Während der Mauser wird das Gefieder nach und nach gewechselt. - © Adolf Schilling
Serie

Für Jäger und Naturinteressierte bietet jeder Monat des Jahres seine Highlights. Während manche Naturschauspiele, wie Brunft oder Balz, meist recht spektakulär ablaufen, gibt es auch zahlreiche Details, die uns auf den ersten Blick verborgen ­bleiben. Zeit, diese vor den Vorhang zu holen. – 3. Teil: der Fasan.

Der Fasan zählt zur Unterfamilie der Glattfußhühner und wird gemeinsam mit den Raufußhühnern der Familie der Fasanen­artigen (Phasianidae) zugeordnet. Der Fasan ist die namensgebende Art dieser Familie und gleichzeitig das häufigste Flugwild Europas. Bevor wir uns der Betrachtung dieser Bezeichnung als Art zuwenden, schauen wir uns den Jahresverlauf dieser Federwildart an.

Wintertrupps

Den Winter verbringen Fasane in der Regel in gleichgeschlechtlichen Gesellschaften, den Wintertrupps. Wichtig sind zu dieser Zeit vor allem Deckung und Nahrung. Ab Februar lösen sich die Wintertrupps bei schönem Wetter bereits auf, und die Vögel sind wieder einzeln unterwegs. Nun besetzen die Hahnen ihre Territorien. Ranghöhere Hahnen suchen die optimalen Habitate, rangniedere müssen hingegen ab­wandern. Der Apfel fällt hier aber nicht weit vom Stamm, was heißt, dass die Tiere meist in der näheren Umgebung bleiben. Hahnen ohne Territorien haben jedenfalls keine Aussichten auf Fortpflanzungserfolg. Sind die Territorien besetzt, werden diese gegen Artgenossen verteidigt. Treffen in dieser Zeit zwei Hahnen aufeinander, versuchen die Kontrahenten erst durch Imponier­gehabe den Eindringling zu ver­treiben. Hilft das nichts, umkreisen sich die Widersacher und hacken mit den Schnäbeln aufeinander ein. Lässt sich keiner der beiden unterkriegen, wird gekämpft. Dabei fliegen beide wiederholt auf und greifen mit Ständern und Schnäbeln an. In der Regel verlaufen diese Kämpfe unblutig.

Brutgeschäft

Ist der Schwächere vertrieben, können sich die Hahnen der Fortpflanzung widmen. Ab März balzen sie und ­umwerben die Hennen. Hierfür werden offene Bereiche im Habitat benötigt. Bald schon sammeln sich diese in losen Harems. Anders als beim Birkwild ­treten bei der Balz allerdings nicht mehrere Hahnen auf einer Balzarena auf, sondern der Hahn sucht sich eine Henne, die er so lange umwirbt – man könnte sogar sagen verfolgt – bis sich diese entweder wieder unter die Hennen des Harems mischt oder der Tretakt vollzogen wird. Als poly­gyner Fortpflanzungsstratege wendet er sich einer weiteren Henne zu und versucht so, seinen Fortpflanzungs­erfolg zu maximieren. Die getretene Henne ­sondert sich nun ab, beginnt die Eier in eine Mulde zu legen und zu ­bebrüten. Die Balz der Hahnen kann bis Juni dauern. Hennen, die dadurch bei der Brut gestört werden, legen ein Zweit-, manchmal sogar ein Drittgelege an. Ältere Hennen, die teils selbst nicht mehr brüten, passen auf andere Gelege auf, zeigen den anderen Hennen Futter­stellen oder vertreiben gelegentlich sogar die aufdringlichen Hahnen, die den Bruterfolg gefährden.

Der Hahn umwirbt die Henne. - © Michael Migos

Der Hahn umwirbt die Henne. © Michael Migos

Nachwuchs

Mit Juni beginnt die Mauser , die sich bis in den Oktober hineinziehen kann. Dabei wird das Gefieder nach und nach gewechselt. Nach 23–25 Tagen der Brut schlüpfen die Küken und folgen als Nestflüchter bereits wenige Stunden nach dem Schlüpfen der Henne. Die Mauser der Elternvögel fällt dabei nicht ganz zufällig in die Zeit der Jungenaufzucht, in der die Küken die ersten Tage ebenfalls flugunfähig sind. Im Revier sind nun die Gesperre, bestehend aus Henne und Küken, ­unterwegs . Die Hahnen beteiligen sich nicht an der Aufzucht. Nach 10 Tagen können die Küken bereits fliegen, bleiben aber noch etwa 70 Tage bei der Henne. Während adulte Fasane vorwiegend Pflanzenfresser sind, ernähren sich die Küken überwiegend von Insekten und tierischem Eiweiß. Dieses benötigen sie vor allem zum Aufbau der Knochen und des Gefieders. Daher sind vor allem im Sommer feuchte Flächen oder Wasserstellen sehr wichtig, wo die Küken das tierische Eiweiß in Form von Insekten finden.

Spätestens Anfang September lösen sich die Gesperre auf. Die Jungvögel sind nun selbstständig und ausgefiedert, was bedeutet, dass sie den Altvögeln auf den ersten Blick sehr ähneln. Eine Unterscheidung ist noch über die Länge der Deichseln ihres Spiels und über die Form und Länge des Sporns der Hahnen an den Ständern möglich. Dieser ist in den ersten Monaten noch kurz und stumpf und wird mit zunehmendem Alter länger und spitzer. Im November bereiten sich die Fasane auf den anstehenden Winter vor. Hierfür werden günstige Habitate mit guter Deckung und Nahrung aufgesucht, in denen sich der Winter gut überstehen lässt. Sind diese nicht vorhanden, kann das in dieser Zeit bedeuten, dass die Vögel abwandern. Kürzere Strecken werden mitunter geflogen, ansonsten sind Fasane oft auch zu Fuß unterwegs. Jäger nennen sie dann „Infanteristen".

Die Küken schlüpfen nach etwa 23–25 Tagen des Brütens. - © Sven-Erik Arndt

Die Küken schlüpfen nach etwa 23–25 Tagen des Brütens. © Sven-Erik Arndt

Fünf Ws

Alle bekannten Formen der Gattung Phasianus kommen ursprünglich in Asien zwischen der Türkei und Japan vor, was den Fasan bei uns zu einem Neozoon macht. Man vermutet jedoch, dass der Fasan bereits vor über 2.000 Jahren von den Römern als beliebtes Jagdwild gezüchtet und in Europa ­verbreitet wurde. Der wissenschaftliche Name des Fasans (Phasianus colchicus)gibt übrigens Auskunft über seine ­Herkunft. Die Griechen haben den Fasan von einer Fahrt nach Kolchis, einer ­antiken Landschaft zwischen der Ostküste des Schwarzen Meeres und dem Kaukasus – dem heutigen Georgien –, nach Europa gebracht. Dort fanden sie ihn am Fluss Phasis, der heute Rioni heißt. In der Biologie werden neu entdeckte Arten nicht selten nach ihrer Herkunft benannt. Weitere Beispiele sind etwa die Pyrenäen-Gams (Rupicapra pyrenaica) oder eine ausgestorbene Art der Karpfenfische aus dem Donaudelta (Alburnus danubicus).

Ursprünglich als Art trockener ­Gebiete und halb offener Landschaften, fühlt sich der Fasan in unserer Kulturlandschaft in strukturreichen Habitaten mit Feldgehölzen und Hecken wohl. In einer Mischung verschiedener Biotoptypen findet er Deckung und Nahrung. Im Gegensatz zum Rebhuhn benötigt er jedoch eine eher hohe und dichte Vegetation. Im Sommer sind feuchte Bereiche im Habitat essenziell, nicht nur, um zu schöpfen, sondern auch wegen der Insekten, die sich dort ­sammeln und die in den ersten drei Lebens­wochen für die Küken unabding­bar sind. Als Eselsbrücke kann man sich für den Lebensraum des ­Fasans die ­folgenden fünf Ws merken: Weiden ­(-bäume), Weizen (stellvertretend für alle Getreidearten), Wasser, Wiesen und Wein(gärten).

Die Griechen haben den Fasan von einer Fahrt nach Kolchis, einer ­antiken Landschaft zwischen der Ostküste des Schwarzen Meeres und dem Kaukasus – dem heutigen Georgien –, nach Europa gebracht.

Hybridart

„Der Fasan", wie er bei uns landläufig genannt wird, wurde taxonomisch in über dreißig verschiedene Unterarten aufgeteilt, bei denen sich vor allem die Hahnen teils stark voneinander unterscheiden. Der bei uns vorkommende Jagdfasan ist eine Kreuzung ver­schiedener Unter­arten. Heute geht man davon aus, dass dabei die folgenden vier Ahnen ­beteiligt waren:

  • Kupferfasan: ohne weißen Halsring, mit purpur- bis rostbrauner Färbung

  • Buntfasan: ohne weißen Halsring, mit ober- und unterseitig grüner Färbung

  • Ringfasan: mit weißem Halsring und grünbläulichem Bürzel

  • Mongolfasan: mit vorn unter­brochenem weißem Halsring und kupferroter Färbung mit stark ­grünem Bronzeglanz und weißen Oberflügel­decken

Viele dieser Farbvarietäten lassen sich bei den bei uns heimischen Fasanen wiedererkennen. Diese Unterschiede kommen allerdings nur bei den Hahnen zum Tragen, die Hennen aller vier Unter­arten sind einander sehr ähnlich. Zwei der erwähnten Unterarten haben den weißen Halsring, den wir bei den Hahnen heute überwiegend finden. Die für diese Ausprägung verantwortlichen Gene sind dominant und setzen sich demnach bei der Fortpflanzung durch. Die Besätze des Fasans sind in den ­letzten Jahrzehnten europaweit rückläufig. Während in Österreich in den 1970er-Jahren teilweise noch über 400.000 Fasane pro Jahr erlegt wurden, waren es im Jagdjahr 2017/18 nur noch knapp über 50.000. Zwar sind Abschuss­zahlen kein guter Indikator für die tatsächliche Höhe des Besatzes, da auch politische oder private Entscheidungen hinter dem Sinken dieser Zahlen stehen können, dennoch zeigen sich hier recht gut die Dimensionen, in denen sich die Jagd bewegt. Durch die polygyne ­Fort­pflanzungsstrategie der Hahnen werden die Zuwachsraten in Revieren mit guten Besätzen durch die Jagd nicht beeinträchtigt. Bei ohnehin schon geringen Besätzen sollte der jagdliche Eingriff allerdings mit Fingerspitzengefühl erfolgen. Besatzermittlungen können zu unterschied­lichen Jahres­zeiten mit unter­­schiedlicher Aus­sage erfolgen. Im April und Mai lässt sich der Frühjahrsbesatz schätzen, der den Winter überstanden hat, im August und September kann auf den Zuwachs geschlossen werden, und ab der zweiten Jännerhälfte erhält man einen Überblick über den Überwinterungsbesatz. Wichtig ist, die Wintermortalität von etwa 25% des Herbstbesatzes einzuberechnen und bei der Bejagungsplanung zu berücksichtigen. Der Fasan zählt in Bezug auf die Intensivierung der Kultur­landschaft leider zu den Verlierern. Wir sollten versuchen, diese Art unter anderem ­durch Biotop­verbesserungs­maß­nahmen zu erhalten, immerhin hat der Fasan eine lange Geschichte hinter sich! Wenn wir ehrlich sind, be­reichert diese bunte Hühnervogelart unsere Landschaft ungemein.

Fasanhahnen kämpfen um die besten Territorien. - © Ingo Gerlach

Fasanhahnen kämpfen um die besten Territorien. © Ingo Gerlach

Foto Adolf Schilling