Bereichshundeführer ausgerückt, im Jahr davor waren es 250 Suchen. Neben den Kontrollsuchen wurden 290 Nachsuchen durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen. Im Vorjahr machten die Nachsuchen auf Schwarzwild mit 143 Einsätzen den größten Anteil aus – Tendenz stark steigend –, gefolgt von Suchaktionen auf Rehwild und Rotwild. 

Sofort Alarm schlagen

Vielerorts wird die Nachsuche nicht in der Nacht, sondern auf der „kalten Fährte“, also erst am nächsten Tag, empfohlen und durchgeführt. Pausch sieht das differenzierter und appelliert eine Nachsuche gleich zu melden: „Sofort anrufen, dann kann ich mich in der Nacht schon richten.“ Es gehe ja auch darum, das mögliche Tierleid zu verkürzen und das Wildbret verwenden zu können, sofern es kein Wildunfall im Straßenverkehr ist, zu denen Pausch und Nils auch regelmäßig gerufen werden. „Oft klingelt mein Telefon in der Nacht, dann steht Nils schon am Bett und weckt mich voller Vorfreude“, erzählt Pausch. 

Jede Nachsuche beginnt mit klassischer Detektivarbeit: Wer, was, wann, wo und wie? Welche Anzeichen gibt es am Anschuss? Gibt es Schweiß, Schnitthaar oder Hinweise auf die Fluchtrichtung? Erst wenn diese Fragen geklärt sind, entscheidet er über das weitere Vorgehen. Gegebenenfalls rückt das Nachsuchgespann sofort aus und schaut sich den Anschuss und den Schweiß vor Ort an. Findet er etwa Knochensplitter, die auf einen Laufschuss hindeuten, verschiebt er die Suche erfahrungsgemäß auf den nächsten Tag. Doch auch ohne sichtbaren Schweiß kann das Stück oft in unmittelbarer Nähe liegen – manchmal nur 50 oder 100 Meter entfernt. Die Erfahrung des Hundeführers und das feine Gespür des Hundes sind dann entscheidend. Besonders anspruchsvoll wird es, wenn mehrere Stücke etwa Wildschwei­ne gleichzeitig flüchten. „Dann muss der Hund genau das eine mit dem Treffer heraustipfeln“, erklärt Pausch.

Individuelle Grenzfälle

Nicht jede Nachsuche verläuft geradlinig. Pausch erinnert sich an einen Einsatz im Vorjahr in den Marchauen bei Drösing: Ein Hirsch mit Leberschuss wurde am nächsten Tag noch lebend gefunden.    Gerade im dichten Augebiet ist die Nachsuche schwierig. Wird ein Wundbett mit viel Schweiß gefunden, dann wird der Hund geschnallt – also von der Leine gelassen. Über GPS behält Pausch die Situation im Blick. Wenn der Hund Hetzlaut und Standlaut gibt, wenn er also das Stück stellt, ist die Situation klar, aber auch gefährlich, wie Nils‘ Verletzung zeigt. 

Wird das Stück verendet gefunden, so ist die Herausforderung, dass der Hund beim Totverbellen beim Stück bleibt, bis der Hundeführer kommt – in den Auen kann das dauern. Nicht jedes angeschweißte oder vom Straßenverkehr verletzte Stück kann gefunden werden. „Die Frage ist immer: Wie weit kann man gehen und wann muss man abbrechen?“ Gerade Rotwild kann trotz Verletzung noch weite Strecken zurücklegen. 

Erfahrung als Team

Sein guter Ruf führt Pausch auch über seinen Bezirk hinaus: So erzählt er von einer Nachsuche in Neulengbach, wo er einen guten Rehbock mit Hinterlaufschuss aufgespürt hat, als andere Hundeführer bereits aufgegeben haben. „Bei etwa der Hälfte meiner Einsätze komme ich als Zweiter, also es wurde vorher schon einmal nachgesucht.“

Wenn es eindeutige Schusszeichen wie Schnitthaar, Schweiß oder Ausrisse gibt, aber das Stück nicht gefunden wird, braucht es eben viel Erfahrung. „Angeschweißtes Wild wählt oft nicht den logischsten oder bequemsten Weg“, weiß Pausch und berichtet von Stücken, die nur 30 Meter vom Anschuss – allerdings bergauf – im Wundbett gefunden wurden. „Es ist die Zusammenarbeit mit dem Hund und ein Gefühl – mit ein wenig Glück“, beschreibt Pausch sein Erfolgsrezept. 

Laufende Weiterbildung

Die Ausbildung eines Nachsuchhundes beginnt bereits im Welpenalter. Nach eineinhalb bis zwei Jahren ist der Hund gefestigt und zuverlässig einsetzbar. Und mit jeder Suche wird er besser. Trainiert wird unter anderem mit dem Fährtenschuh, mit dem Schalenwild simuliert wird. Nils ist zudem ein zertifizierter Suchhund für die Afrikanische Schweinepest (ASP). Besonders motiviert arbeitet Nils jedoch bei der lebenden Fährte – etwa bei der Verfolgung von Rotwild. „Standlaut macht ihm mehr Spaß als das Totverbellen“, sagt Pausch.

Keine Belehrungen

Die Frage nach dem Warum stellt Pausch bewusst nie: „Schützen haben oft eine andere Wahrnehmung.“ Etwa, wenn behauptet wird, das Tier am Blatt getroffen zu haben, aber der gefundene Rehbock einen anderen Schuss aufweist. Schlechte Schüsse oder falsches Ansprechen kommen ab und zu vor, aber Pausch reagiert nie belehrend: „Ich spiele keinen Prediger, sonst wird man nicht mehr zur Nachsuche geholt und darunter leidet letztendlich das Tier.“  

Für jede erfolgreiche Nachsuche bekommt der Bereichshundeführer eine finanzielle Entschädigung von 30 Euro vom NÖ Jagdverband. Darüber hinaus zahlt der NÖ Jagdverband jedem Bereichshundeführer die Jagdhundeunfallversicherung zur Gänze. Gerhard Pausch geht es jedoch nicht ums Geld, sondern um die entstandenen Freundschaften: „Die Emotionen, wenn der Schütze weint, weil wir sein Stück gefunden haben, das ist der größte Lohn.“

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