Niederwildhege ohne Jagd auf Beutegreifer ist für Rudolf Dutter ein Widerspruch. Der passionierte Raubwildjäger erklärt, warum die Bejagung heuer besonders wichtig ist und wie man am besten vorgeht.
Der Fuchs ist mein absolutes Lieblingswild“, betont Rudolf Dutter. In seinem Revier in Haindorf im Bezirk St. Pölten, einem klassischen Niederwildrevier mit rund 600 Hektar jagdbarer Fläche, kommt er dem Fuchs besonders oft nahe. Über direkte Beobachtungen, Wildkameras und Bewegungsmelder kennt er dessen Verhalten ganz genau. Rudolf Dutter verbringt bis zu 50 Nächte im Jahr in seiner Schlafkanzel an frequentierten Kreuzungen im Revier. Aber nicht nur, um Füchse zu beobachten, sondern um sie auch zu bejagen. „Die Fuchsjagd ist die wichtigste Maßnahme für mehr Artenvielfalt“, ist Dutter überzeugt und erlegt in manchen Jahren über 30 Füchse – einige in Nachbarrevieren: „Mich braucht man nicht auf einen Rehbock einladen, sondern lieber auf einen Fuchs.“
Die allgemeinen Bemühungen und Maßnahmen zu Biotopverbesserungen sind wirksam, aber jedes Biotop bietet gerade für Beutegreifer paradiesische Zustände. Für „Jäger mit Weitblick“, so Dutter, wird deshalb die Raubwildregulierung immer wichtiger. „Großflächig System in die Jagd bringen“, ist das Ziel von Rudolf Dutter. Das Gleichgewicht in einer ganzen Region müsse beachtet und berücksichtigt werden. „Je großflächiger die Jagd geplant ist, desto stabiler ist die Region“, plädiert Dutter für revierübergreifende Vorgehensweisen. Ein gutes Einvernehmen mit den Grundbesitzern ist ebenfalls wichtig.
Genau dokumentiert
Rudolf Dutter kennt sein Revier genau und führt detaillierte Aufzeichnungen. Vor etwa 40 Jahren, als er mit seinen Notizen begonnen hat, kam auf zehn Rebhuhnpaare ein Beutegreifer, heute ist es genau umgekehrt, also auf ein Rebhuhnpaar kommen zehn Beutegreifer. Das Verhältnis von damals gelte es wieder herzustellen, denn mittlerweile werden 80 Prozent der Junghasen gerissen. „Von jährlich rund 1.500 Junghasen im Revier nutzen wir 300 Hasen, der Rest entfällt auf Beutegreifer“, so Dutter.
Dabei spielt auch die Myxomatose, die Ende 2025 und Anfang 2026 im Revier zu einem Zusammenbruch bei Feldhasen geführt hat, eine Rolle. Die verendeten Hasen waren für Füchse und anderes Raubhaarwild ein buchstäblich gefundenes Fressen, was sich laut Dutter auf die Vermehrungsraten der Beutegreifer im heurigen Frühjahr ausgewirkt hat.
Verschärfend hinzu kommen auch die Kolkraben, die sich zunehmend im Flachland ausbreiten und ansiedeln. Der Kolkrabe ist in Niederösterreich ganzjährig geschont und darf auch nicht vergrämt werden. Vor fünf Jahren, mit der Errichtung einer Kompostieranlage im Revier, sind die Rabenvögel zugezogen. Am frühen Morgen lassen sich bis zu 80 Kolkraben zählen. Der Kolkrabe ist – anders als vielerorts angenommen – kein Aasfresser, sondern ein Allesfresser. Ein Gelege oder Gesperre sowie Junghasen entgehen den Wächtern auf den Bäumen und Strommasten keineswegs, beobachtet der Jäger.
Auch die Kolkraben tragen zum Artensterben bei, umso wichtiger ist für Dutter die Fuchsbejagung, um dadurch die Fressfeinde in Summe zu reduzieren. Diese sind nicht nur eine Gefahr für Feldhase, Fasan und Rebhuhn, sondern auch für Brachvogel, Kiebitz und Lerche, die früher häufiger in Dutters Revier anzutreffen waren. Zumindest die neuen Windräder seien „ein Segen“, denn durch die Sträucher rundherum haben zumindest die Greifvögel weniger Angriffsmöglichkeiten.
Rechtlich berücksichtigt
„Während Jäger in der aktuell angespannten Situation schon längst auf jagdliche Nutzung verzichten, jagt das Raubwild munter weiter“, unterstreicht Dutter. Um einen „totalen Zusammenbruch der Friedtierarten und einen Seuchenzug bei Füchsen zu vermeiden“, sei die Bejagung so wichtig.
Das haben auch die Gesetzgeber erkannt und bei der Novellierung des NÖ Jagdgesetzes berücksichtigt. Seit Februar sind künstliche Jagdhilfen für Haarraubwild (ausgenommen Wolf, Goldschakal, Baummarder und Iltis) erlaubt, dazu zählen Vorrichtungen zur Beleuchtung der Ziele und künstliche Nachtzielhilfen wie Infrarotgeräte, Visiereinrichtungen mit elektronischem Bildverstärker oder Bildumwandler (wie etwa Restlichtverstärker) sowie Thermal- und Wärmebildgeräte. Die Verwendung künstlicher Nachtzielhilfen bleibt wie bisher nur Personen erlaubt, die eine gültige NÖ Jagdkarte besitzen, in den letzten drei Jahren durchgehend im Besitz dieser gewesen sind oder einen Schulungskurs über künstliche Nachtzielhilfen besucht haben sowie eine schriftliche Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten zur Verwendung künstlicher Nachtzielhilfen besitzen.
„Das Nachtsichtgerät ist ein Ersatz für die geringe Schneelage“, verdeutlicht Dutter. Für ihn war die Gesetzesänderung ein wichtiger erster Schritt und eine enorme Hilfe, denn vor 2026 war nur eine kurze Abend- und Morgenansitzjagd möglich. „Jetzt liegt diese jagdliche Artenschutzmaßnahme bei der Jägerschaft.“ Dutter appelliert an andere Feldrevierjäger – im Wald ist für ihn die Bejagung nicht zwingend notwendig –, die Beutegreifer stärker ins Visier zu nehmen. Nachtzieltechnik allein genügt bei der Fuchsbejagung jedoch nicht, wie Dutter erklärt, aber die Wärmebildtechnik ermögliche ihm, „selbst eine Maus auf dreihundert Meter bei vollster Dunkelheit korrekt anzusprechen“.
Richtig positioniert
Der Jagderfolg hängt zunächst von der richtigen Platzwahl der Ansitzkanzel ab. Dazu gilt es, das Revier zu analysieren und die Lebensweise des Beutegreifers im Revier kennenzulernen. Wo geht der Fuchs? Welcher Tagesunterschlupf wird genutzt? Zu welcher Zeit wird der Bau verlassen? „In Feldrevieren ist eine transportable, mit Anhängerkupplung versehene, wetterunabhängige Kanzel von immensem Vorteil. Denn auf jedem frisch abgeernteten Acker kann man mit Abstimmung der Windrichtung, flexibel Vorpass halten“, erklärt Dutter. Der Windanzeiger – aus Golfball und Feder angefertigt – ist ein unverzichtbares Accessoire an seiner Kanzel. Seine Schlafkanzel stellt er an neuralgischen Punkten, also an Wegkreuzungen und Feldgrenzen, ab, dort hat man eine gute Sicht. Dutter gestaltet die Umgebung zudem mit, indem er schmale Schneisen am Feldrand freischneidet: „Ich bestimme, wo das Wild geht. Der Fuchs bevorzugt stets die einfachen Wege.“ Ordnung am Hochsitz versteht sich von selbst, um möglichst geräuschlos zu sein.
Stark angelockt
Neben den einfachen Wegen wirkt ein Luderplatz in Kombination mit einem Duftstock besonders anziehend für den Rotfuchs. Im Revier in Haindorf wird der Aufbruch immer auf einen Misthaufen gebracht und abgedeckt, daneben steht ein Hochstand. Bei Trockenfutter ist darauf zu achten, dass es regelmäßig, aber nur in geringen Mengen vorgelegt wird. Als Faustregel gilt ein Luderplatz auf 100 Hektar.
Der Duftstock wird mit dem Blaseninhalt eines erlegten Fuchses markiert. „Das erhöht den Jagderfolg gewaltig. Wird in der Ranzzeit der Blaseninhalt einer hitzigen Fähe auf den Duftstock abgesprüht, lässt das oft mehrere Brautwerber in einer Nacht zustehen“, schildert Dutter.
Ein Lockruf erhöht die Chancen zusätzlich. Rudolf Dutter braucht dazu kein Instrument mehr, das Bellen eines Jungfuchses oder das Heulen einer Fähe geht ihm leicht von den Lippen. „Die Lockjagd ist wie bei allen anderen Wildarten auch vom Einfühlungsvermögen des Jägers abhängig. Zur richtigen Zeit den richtigen Ton finden.“ Kaninchen- oder Hasenklage, Mauspfeiferl oder in den Abendstunden ein Entengeschnatter in Bachnähe locken Fuchs und Co. an.
Früher hat man im Revier auch bis zu 50 Kastenfallen für Füchse aufgestellt, davon ist man allerdings abgekommen. Heute werden Fallen nur mehr für Marder eingesetzt, wobei auch dieser vorzugsweise mit Marmelade in Holzstößen angelockt wird. Auch die Baujagd ist für Dutter heute kein Thema mehr, für Jäger mit wenig Zeit hält er die Methode aber für legitim.
Wintermonate nutzen
Die Fuchsjagd kann theoretisch nach den Mutterschutzmonaten (März bis Juni) beginnen. Ab Anfang Mai verlassen Jungfüchse kurzfristig ihren Bau, ab Juni wird der Radius Woche für Woche größer. Intensiv bejagt werden die Beutegreifer im Hegering in Haindorf jedoch von November bis Ende Februar, dabei werden zwischen 30 und 40 Füchse erlegt. Dutter jagt mit einer Bochbüchsflinte mit Wechselglas für die Wärmebildoptik – für die Füchse verwendet er kleine Kaliber wie .223 Rem. und für Marder Schrotpatronen.
Durch die intensive Bejagung gibt es im Revier generell eine geringe Fuchsdichte, aber: „Die neuen Füchse kommen von weit her und wölfen hier, weil es ja bei uns viel zu fressen gibt.“ Diese Zuwanderung zu beobachten erzeugt bei Dutter jedoch keine Sorgenfalten, denn: „Wer einmal – bei einem Nachtansitz mit einer Wärmebildoptik ausgerüstet – einige dieser Raubwildjagdmöglichkeiten nachahmt, wird mit Sicherheit von dieser reizvollen Jagdart nicht mehr losgelassen.“









