Aufgrund ihrer hohen Intelligenz sind Krähen nicht einfach zu bejagen. Sie haben ein hervorragendes Gedächtnis und verbinden ein Lockbild schnell mit der Jagd, wenn der Jäger nach dem Schuss den Tarnschirm verlässt, um seine Beute einzusammeln. Da Krähen sehr schlau sind, lernen sie blitzschnell aus den Fehlern des Weidmanns. Ganz anders verhält es sich, sobald ein Hund mit im Spiel ist. Von ihm lassen sich Krähen interessanterweise deutlich weniger beeindrucken als von uns Menschen. Manchmal werden im Lockbild arbeitende Hunde sogar völlig von den Rabenvögeln ignoriert oder machen sie erst richtig neugierig. Zudem hat der Vierläufer den Vorteil, dass er wesentlich schneller als der Schütze geschossene Krähen holt und Geflügelte abtut.
Welcher Hund?
Geeignet für die Krähenjagd ist grundsätzlich jeder sauber apportierende Jagdhund, der zudem über genügend Wildschärfe verfügt. Zu weiche Vierbeiner lassen sich schnell von kranken Rabenvögeln einschüchtern, denn diese können mit ihrem kräftigen Schnabel und den Ständern den Hund schmerzhaft im Gesicht und vor allem am Nasenschwamm attackieren. Liegt daher nicht eine grundlegende, gesunde Wildschärfe vor, zeigt der Hund nach solchen Erfahrungen rasch Meideverhalten gegenüber Krähen. Schärfere Hunde hingegen, die oft zur Krähenjagd eingesetzt werden, entwickeln bald ein härteres Maul, um eventuellen Angriffen möglichst zu entgehen. Mit entsprechender Erfahrung können sie aber durchaus zwischen verschiedenen Federwildarten unterscheiden und zeigen beispielsweise bei Taube, Rebhuhn oder Ente trotzdem ein weiches Maul. Ist dies nicht der Fall, muss natürlich noch einmal mit Training gegengesteuert werden.
Bis der Hund wirklich zuverlässig zur Krähenjagd eingesetzt werden kann, bedarf es einer entsprechenden Einarbeitung, die idealerweise schon im Welpenalter beginnt. Hier geht es zunächst primär um die Gewöhnung an die meist nicht wirklich beliebte Witterung der Rabenvögel und an das Aufnehmen und Tragen einer Krähe. Beides gelingt gut mit Hilfe der Reizangel, denn der Kleine zeigt sich in diesem Alter noch recht unbefangen. Rasch überwiegt das spielerische Beutefangverhalten, das eine eventuelle Abneigung schnell vergessen und den Jungspund beherzt zupacken lässt.
Ein solides Apportiertraining von Grund auf ist unerlässlich, schließlich muss der Hund für die Krähenjagd perfekt in Apport und Gehorsam stehen. Gerade bei einer geflügelten Krähe ist ein kompromissloses Zugreifen nötig. Ein anfängliches Bewinden des Vogels wäre kontraproduktiv.
Standruhe ist Pflicht
Auch das Vertrautmachen des Hundes mit dem Lockbild und dem Krähenlocker ist wichtig. Bei der Jagd selbst sollte man den Krähenlocker allerdings nur sparsam verwenden, damit die Szenerie für die Krähen nicht unglaubwürdig wirkt. Ebenfalls bedarf es vor dem ersten Jagdeinsatz einiger Übung, damit sich der Hund im Tarnschirm wie gewünscht verhält. Standruhe ist dabei das A und O. Ein selbständiges Durchstarten beim Anblick anstreichender Krähen ist natürlich ein absolutes No-Go. Deshalb sichert man anfangs den auf einer Decke im Tarnschirm abgelegten Hund mit einer kurzen Leine. Die Decke im Stand sorgt zum einen dafür, dass sich der Vierläufer bei nasskalter Witterung auf dem Boden liegend nicht verkühlt. Und zum anderen markiert sie dem Hund genau seinen Platz, auf dem er zu liegen hat, bis er zum Apport geschickt wird. Schussruhe ist natürlich ebenfalls Pflicht. Ein Einspringen bei Schussabgabe darf keinesfalls toleriert werden. Gerade bei den beengten Verhältnissen im Schirm kann es hier schnell zu gefährlichen Situationen kommen!
Neben der Standruhe im Tarnzelt muss auch das Ein- und Aussteigen unter der Tarngardine gelernt werden. Hierfür ist eine zweite Person hilfreich, die außerhalb des Tarnschirms einen Dummy wirft. Der Hund wird zum Apport geschickt. Er soll das Dummy sofort zurück in den Schirm bringen und sich gleich wieder ablegen. Apportiert er sauber, folgt anfangs zur Belohnung ein Leckerli. Dadurch versteht der Hund rasch, dass er möglichst schnell mit seiner „Beute“ ins Tarnzelt zurückkommen soll.
Training am Lockbild
Weitere Übung ist notwendig, wenn neben dem freundlichen Lockbild auch das feindliche zum Einsatz kommt, denn hier soll der Vierläufer nur die kranken Krähen apportieren. Die bereits Erlegten bleiben liegen, damit anfliegende Krähen meinen, der Lockvogel (z. B. Uhu) hätte sie getötet.
Grundsätzlich muss der Hund im Lockbild sehr vorsichtig agieren, damit er möglichst keine Vögel umwirft. Ansonsten gilt es, umgefallene Attrappen schnell wieder aufzurichten, damit das Bild nicht unglaubwürdig wird und so den Jagderfolg gefährdet. Die einzelnen Lockvögel sollten deshalb nicht zu eng zusammenstehen. Das Training beginnt mit dem Apport aus dem Bild mit nur wenigen Vögeln und wird mit jeder Übungseinheit größer.
Gerade zu Beginn der Jagdzeit wirken große Ansammlungen mit mindestens 25 Vögeln vor allem auf die Jungkrähen besonders anziehend. Später reichen auch kleinere Lockbilder aus. Erfahrene Altkrähen können gut mit Krähenmagneten (Krähenkarussell) getäuscht werden, daran muss man den Hund ebenfalls gewöhnen. Die spontanen Bewegungen der Kunstvögel dürfen ihn bei seiner Arbeit nicht verunsichern.
Der Jagdhund sollte außerdem gut in die Verlorensuche eingearbeitet sein, in die er sich idealerweise per Handzeichen einweisen lässt. Fallen die Krähen etwas weiter entfernt in dichten Bewuchs, ist das ein großer Vorteil, damit nicht der Jäger seinen Stand verlassen muss. Werden mehrere Krähen kurz hintereinander geschossen, merken sich erfahrene Hunde auch deren Fallstellen und laufen diese auf Kommando hin sofort an, ohne intensiv danach suchen zu müssen.
Die perfekte Tarnung
Was die optimalen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Krähenjagd angeht, ist Tarnung alles, denn Vögel sehen Farben deutlich besser als wir Menschen. Verantwortlich hierfür sind vier verschiedene Rezeptoren in der Netzhaut, die sogenannten Zapfen. Während Hunde nur zwei dieser Zapfen besitzen, verfügen Menschen immerhin über drei. Egal, ob Fertigfabrikat oder Marke Eigenbau, wichtig ist also, dass Tarnschirm als auch Schütze farblich möglichst gut mit der Umgebung verschmelzen. Trotz Tarnfarben sollte der Schirm nie frei mitten auf einem Feld stehen, Krähen nehmen jede Bewegung des Jägers sofort wahrnehmen.
Optimale Standorte sind Maisfelder oder niedrige Hecken. In Gegenden ohne natürliche Deckung ist Kreativität gefragt. Größere Reisighaufen oder Strohballen können beispielsweise helfen, sofern Tarnschirm und Schütze ihnen dann wieder farblich angeglichen werden.
Auch die Anflugrichtung sollte beachtet werden: Morgens streichen die Krähen beispielsweise immer von ihren Nacht- zu ihren Futterplätzen. Diese auszukundschaften ist der erste Schritt zum Erfolg.
Am Jäger selbst sollte möglichst wenig bis gar keine Haut zu sehen sein, denn sogar die nehmen Krähen als „auffällig“ wahr. Dafür bieten sich Tarnanzüge an, die über der normalen Kleidung getragen werden und auch den Kopf bedecken. Passende Handschuhe sind ebenfalls erhältlich. Der Fachhandel hält generell eine große Palette an Tarnkleidung parat. Flinten gibt es natürlich auch in Camouflage-Optik. Am bedeutendsten ist jedoch, dass nichts an der Büchse glänzt, denn das würde den Rabenvögeln erneut sofort ins Auge stechen. Um trotzdem alles bestens im Blick zu haben, darf am Schirm ein halbtransparentes Tarnnetz nicht fehlen. Auch der Hund soll die Szenerie dahinter genau beobachten können.
Wichtiger Spalt
Damit der Hund auf Befehl aus dem Schirm rasch durchstarten kann, der ganze Aufbau aber nicht mitgerissen wird, muss zwischen Tarngardine und Boden je nach Größe ein etwa 20 bis 30 cm breiter Spalt gelassen werden. In der Regel lernen die Hunde schon nach kurzer Zeit, diese Lücke im Vorhang zu nutzen. Die Tarnwirkung ist dadurch nicht beeinträchtigt, da die Krähen eher von oben anfliegen und diesen Spalt nicht wirklich wahrnehmen.
Für Hunde mit hellem Fell gibt es im Fachhandel spezielle Neoprenwesten zur Tarnung. Im Winter halten diese Westen auch noch warm, aber Vorsicht im Sommer, denn dann staut sich die Hitze darunter. An warmen Tagen wäre es besser, den Körper des Vierläufers im Tarnschirm nur mit einem blickdichten Tarnnetz zu bedecken.
Die beste Tageszeit für die Krähenjagd ist der frühe Morgen. Die Aussichten auf Jagderfolge sind also am größten, wenn man schon vor Sonnenaufgang gemeinsam mit dem Hund ansitzt.









