Reportage

Von Mönchen, Mördern und Kloschüsseln

August 18, 2021 -
Natur & Jagd mit allen Sinnen erleben

Der zehn Meter hohe „Mount Mixnitz“, im Kreis aufgestellte Kloschüsseln mit der Losung heimischer Wildtiere, ein begehbarer Fuchsbau und unzählige Spiele: In den „Naturwelten Steiermark“ kann man Natur, Wild und Jagd mit allen Sinnen erleben, lernen und – herzhaft lachen!

Modern und dennoch mit altem Flair präsentieren sich die Naturwelten Steiermark
Modern und dennoch mit altem Flair präsentieren sich die Naturwelten Steiermark
Wo kommen Neozoen, wie Waschbär, Mink o. dgl. her?
Wo kommen Neozoen, wie Waschbär, Mink o. dgl. her?
Eröffnung der Naturwelten Steiermark - Kürzlich wurden die Naturwelten Steiermark im Beisein zahlreicher Prominenz feierlich eröffnet.
Eröffnung der Naturwelten Steiermark
Großzügige Veranstaltungsräume
Großzügige Veranstaltungsräume
Dreißig Stationen warten auf die Kinder!
Dreißig Stationen warten auf die Kinder!
Natur & Jagd mit allen Sinnen erleben
Natur & Jagd mit allen Sinnen erleben
Was haben Kloschüsseln mit heimischen Wildtieren zu tun?
Was haben Kloschüsseln mit heimischen Wildtieren zu tun?
Aussicht vom "Mount Mixnitz"
Aussicht vom "Mount Mixnitz"
Eine der dreißig Stationen
Eine der dreißig Stationen
Der Mönch und sein Mörder (Quiz)
Der Mönch und sein Mörder (Quiz)

Mönche, Mörder und Kloschüsseln? Was im ersten Augenblick bizarr klingt, zaubert bei näherem Hinsehen ein Schmunzeln ins Gesicht. Im steirischen Bezirk Bruck/Mur gibt es eine neue Attraktion für Jung und Alt: die „Naturwelten Steiermark“!
Wer sich mit der Natur, den darin lebenden Wildtieren und der Jagd auseinandersetzen möchte, sollte sich die vor wenigen Wochen in Mixnitz eröffneten Naturwelten nicht entgehen lassen. Die insgesamt 2,5 ha große Erlebniswelt für Groß und Klein hat vor allem ein Ziel: die Menschen wieder näher an die Natur zu bringen; allerdings nicht, ohne dabei herzhaft zu lachen! Mit diesem großartigen Leuchtturmprojekt setzt die Steirische Landes­jägerschaft einen wichtigen Schritt in Richtung Öffentlichkeits­arbeit, und LJM Franz Mayr-Melnhof-Saurau ist von dessen Notwendigkeit überzeugt: „Gemeinsam müssen wir es schaffen, das zu bewahren, was wir alle lieben: unsere Natur!“ Der Landes­jägermeister ist es übrigens auch, der die Idee und nicht zuletzt auch das Grundstück, zwischen Graz und Bruck/Mur mit optimaler Verkehrsanbindung gelegen, beigesteuert hat. Finanziert wurde das insgesamt etwa 4 Mio. Euro teure Projekt zu einem großen Teil – mit etwa 2,2 Mio. Euro – von den Jägerinnen und Jägern der Steiermark, aber auch von Sponsoren und privaten Unterstützern. Wie es scheint, stellt jeder Euro eine perfekte Investition für die Zukunft der Jagd dar – nicht nur in der Steiermark, sondern österreichweit!
„Den Besuchern wird hier schnell klar, dass Jagd wesentlich mehr ist als nur das Töten von Wildtieren. Aktuelle Themen, wie Klimawandel oder Artensterben, stehen bei uns ebenfalls auf der Agenda“, erklärt die Leiterin der Naturwelten, Kathrin Stock MSc. Die Naturwelten sind zudem auch mobil und „touren“ durch die gesamte Steiermark. Der dafür vorgesehene Anhänger ist mit reichlich jagdlichem Anschauungsmaterial und Präparaten gefüllt und bringt ein Stückchen Naturwelten direkt in die Reviere, um die Öffentlichkeitsarbeit in den Bezirken tatkräftig zu unterstützen.

Dialogzentrum

Die Naturwelten Steiermark sehen sich als „Dialogzentrum“ rund um die heimische Natur und verbinden Tradi­tionelles mit Modernem. In den Seminar- und Veranstaltungsräumen des revitalisierten Bauernhofs ist das deutlich spürbar: Die Vergangenheit verschmilzt hier auch baulich mit Gegenwart und Zukunft!
Das kleine Dorfwirtshaus „Stoabock“ ist im neu errichteten Teil zu finden und offeriert Kulinarik aus der Region. Ein Indoor-Panoramafenster macht den Blick auf eine Kletterwand frei, die vom Österr. Alpenverein – einem Kooperationspartner der Steirischen Jägerschaft – betrieben wird. Und: Schulklassen können für ihr Naturerlebnis beim „Stoabock“ gleich ein Jausenpaket mit gesunden Almenland-Produkten mitbestellen.
Das Bildungszentrum hilft beim „Lesen der Natur“ und lässt Jung und Alt tief in die faszinierenden Zusammenhänge der heimischen Natur blicken. Das Beste daran: Mit einer kräftigen Portion Humor gewürzt, verankert sich das vermittelte Wissen auch nachhaltig im Gedächtnis! Egal, ob Schüler, Jäger, Familien oder Naturinteressierte – jeder kann sich in den Naturwelten auf eine spannende Erlebnisreise durch die heimische Natur begeben und wertvolles Wissen über den Umgang mit ihren Bewohnern mit nach Hause nehmen. In einer Forscher- und Waldwerkstatt können Kinder und Jugendliche aller Altersklassen den Werkstoff Holz mit allen Sinnen erleben, spannende Experimente wagen oder ein Vogelhäuschen für den eigenen Garten bauen.
Der Andrang ist bereits groß: „Ein Besuch muss vorab unbedingt gebucht werden, da unsere Kapazitäten begrenzt sind“, betont Kathrin Stock
die erforderliche Voranmeldung und ­verweist auf die Website www.naturwelten-­steiermark.com. Ein Ad-hoc-Besuch ohne Anmeldung ist also leider nicht möglich.
Aber nicht nur das Erkunden der Umwelt ist in den Naturwelten möglich, sondern auch die Buchung zahlreicher Räumlichkeiten für Veranstaltungen, Seminare oder Workshops. Auch eine Schauküche kann für Caterings, Koch- oder Zerwirkkurse genutzt werden. Steirischen Jagdvereinen, deren Mitglieder in der Regel über eine steirische Jagdkarte verfügen, steht für Sitzungen und Besprechungen der Seminarraum „Röthelstein“ einmal im Quartal kostenlos zur Verfügung. Voraussetzung auch hier: eine rechtzeitige Buchung. Zwei Büros sind übrigens an den Steirischen Jagdschutzverein und den Steir. Landesfischereiverband vermietet. Eine Natur­tribüne im Freien bietet nicht zuletzt die Möglichkeit, im Areal der Naturwelten Konzerte auszurichten.
Einen der Kernbereiche stellt die Aus- und Weiterbildung der steirischen Jägerinnen und Jäger dar: Zahlreiche Seminare, Workshops und Vorträge zu den Themen Jagdrecht, Jagdpraxis, Wildökologie, Öffentlichkeitsarbeit, Kulinarik usw. stehen bereits zur Verfügung und werden ständig erweitert.

Es wird uns nur dann gelingen, die Schönheit der Natur zu bewahren, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Dafür sind das gegenseitige Verständnis und die Toleranz anderen Naturnutzern gegenüber Voraussetzung.

Leiterin Naturwelten Steiermark/Kathrin Stock, MSc.

Leiterin Kathrin Stock, MSc. - Leiterin Naturwelten Steiermark/Kathrin Stock, MSc.

Leiterin Kathrin Stock, MSc.

Notdurft im Freien?

Zurück zur jagdlichen Öffentlichkeitsarbeit mit Kindern: Warum das „Robo-Schaf“ – ein ausrangierter Rasenroboter im Schafspelz – kein Freund der Schmetterlinge ist, wer wann brunftet oder balzt und wie Fuchs und Dachs so hausen, erfährt man im Outdoor-­Erlebnisareal auf insgesamt dreißig Stationen. Betritt man diese „Welt“, geben im Kreis angeordnete Kloschüsseln erst einmal Rätsel auf: Eine Möglichkeit, unter freiem Himmel seine Notdurft zu verrichten? Mitnichten! Es handelt sich um ein Spiel, bei dem man anhand einiger Hinweise die Losung von Wildtieren und selbstverständlich das Wildtier selbst identifizieren soll – in der Kloschüssel liegt dann die aus Kunststoff nachgebildete Losung und gottlob keine echte . . .
Die Vielfalt der Spiele, in denen Wissen aus Natur und Jagd kind­gerecht vermittelt wird, ist unglaublich und im Zuge eines dreistündigen Aufenthalts kaum zu bewältigen; etwa können Tierstimmen bestimmt oder Blicke in den Rucksack des Jägers geworfen werden. Ein begehbarer Fuchsbau zählt ebenfalls zu den Highlights – darin findet man hand­gemalte Darstellungen von Füchsen, Dachsen, aber auch Bauhunden, des Wurzelsystems und weiteren interessanten Fakten aus dem Leben unter Tage.
Erklimmt man den künstlich angeschütteten, zehn Meter hohen „Mount Mixnitz“, erschließt sich einem der alpine Lebensraum von Steinbock, Murmel & Co bis ins kleinste Detail – nicht zuletzt sind dort neben Gamseiern (!) auch Latschen und Edelweiß zu finden! Oben angekommen, warten ein Gipfelkreuz und selbstverständlich auch ein Gipfelbuch. – Bergheil! Übrigens: Bei der Gestaltung des Erlebnisareals wurden ausschließlich heimische Pflanzen verwendet.

Von Mönchen und Mördern

Auf den Punkt gebracht bieten die Naturwelten Steiermark eine Vielzahl an Möglichkeiten – für Kinder, aber auch für Jugendliche und Erwachsene. Von Natur-Workshops über zahlreiche Ferienangebote, etwa Feriencamps oder Ferienerlebnistage bis hin zur Waldwerkstatt, läuft man kaum Gefahr, mit aufkommender Langeweile kämpfen zu müssen. Im Gegenteil: Im Naturspielplatz, welcher sich im Wald befindet, können die Kinder mit Stelzen gehen, Ringe werfen, Riesen-Mikado spielen und vieles andere mehr. Wer also in den Sommerferien nicht weiß, was er mit den Kindern anstellen soll, kommt in den Naturwelten Steiermark sicherlich voll auf seine Kosten! Begleitet von ausgebildeten und zertifizierten Wald- und Jagdpädagogen, den sogenannten „Guides“, kann der kindliche (Schul-)Ausflug zum nachhaltigen Naturerlebnis geraten! Die Naturwelten Steiermark öffnen die Augen sämtlicher Besucher, um die Wunder vor der eigenen Haustür wieder schätzen zu lernen.
„Den Menschen fehlt heute der Zugang zur Natur. Immer mehr in Vergessenheit gerät, dass die Natur Lebensraum für die Wildtiere ist und wir in unserer Freizeit quer durch ihre Wohn-, Ess- und Schlafzimmer spazieren. Umso wichtiger ist es, genau in diesem Bereich Aufklärungsarbeit zu leisten! Es gilt, Zusammenhänge zu vermitteln und wieder verstehen zu lernen. Getreu dem Motto ,Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!‘ ist es besonders wichtig, bei den Kleinsten unserer Gesellschaft zu beginnen. Die Kinder von heute sind die Zukunft von morgen, denn sie sind es, die über das weitere Bestehen der Jagd entscheiden“, so Kathrin Stock. Die Leiterin weiter: „Es wird uns nur dann
gelingen, die Schönheit der Natur zu bewahren, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Dafür sind das gegen­seitige Verständnis und die Toleranz anderen Naturnutzern gegenüber
Voraussetzung.“
Zurück zum Titel: Das mit den Kloschüsseln wäre geklärt. Was aber haben Mönche und Mörder damit zu tun? – In einem der dreißig Stationen sitzt man im Stile von „Wer wird Millionär“ dem Quizmaster, für gewöhnlich einem Spielkameraden, gegenüber und muss seine Kenntnisse im Bereich der Jägersprache unter Beweis stellen. Und was der Jäger als „Mörder“ oder „Mönch“ bezeichnet, dürfte wohl klar sein, oder?

Interview:

Im Gespräch mit LJM Franz Mayr-­Melnhof-Saurau
WEIDWERK: Herr Landesjägermeister, kürzlich wurden die „Naturwelten Steiermark“ eröffnet. Welchen Anteil haben Sie als Landesjägermeister daran? Wir haben gehört, dies sei eines Ihrer Herzensprojekte …
LJM Mayr-Melnhof-Saurau: Ich habe der Steirischen Landesjägerschaft das Baugrundstück für das Hauptgebäude kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das Erlebnisareal und der angrenzende Wald, der ebenfalls für pädagogische Führungen genutzt wird, steht den Naturwelten zu einem sehr geringen Anerkennungsbetrag zur Verfügung. Außerdem war ich in den gesamten Werdegang des Projekts aktiv mitein­gebunden, weil es eben, wie Sie es richtig bezeichnen, ein Herzensprojekt war und ist.
WEIDWERK: Die Steiermark macht mit dieser Einrichtung einen Riesenschritt in der jagdlichen Öffentlichkeitsarbeit. Warum, denken Sie, ist die Arbeit vor allem mit Kindern und Jugendlichen so wichtig?
LJM Mayr-Melnhof-Saurau: Das Verständnis für unser Tun ist vor allem in den jüngeren Bevölkerungsschichten verloren gegangen. Hier müssen wir stark aufholen, denn dieses Wissen wird weder vom Elternhaus noch von der Schule kompensiert. Einzig und allein die Jagd selbst kann dafür sorgen, dass sie auch morgen als notwendig erkannt und in ihren Handlungen verstanden wird.
WEIDWERK: Wie stehen die steirischen Jägerinnen und Jäger der Umsetzung gegenüber? Gab es aufgrund der beträchtlichen Kosten Gegenwind?
LJM Mayr-Melnhof-Saurau: Am Anfang haben vielleicht nicht alle verstanden, was dieses Projekt alles kann. Mittlerweile ist es aber so, dass bereits viele Jägerinnen und Jäger mit den Naturwelten Steiermark in Berührung gekommen sind – im Zuge der Eröffnung oder weil sie bereits eine Weiterbildungsveranstaltung besucht haben. Hier sind die Jägerinnen und Jäger begeistert, weil sie die Möglichkeiten sehen und erleben, wie vielschichtig das Gesamtkonzept ausgearbeitet wurde und die Steirische Jagd endlich eine Heimat gefunden hat.
WEIDWERK: Herr Landesjägermeister, wir danken für das Gespräch!

Das neue Tor zum Almenland: die Naturwelten Steiermark