Gut im Schuss

Sichere Handhabung und präzise Schussabgabe erfordern regelmäßiges Üben. Dabei werden gerade die Guten immer besser.
Schießübung

Durch die Nase ein- und den Mund ausatmen, dann den Schuss langsam kommen lassen. Die jagdliche Kugel auf 100 Meter ist eine Standardsituation beim Übungsschießen. Drei Schüsse sitzend, zwei stehend angestrichen: Das erfordert eine ruhige Atmung, sichere Hand und Fokussierung. Am Schießplatz Melk herrscht auf den sechs 100-Meter-Bahnen gerade Hochbetrieb: Ein sonniger Freitag Nachmittag bietet ideale Bedingungen für ein gemeinsames Übungsschießen von zwei Hegeringen. 

„Sicherheit ist kein Zustand, es ist ein Verhalten. Der sichere Umgang mit der Jagdwaffe braucht Übung“, betont Bernhard Glöckl, Jagdpächter, Schießtrainer, Waffenhändler und Vorsitzender des Fachausschusses Schießwesen im NÖ Jagdverband. Seit 2007 wird deshalb in Niederösterreich das Übungsschießen auf der Jagdkarte oder in der Jagdverbands-App vermerkt und ist für maximal drei Jahre gültig. Das Reglement für das regelmäßige Übungsschießen: 5 Schuss auf den Rehbock bzw. 10 Wurfscheiben. Die Mindestanforderung ist, wie bei der Jungjägerprüfung, drei Treffer im 8er und drei Wurfscheiben. 

Im Vorjahr hat ein Drittel der Jagdkartenbesitzer, exakt 33,8 Prozent, das freiwillige Übungsschießen des Jagdverbandes absolviert. Damit gibt es eine leichte Erholung seit dem Einbruch zu Coronazeiten, aber „wünschenswert wären natürlich viel mehr“. Vor Corona waren es noch 37 Prozent. Hinzu kommen natürlich die Übungsschießen, die nicht im Rahmen der Aktion „regelmäßiges Übungsschießen“ des Jagdverbandes absolviert werden.

Höhere Quoten im Visier

Von den Hegeringleitern haben rund 90 Prozent zumindest ein gültiges Übungsschießen des Jagdverbandes – also Büchse oder Flinte; bei den Jagdausübungsberechtigten sind es bei Weitem weniger. Glöckl appelliert, Hegeringleiter, Jagdleiter und Jagdausübungsberechtigte stärker in die Verantwortung zu nehmen und in ihrer Vorbildwirkung zum Übungsschießen zu verpflichten: „Das wäre der Hebel, um höhere Quoten zu bekommen. Jäger kann man über den Hegering besser motivieren.“ Von einem verpflichtenden Übungsschießen für alle Jäger hält der Experte wiederum wenig, insbesondere wenn nur die Ansitzjagd ausgeübt wird – denn der freiwillige Probeschuss auf die Scheibe gehört ohnehin zur weidgerechten Selbstverständlichkeit. „Wenn man aber an einer Gesellschaftsjagd teilnimmt, egal ob Treib- oder Riegeljagd, sollte man nur mitgehen dürfen, wenn das Übungsschießen abgeleistet wurde.“ 

Bernhard Glöckl erstellt auch Gutachten bei Jagdunfällen und berichtet, dass jedem Angeklagten, der ein regelmäßiges Übungsschießen nachweisen konnte, dieses auch vor Gericht positiv angerechnet wurde. 

Vertrauensvorschuss rechtfertigen

Neben der Motivation und Eigenverantwortung spielt also auch die rechtliche Entwicklung eine Rolle. Dass die Jägerschaft im neu verschärften Waffengesetz weitgehend ausgeklammert wurden, sei ein Vertrauensvorschuss. „Gerade mit dem neuen Waffengesetz ist die Übung ein Riesenthema“, analysiert Glöckl. Die allgemeine Empfehlung ist deshalb, einmal im Quartal einen Schießstand aufzusuchen. „Es ist nicht nur für sich selber, sondern für die ganze Jägerschaft wertvoll.“

Auch technisch hat sich die Jagd verändert: Durch Schalldämpfer und Nachtsichtzielhilfen sei vieles heikler und die Handhabung komplexer geworden. Insbesondere Jungjäger sollten regelmäßig üben, aber selbst mit mehr als 30 Jahren Erfahrung und jagdlicher Routine wisse man noch lange nicht alles. „Und wir werden stets daran gemessen, wie wir unser Wild erlegen“, verdeutlicht Glöckl auch die Imagebildung bei der nichtjagenden Bevölkerung. 

Beim Lokalaugenschein am Schießplatz Melk sind alle Jäger fokussiert und motiviert. Die hohe Trefferquote zeigt sich vor allem beim Flintentraining. Beim Compakt Sporting, also einem Parcours, der der jagdlichen Realität sehr nahe kommt, verfehlt eine Jägerin nur eine von 25 Wurfscheiben. Fünf Jahre Training seien für diese Schusspräzision in der Bewegung notwendig gewesen, erzählt Jenny. Aber auch das „jagdliche Trap“, wo Zielscheiben aus fünf Wurfmaschinen im Graben losstarten, sind für geübte Schützen aller Altersklassen augenscheinlich kein Problem. „Es sind ja fast immer die Gleichen, die zum Üben kommen. Die guten Schützen werden somit immer besser“, erklärt Glöckl. 

Abzeichen als Anerkennung

Präzision und Sicherheit sind ein wichtiger Teil des Handwerks Jagd und der Weidgerechtigkeit. Um Jäger zum Übungsschießen zu motivieren, werden gerne Wettbewerbe mit wertvollen Preisen veranstaltet. „Das gegenseitige Beobachten empfinden viele allerdings als unangenehm und gehen erst gar nicht hin“, weiß Glöckl. 

Stärkerer Anreiz sind für viele allerdings die Leistungsabzeichen „Laufender Keiler“ oder das „Jagdschützenabzeichen“ – das höchstrangige Abzeichen – in Bonze, Silber und Gold, die vom NÖ Jagdverband gestiftet werden. Darüber hinaus gibt es eine „Goldene Jahresbestnadel für Jagdschützen“, die mindestens 175 Punkte erreichen. Das Jagdschützenabzeichen kann in Melk jeden ersten Freitag im Monat geschossen werden. Wenn man den Nachweis der Schießfertigkeit bis September erbringt, gibt es als Anerkennung das Abzeichen mit Jahreszahl, für etliche Jäger ein begehrtes Sammelobjekt, so auch für Bernhard Glöckl. 

Niederschwelliger Zugang

Die Angebote zum Übungsschießen des NÖ Jagdverbandes sind niederschwellig: Einfach zu einer Schießstätte hinfahren und dort können vom Bezirksjägermeister ernannte Personen das regelmäßige Übungsschießen abnehmen. Beim Schießplatz in Melk ist fast jeder ehrenamtliche Betreuer befähigt, das Übungsschießen abzunehmen. Die Profis stehen den Jägern dabei auch mit Rat und Tat zur Seite. 

In fast jedem Bezirk in NÖ gibt es zusätzlich einen Bezirksschießtag, bei dem der NÖ Jagdverband die komplette Nenngebühr für die Bezirksmeisterschaften übernimmt, damit ist das Übungsschießen – sofern getroffen wurde – für die Teilnehmer gratis. „Viel mehr Angebot kann man nicht machen“, findet Glöckl. 

In NÖ gibt es insgesamt 18 Schießstätten, die unterschiedlich ausgestattet sind (siehe Karte). In den vergangenen Jahren sind viele in Siedlungsnähe zugesperrt worden, da die Auflagen wesentlich höher sind als früher. Im Raum steht derzeit auch ein Bleischrotverbot auf Schießplätzen durch die Umsetzung des REACH-Projekts der EU. „Falls das wirklich kommt und auch Blei dekontaminiert werden muss, werden das nicht alle Vereine stemmen können“, prognostiziert der Experte. 

Übungsschießen im Revier

Alle, die sich am Schießstand zu beobachtet fühlen, haben die Möglichkeit, das Übungsschießen auch im Revier abzuleisten. „Das wird besser angenommen als am Schießstand, allerdings müssen viele Voraussetzungen beachtet werden“, so Glöckl. Lärmschutz, Absicherung der 100-Meter-Schussbahn, richtige Wurfscheiben und es muss eine vom Bezirksjägermeister nominierte Person dabei sein, die das Übungsschießen abnimmt. Darüber hinaus dürfen nur Jäger mit einer gültigen Jagdkarte teilnehmen und keine Preise ausgelobt werden. „Viele Hegeringe machen das Übungsschießen im Revier einmal im Jahr, zu Beginn der Jagdsaison zum Gewehreinschießen, dabei wird das Übungsschießen gleich mit abgenommen.“ 

Üben mit der Pistole

Da nur vergleichsweise wenige Jäger eine Faustfeuerwaffe besitzen, ist auch der Anteil derjenigen mit Übungsschießen-Faustfeuerwaffe sehr gering (nur 2,5 Prozent der gesamte Jagdkartenbesitzer). Auch wenn im jagdlichen Alltag eine Pistole selten benutzt wird – nur bei der Nachsuche – gibt es doch immer wieder Situationen. Dann braucht es Übung und Sicherheit. Das Pistolentraining in Melk begleitet Karl Enigl und der pensionierte Polizist weiß: „Große Kaliber ersetzen nicht das Üben. Es nutzt nix, wenn man heftig daneben schießt.“ 

Sichere Jagdpraxis

Das regelmäßige Übungsschießen wird heuer im Jahresschwerpunkt „Sichere Jagdpraxis“ des NÖ Jagdverbandes eine große Rolle spielen. Und die Vergangenheit zeigt, dass die Zahlen 2025 durchaus ausbaufähig sind. Vor Corona hatten 35,8 Prozent ein gültiges Übungsschießen des NÖ Jagdverbandes mit der Büchse, im Vorjahr waren es 32,7 Prozent. Und auch die Anteile mit der Flinte lagen 2019 noch bei 30,4 Prozent und sind jetzt bei 27,5 Prozent. „In Gebieten ohne Niederwild ist ein Flintentraining auch nicht zwingend notwendig, wünschenswert wäre trotzdem beides“, so Glöckl abschließend.

Weitere Informationen finden Sie unter: Niederschwelliger Zugang

Die Angebote zum Übungsschießen des NÖ Jagdverbandes sind niederschwellig: Einfach zu einer Schießstätte hinfahren und dort können vom Bezirksjägermeister ernannte Personen das regelmäßige Übungsschießen abnehmen. Beim Schießplatz in Melk ist fast jeder ehrenamtliche Betreuer befähigt, das Übungsschießen abzunehmen. Die Profis stehen den Jägern dabei auch mit Rat und Tat zur Seite. 

In fast jedem Bezirk in NÖ gibt es zusätzlich einen Bezirksschießtag, bei dem der NÖ Jagdverband die komplette Nenngebühr für die Bezirksmeisterschaften übernimmt, damit ist das Übungsschießen – sofern getroffen wurde – für die Teilnehmer gratis. „Viel mehr Angebot kann man nicht machen“, findet Glöckl. 

In NÖ gibt es insgesamt 18 Schießstätten, die unterschiedlich ausgestattet sind (siehe Karte). In den vergangenen Jahren sind viele in Siedlungsnähe zugesperrt worden, da die Auflagen wesentlich höher sind als früher. Im Raum steht derzeit auch ein Bleischrotverbot auf Schießplätzen durch die Umsetzung des REACH-Projekts der EU. „Falls das wirklich kommt und auch Blei dekontaminiert werden muss, werden das nicht alle Vereine stemmen können“, prognostiziert der Experte. 

Übungsschießen im Revier

Alle, die sich am Schießstand zu beobachtet fühlen, haben die Möglichkeit, das Übungsschießen auch im Revier abzuleisten. „Das wird besser angenommen als am Schießstand, allerdings müssen viele Voraussetzungen beachtet werden“, so Glöckl. Lärmschutz, Absicherung der 100-Meter-Schussbahn, richtige Wurfscheiben und es muss eine vom Bezirksjägermeister nominierte Person dabei sein, die das Übungsschießen abnimmt. Darüber hinaus dürfen nur Jäger mit einer gültigen Jagdkarte teilnehmen und keine Preise ausgelobt werden. „Viele Hegeringe machen das Übungsschießen im Revier einmal im Jahr, zu Beginn der Jagdsaison zum Gewehreinschießen, dabei wird das Übungsschießen gleich mit abgenommen.“ 

Bernhard Glöckl

Üben mit der Pistole

Da nur vergleichsweise wenige Jäger eine Faustfeuerwaffe besitzen, ist auch der Anteil derjenigen mit Übungsschießen-Faustfeuerwaffe sehr gering (nur 2,5 Prozent der gesamte Jagdkartenbesitzer). Auch wenn im jagdlichen Alltag eine Pistole selten benutzt wird – nur bei der Nachsuche – gibt es doch immer wieder Situationen. Dann braucht es Übung und Sicherheit. Das Pistolentraining in Melk begleitet Karl Enigl und der pensionierte Polizist weiß: „Große Kaliber ersetzen nicht das Üben. Es nutzt nix, wenn man heftig daneben schießt.“ 

Sichere Jagdpraxis

Das regelmäßige Übungsschießen wird heuer im Jahresschwerpunkt „Sichere Jagdpraxis“ des NÖ Jagdverbandes eine große Rolle spielen. Und die Vergangenheit zeigt, dass die Zahlen 2025 durchaus ausbaufähig sind. Vor Corona hatten 35,8 Prozent ein gültiges Übungsschießen des NÖ Jagdverbandes mit der Büchse, im Vorjahr waren es 32,7 Prozent. Und auch die Anteile mit der Flinte lagen 2019 noch bei 30,4 Prozent und sind jetzt bei 27,5 Prozent. „In Gebieten ohne Niederwild ist ein Flintentraining auch nicht zwingend notwendig, wünschenswert wäre trotzdem beides“, so Glöckl abschließend.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Niederösterreichischen Jagdverbands unter: https://www.noejagdverband.at/jagd-in-niederoesterreich/schiesswesen/#uebungsschiessen

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Im Bild: Hubert Hehenberger, Gerhard Frühwirt, Klaus Nagelhofer, „Gründer“ Josef Lampersberger, Johann Walch und Johann Meninger.

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Wildbret direkt vom Jäger wird immer stärker nachgefragt

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