Reportage

Trachtige Treter

August 31, 2021 -
dirndl + bua

Was geschieht, wenn Tradition auf Moderne trifft? Es entstehen wunderbar trachtige Kreationen, die man sowohl am Jägerball als auch ganz leger zur Jeans tragen kann. – Zu Besuch bei dirndl + bua in Sankt Georgen im Attergau.

Moderne, lässige Trachten, die dennoch mit gängigen Traditionen kombinierbar sind? Das ist dirndl + bua! Das Label, das es mittlerweile seit 26 Jahren gibt, wurde von Thomas Huber gegründet. Er ist auch der kreative Mastermind hinter dirndl + bua. Wir haben ihn in St. Georgen im Attergau besucht und einen ­exklusiven Blick hinter die Kulissen
der Marke dirndl + bua geworfen. In St. Georgen sitzt die kreative Zentrale der shucube GmbH, hinter der sich gleich drei verschiedene Marken verbergen. Neben der traditionellen Schuhlinie dirndl + bua, welche ausschließlich natürliche Materialien, wie Antik-Bock­leder, Ziegennappa, Ziegenvelours, ­echtes Lammfell, Loden und Filz, verwendet, finden sich auch Holzschuhe mit biegsamer Sohle sowie eine Comfortschuhlinie (Sneakers usw.). In der Zentrale in St. Georgen im Attergau angekommen, erwartet uns bereits Stefanie Springenschmid, zuständig für das Marketing, sowie Inhaber und Schuhdesigner Thomas Huber. Gemeinsam mit ihnen werfen wir einen Blick auf die neue Kollektion und erfahren, wie viele Arbeitsschritte bis zum fertigen Schuh notwendig sind.

Am Anfang steht die Idee

Am Anfang einer jeden Kollektion steht die Idee, und dafür lebt Inhaber Thomas Huber. „Dass eine Festtagstracht erst durch einen besonders schönen Schuh vervollständigt wird, ist klar. Aber nicht nur das: Wir möchten Trachtenschuhe mit einem Statement kreieren und sie alltagstauglich machen. Mit viel Freude an der Tracht und einem Augenzwinkern entwerfen wir jede Saison auch ein paar außer­gewöhnliche Modelle. Es ist spürbar, dass die Kunden bewusster konsumieren und dass Produkte, die langlebig und zeitlos schön sind, aber auch aus qualitativ hochwertigen Materialien bestehen, eine steigende Nachfrage haben“, erklärt uns Huber.
Bereits in jungen Jahren hat der Designer in St. Georgen seine Lehre begonnen. „Hier gab es früher die Schuhfabrik ,Oswald‘, wo ich meine Lehre begonnen habe. Leider hat die Firma drei Jahre, nachdem ich dort angefangen habe, Konkurs angemeldet“, erzählt er. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen machte sich Thomas Huber im Anschluss auf ins deutsche Rosenheim, wo er einige Zeit für die Firma Gabor tätig war. „Kurze Zeit später habe ich mich selbstständig gemacht. Zuerst war ich im Design­bereich tätig; in dieser Zeit war ich sehr viel in Italien und konnte gute Kontakte in der Schuhbranche knüpfen. In dieser Zeit entstand auch dirndl + bua“, erinnert sich der Chefdesigner.

Thomas Huber, Inhaber und Schuhdesigner
Thomas Huber, Inhaber und Schuhdesigner
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua
dirndl + bua

Produziert in Europa

Produziert wurden dirndl + bua-Schuhe von Anfang an in italienischen Manufakturen. Mittlerweile gibt es ein eigenes Werk in Szombathely in Ungarn, nur knapp 20 km von der österreichischen Grenze entfernt. Dort sind rund 105 Personen beschäftigt. Außerdem gibt es drei Außensteppereien mit rund 60–70 Beschäftigten. Produziert wird ausschließlich in Europa, genauer gesagt in Italien und Ungarn. „Die ungarische Schuhmachertradition ist bekannt und besteht schon seit der k. u. k.-Zeit. Wir legen sehr großen Wert auf ein kollegiales und wertschätzendes Arbeitsklima und achten auf Arbeitsbedingungen nach europäischem Standard. Hier wird jeder Mitarbeiter mit Handschlag vom Chef persönlich begrüßt, und jeder wird für das geschätzt, was ihn ausmacht“, erklärt Huber.

Vom Leisten zum Modell

Aber wie wird nun ein Schuh produziert? Am Anfang steht die Idee, und damit verbunden stellen sich mehrere Fragen, wie etwa: Welche Form und Farbe bekommt der Schuh? Welche Funktion soll er haben? Welches Material wird verwendet? Aus der Idee entsteht eine Skizze, und aus dieser wird dann ein Leisten (Formstück aus Kunststoff, das der Form eines Fußes nachempfunden ist, Anm.) angefertigt. Es entsteht quasi das „Grund­gerüst“ des Schuhs. Höhe, Sprengung, Schuhtyp und Spitz werden festgelegt, wobei gefeilt, geschliffen und gemessen wird. Nach dem Original wird eine Kopie gefertigt, hier werden nun endgültig ­Modell und Größe festgelegt. Nach dem Leisten muss der passende Absatz gewählt werden. Ist dieses Modell fertig, folgt die Anfertigung einer weiteren Skizze: Mit einer Foliermaschine wird eine Art Klarsichtfolie erhitzt und auf den Leisten gestülpt. Darauf können Schnitt, Linien und Verzierungen gezeichnet werden (siehe Bild auf Seite 28, Mitte). Danach wird das Modell nach Italien zu einem Modelleur geschickt. Dort wird die Folie vom Leisten entfernt und eine Spiegelkopie angefertigt – aus einem dreidimensionalen Modell wird ein zweidimensionales, das erneut auf Papier gebracht wird. Die immerhin 20–30 Bestandteile des Schuhs (je nach Modell unterschiedlich) werden zerlegt und im Anschluss neu zusammengesetzt. So entsteht der erste Prototyp. Nun folgt eine Ausschreibung, um das passende Leder, Futter usw. zu finden. Zum Schluss wird der Schaft gefertigt, montiert und mit einer Brandsohle (Innensohle) versehen.

Natur pur

Aber woher stammt nun eigentlich das Leder für die Trachtenschuhe? „Für die Schuhe von dirndl + bua wird über­wiegend Leder aus Italien sowie aus Deutschland verwendet. Die Rohware wird in italienischen und deutschen Gerbereien nach strengen Standards verarbeitet und geprüft. Der Vorteil von europäischem Leder ist, neben der wirtschaftlichen Flexibilität, auch die logistische Nachhaltigkeit. Wir können auf die Ware, die wir benötigen, in der Qualität, den Mengen und mit den speziellen charakteristischen Eigenschaften zugreifen. Besonders während der Coronapandemie war das durchaus ein Vorteil“, erzählt Thomas Huber.

Gerade Leder ist nicht einfach zu verarbeiten. Die Oberfläche des Leders muss farblich gleich sein, um ein gleiches Paar ausstanzen zu können. Somit braucht es auch eine Decke, die groß genug ist, um ein Paar Schuhe aus ihr fertigen zu können. „Leder lebt, und das darf es bei uns auch. Wir kaufen keine Massenware. Das echte, lebendige Leder hat einen eigenen Charakter. So wird jeder Schuh zum Unikat und ein ganz persönlicher Begleiter seines Trägers“, so Huber. Bei unserem Besuch haben uns die Kreationen von Thomas Huber begeistert. Neben klassischen Haferlschuhen und Trachtenpumps gibt es auch trachtige Sneakers, Pumps und Ballerinas. Besonders innovativ fanden wir die AntikBockleder-Stiefel, die sich durch einen Stretcheinsatz an jede Wade anpassen.

Trachtig beschuht

Auch wenn die Kreationen von Thomas Huber nicht unbedingt für einen Reviergang geeignet sind, so runden sie doch das Trachten-Outfit perfekt ab.

Das Besondere an dirndl + bua ist mit Sicherheit, dass ausschließlich natürliche Materialien verwendet werden. Außerdem sind die Kreationen von Thomas Huber auch in Halbgrößen erhältlich. So findet jeder Fuß das passende Zuhause! Bei dirndl + bua in St. Georgen verbirgt sich außerdem ein kleiner Shop, in dem neben der aktuellen Kollektion auch Ausverkaufsware bzw. Waren mit kleinen Fehlern angeboten werden. Außerdem werden hier Vorstellungsstücke abverkauft. So können Damen mit der Schuhgröße 37 sowie Herren mit der Schuhgröße 42 echte Schnäppchen aus der aktuellen Kollektion ergattern. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Unser Fazit: Die Unikate von dirndl + bua sind definitiv ein Blickfang und runden jedes Trachten-Outfit perfekt ab!

dirndl + bua
shucube GmbH
Bahnhofstraße 25
4880 St. Georgen im Attergau
Tel. +43 (0) 76 67/81 01-11
E-Mail: office@dirndl-bua.at
Web: www.dirndl-bua.at

Fotos: WEIDWERK/Marko, dirndl+bua