Reportage

Wenn Träume wahr werden

1. Juni 2024 -
Mannsberger Waffen-Manufaktur - © Barbara Marko
© Barbara Marko

Wir waren zu Besuch bei einem der jüngsten Büchsenmachermeister Österreichs und haben uns angesehen, was nötig ist, um sich bereits in jungen Jahren den Traum vom eigenen Unternehmen zu erfüllen.

Tristan Mannsberger hat mit nur 18 Jahren die Prüfung zum Büchsenmachermeister absolviert und steht nur zwei Jahre später bereits in seinem eigenen Unternehmen. Mit der „Mannsberger Waffen-Manufaktur“ hat sich der Niederösterreicher einen Kindheitstraum erfüllt. Wir haben den erfolgreichen Jungspund in seiner Werkstatt in Wöllersdorf, Niederösterreich, besucht und ihn über seinen bisherigen Werdegang ausgefragt.

Der Meister

Bereits als wir die Mannsberger Waffen-Manufaktur betreten, sind wir begeistert, denn die rund 180 m² große Werkstatt von Tristan ist lichtdurchflutet. Wir lassen den Blick durch die großzügige Halle schweifen. Dort befinden sich Werkbänke mit Schraubstöcken sowie verschiedenste Werkzeuge, von Feilen in verschiedensten Formen über Hämmer, Schraubendreher bis hin zu Spezialwerkzeugen, die wir noch nie gesehen haben und die Tristan selbst angefertigt hat, wie er uns später verrät. In der Mitte des Raumes steht eine große, quadratische Werkbank. Rechts daneben reihen sich mehrere andere Maschinen wie beispielsweise Dreh- und Fräsmaschinen, aber auch einige andere uns unbekannte Gerätschaften. Tristan empfängt uns herzlich und erklärt, dass wir ihm heute beim Schneiden eines Mündungsgewindes über die Schulter blicken dürfen. Bevor Tristan mit der Arbeit beginnt, fragen wir, welche Arbeiten er derzeit am häufigsten ausführt und zu welchen Kreisen seine Kunden zählen. „Der Großteil meiner bisherigen Kunden setzt sich aus Jägern und Sportschützen zusammen. Auch Betreiber von Waffengeschäften lassen mir Auftragsarbeiten zukommen. Die Kunden schätzen meine freundliche Art, mein breites Fachwissen für Waffen, die Qualität, die ich liefere sowie die rasche Erledigung meiner Arbeiten. Die häufigsten Arbeiten sind im Moment das Schneiden von Mündungsgewinden zur Montage von Schalldämpfern, die Anpassung und Montage von Zielfernrohrmontagen, die Reparatur von – mitunter historischen – Waffen, das Tuning sowie kundenspezifische Anpassungsarbeiten“, erklärt uns Tristan.

Nachdem Tristan die Büchse eines Kunden geholt hat, trennt er mit wenigen, aber sehr geschickten Handgriffen das System vom Schaft. Wir nutzen die Zeit, um zu fragen, wie es sich anfühlt, mit nur zwanzig Jahren Büchsenmachermeister zu sein und ein eigenes Unternehmen zu führen. „Büchsenmachermeister wurde ich bereits im Alter von 18 Jahren, das fühlte sich schon sehr surreal an. Ich kenne einige Büchsenmachermeister, die um mehr als das Dreifache älter sind als ich, deshalb fällt es mir noch etwas schwer, mich als Meister zu sehen. Was das Führen meines Unternehmens betrifft, geht es mir ähnlich. Ich habe mir bereits als Volksschulkind im Keller unseres Elternhauses eine kleine Werkstatt eingerichtet. Damals träumte ich schon davon, meine eigene Büchsenmacherei zu betreiben. Jetzt stehe ich voller Stolz in meiner Werkstatt und kann es manchmal noch immer nicht glauben, so weit gekommen zu sein“, erzählt der Jungunternehmer.

Früh übt sich

Während Tristan zu einer seiner Drehmaschinen wechselt und den Lauf dort einspannt, bringt er Klemmbacken aus Kupfer an, um denselbigen zu schützen. Jeder Handgriff sitzt. Begeistert vom Geschick des jungen Büchsenmachers möchten wir wissen, inwieweit die Ausbildung in Ferlach seine Fähigkeiten und sein Verständnis für dieses Handwerk geprägt hat. „Viele meiner Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie zum Beispiel die Grundkenntnisse im Drehen und Fräsen oder im Umgang mit Handwerkzeugen konnte ich bereits in meine schulische Ausbildung miteinbringen. Die Unterstützung meiner Eltern sowie die Zeit, die ich in meiner kleinen Werkstatt im Keller als Kind gebastelt habe, haben sich in meiner schulischen Ausbildung als vorteilhaft erwiesen. Die Ausbildung in Ferlach hat meine Leistungen vervielfacht. Ich denke, man sollte bereits mit einer gewissen Liebe und Leidenschaft in die schulische Ausbildung zum Büchsenmacher einsteigen“, erklärt er.

Während Tristan mit einem Rundlaufmessgerät die zentrische Spannung sowohl der Laufseele als auch der Laufwurzel misst, möchten wir mehr über den Werdegang des jungen Büchsenmachers erfahren. „Mein Vater ist seit fast dreißig Jahren Berufssoldat und ebenso Jäger. Er hat mir bereits in jungen Jahren den sicheren Umgang mit Schusswaffen beigebracht. Als Kind durfte ich oft mit auf die Birsch gehen. So erkannte ich bereits früh die Wichtigkeit einer funktionstüchtigen Jagdwaffe. Auch die ausgeklügelte Technik der Waffen faszinierte mich bereits in jungen Jahren, zum Beispiel das Auseinandernehmen und Zusammensetzen einer Pistole oder die Funktion eines Repetiergewehrs. So wuchs in mir bereits sehr rasch der Wunsch, den Beruf des Büchsenmachers zu erlernen. Ende der Volksschule und zu Beginn der Mittelschule ist meine Mutter zweimal mit mir nach Ferlach zum Tag der offenen Tür gefahren. Mein Entschluss stand also schon sehr früh fest, und es galt für mich dann nur zu entscheiden, ob ich die 5-jährige Ausbildung zum Waffentechniker oder die 4-jährige Fachschule für Büchsenmacher absolvieren würde. Da ich schon immer mehr der Praktiker war und in der Fachschule für Büchsenmacher 70 % Werkstatt und 30 % Theorie unterrichtet wird, stand mein Entschluss schnell fest. Als Grundlage für den Beruf des Büchsenmachers empfehle ich daher Interessierten, die HTBLVA in Ferlach zu besuchen“, lacht er.

Mündungsgewinde schneiden - Bevor der Büchsenmacher das Mündungsgewinde schneiden kann, muss er das System (Lauf & Verschlussgehäuse) vom Schaft trennen. Im Anschluss wird ein Rundlaufmessgerät angelegt. - © Barbara Marko
Bevor der Büchsenmacher das Mündungsgewinde schneiden kann, muss er das System (Lauf & Verschlussgehäuse) vom Schaft trennen. Im Anschluss wird ein Rundlaufmessgerät angelegt. © Barbara Marko
Mündungsgewinde schneiden - Der Außendurchmesser für das Gewinde wird abgedreht. - © Barbara Marko
Der Außendurchmesser für das Gewinde wird abgedreht. © Barbara Marko
Mündungsgewinde schneiden - Mit einer Gewindelehre wird die Steigung überprüft. - © Barbara Marko
Mit einer Gewindelehre wird die Steigung überprüft. © Barbara Marko
Mündungsgewinde schneiden - Fertig ist das neue Mündungsgewinde. - © Barbara Marko
Fertig ist das neue Mündungsgewinde. © Barbara Marko

Selbst und ständig

Tristan ist jetzt dabei, den Außendurchmesser des Gewindes abzudrehen. Jeder Handgriff sitzt, und die Präzision, mit welcher der junge Büchsenmacher seine Arbeit bewerkstelligt, begeistert. Wir möchten von Tristan erfahren, wie es war, sich in so jungen Jahren selbstständig zu machen.

„Die Idee, eine eigene Firma zu eröffnen, entstand aus meiner Leidenschaft, mit Waffen zu arbeiten, und was liegt da näher, als aus meiner Leidenschaft einen Beruf zu machen? Der Prozess zur Gründung meiner Firma war jedoch langwierig. Ohne Unterstützung, vor allem die finanzielle Unterstützung durch meine Oma, hätte ich das nie so rasch geschafft. Es waren sehr viele Schritte nötig, wie etwa die Gewerbeprüfung, die Abnahme der Werkstatt, der schrittweise Ankauf von Maschinen und Werkstatteinrichtungen, aber auch die Einbringung eines sicherheitspolizeilichen Gutachtens. All das und vieles mehr waren für mich und meine Familie eine sehr große Herausforderung, die ich ohne deren Hilfe nie in so kurzer Zeit hätte bewerkstelligen können“, erläutert der Büchsenmacher.

Während Tristan mit einer Gewindelehre die Steigung des Gewindes überprüft, fragen wir ihn, ob es besondere Herausforderungen gab, denen er sich stellen musste.

„Als Jungunternehmer habe ich festgestellt, dass es ohne Hilfe von Freunden und Bekannten in der Branche nicht so einfach ist, Fuß zu fassen. Speziell bei großen, namhaften Unternehmen, bei denen ich mich als Einkäufer registriert habe, wird man oft nicht so ganz ernst genommen. Die Besuche von diversen Messen wie der ,Hohen Jagd‘ in Salzburg oder der ,IWA‘ in Nürnberg und die daraus entstandenen persönlichen Gespräche stellten wiederum eine gute Basis für eine zukünftige Zusammenarbeit dar. So wie überall ist es auch in der Büchsenmacherbranche wichtig, einen persönlichen Kontakt nicht nur zu den Kunden, sondern auch zu den Großhändlern aufzubauen und zu pflegen“, betont der Büchsenmacher.

Berufung

Wir beobachten den Jungunternehmer dabei, wie er den Gewindeadapter aufschraubt. Das Ergebnis ist wenig überraschend, denn er passt perfekt. Nichts anderes hatten wir erwartet. Um den Schalldämpfer auch künftig reibungslos montieren zu können, poliert Tristan nun noch die Kanten. Wir nutzen diesen Moment, um nachzufragen, was wir von Tristan in Zukunft noch erwarten dürfen. „Für meine Zukunft wünsche ich mir, meinem Unternehmen eine solide Basis zu geben. Trotz meiner jungen Jahre möchte ich mir einen Namen in der Branche erarbeiten und auch von den ,Großen‘ ernstgenommen werden, um mein Netzwerk weiter ausbauen zu können. Eines meiner Ziele sind zufriedene und glückliche Kunden, aber auch Menschen, die sich mit scheinbar aussichtslosen Problemen bei mir melden können“, erklärt Tristan lächelnd.

Wir begleiten den Büchsenmachermeister wieder zurück zur Werkbank, wo er die Büchse wieder zusammensetzt, und, um dem Kunden einen besonderen Service zu bieten, mit Wasserdampf einige Dellen aus dem Schaft entfernt. Bevor wir uns verabschieden, möchten wir wissen, was der erfolgreiche Jungunternehmer jungen Menschen rät, die davon träumen, in die Büchsenmacherbranche einzusteigen oder sich selbstständig zu machen. „Mein Appell gilt zuerst den Eltern, denn sie müssen zu allererst ihre Kinder fördern und deren Wunsch unterstützen. Ich rate den jungen Menschen, sich in der HTBLVA in Ferlach zu informieren und die Ausbildung dort zu absolvieren. Büchsenmacher wird man nicht im Vorbeigehen, da gehören sehr viel Liebe und Herzblut dazu. Als fertiger Büchsenmacher stehen jedem Tür und Tor offen, ob im In- oder im Ausland. Egal, ob als Angestellter oder Selbstständiger. Ich selbst sehe meinen Beruf nicht als Beruf, sondern als Berufung“, erklärt Tristan.

Wir bedanken uns für die spannenden Einblicke in den Beruf des Büchsenmachers und verabschieden uns von dem zielstrebigen Wöllersdorfer Jungunternehmer. Unser Fazit: Einen Besuch in der Mannsberger Waffen-Manufaktur können wir jedem Jäger und Schützen nur wärmstens ans Herz legen!