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NÖ Jagdverband: Dem Niederwild verpflichtet!

6. März 2024 -
Feldhase - © Sven-Erik Arndt
© Sven-Erik Arndt

Welche Aufgabenbereiche der Fachausschuss Niederwild umfasst und was bereits umgesetzt worden ist, fasst dieser Beitrag zusammen.

Nahezu die Hälfte Nieder­österreichs ist als Niederwildlebensraum zu bezeichnen. Das sind die Regionen mit einer Seehöhe bis ca. 600 m, wo neben (Au-)Wald und Strauchinseln über­wiegend Ackerbau mit Grünland­wirtschaft stattfindet. Die klassischen Regionen sind das Weinviertel mit dem Marchfeld, das Tullnerfeld, das östliche Industrieviertel mit dem Wiener Becken, das östliche Waldviertel und das Alpenvorland entlang der Donau bis in den Enns-Donauwinkel.
Für die niederösterreichischen Jäge­rinnen und Jäger führt das Niederwild vor dem Rehwild zahlenmäßig in der Abschussstatistik (Feldhase, Fasan, Reb­huhn, Wildenten) und hat durch das gewonnene, vor Ort vermarktete Wildbret einen erheblichen lokalen Einfluss auf die Sichtweise der Bevölkerung auf die Jagd. Die Niederwildjagden sind mehrheitlich Genossenschafts­jagden und unterliegen im Besonderen einem demo­kratischen Prozess der Ausübung des Jagdrechts über Jagdausschuss und Jagdgesellschaften. Die Jagden werden in Form einer Gesellschaftsjagd überwiegend von ortsansässigen Jägern und Jagdgehilfen durchgeführt. Dies bedingt eine enge Verzahnung mit der nicht jagenden Bevölkerung.
Dem NÖ Jagdverband ist diese ­Bedeutung des Niederwildes für viele Jäger, aber auch für Tradition, Brauchtum und nachhaltige Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung bewusst. Der eingerichtete Fachausschuss für Niederwild dient dem frühzeitigen Erkennen von sich ändernden Rahmenbedingungen rund um das Niederwild und dem Gewinnen von Erkenntnissen, wovon dann Maßnahmen vom Jagdverband im Rahmen seiner Möglichkeiten abgeleitet und umgesetzt werden.
Der Niederwildausschuss setzt sich aus 12 Mitgliedern, verteilt über die Niederwildregionen Niederösterreichs, zusammen. Sie üben eine leitende Funktion in Revieren aus bzw. gehören zu Meinungsbildnern und sind exzellente und vorbildliche Jagdpraktiker. Sie verfügen über ein ausgeprägtes Netzwerk in der Region und können jederzeit ­repräsentativ über jagdfachliche Vorkommnisse ihrer Region (Bezirk) zum Thema Niederwild berichten. Der Nieder­wildausschuss tagt zwei- bis dreimal pro Jahr und erörtert dabei die Entwicklung der Besätze, evaluiert die veränderten Rahmenbedingungen, vor allem in Bezug auf Lebensraum, Agrarpolitik sowie Prädatoren und schlägt dem Vorstand des Jagdverbandes Maßnahmen vor bzw. gibt Stellungnahmen zu aktuellen Fragestellungen ab.
Einen wertvollen Pfeiler für den Ausschuss stellen die Niederwild­versuchs­reviere des Jagdverbandes dar. 12 dieser Reviere sind ebenfalls über Niederösterreich verteilt, seit Jahrzehnten mit relevanten Aufzeichnungen (etwa Hasenzählungen, Kulturartenverteilung, Beutegreifer, Jagdmanagement und ­vieles mehr) befasst und stehen für wissenschaftliche Versuche zum Gewinnen neuer Erkenntnisse zur Verfügung. Sie erlauben, Erkenntnisse auf Basis eines fundierten Zahlen- und Datenmaterials zu gewinnen und belastbare Aussagen zu treffen. Ausgewählte Versuchsreviere haben darüber hinaus den besonderen Auftrag, ihre sinnvollen Erkenntnisse auch anderen Revieren vorzustellen und im Zuge von Exkursionen allen interes­sierten Jägern mitzuteilen, um so einen Multiplikatoreffekt in die breite Praxis zu erzeugen.
Die Niederwildjagd stellt in Niederösterreich einen Kern des jagdlichen Geschehens dar und ist für viele Jäger die einzige Möglichkeit, eine faszinierende Jagd in verantwortungsvoller Art und traditioneller Weise auszuüben. Die nachhaltige Erhaltung dieser ist dem Niederwildausschuss als Instrument des Jagdverbandes eine Verpflichtung.

Bei Interesse an einer Exkursion in ein Niederwild-Versuchsrevier wenden Sie sich bitte per E-Mail an jagd@noejagdverband.at unter ­Bekanntgabe des Herkunftsbezirkes
und der geplanten Teilnehmerzahl.