Hochstand mit gutem Zugang - Führt terrassenartiges ­Terrain oder eine Böschung in die Nähe ­eines Sitzes, kann dies als unauf­fälliger Zugang genutzt werden. - © Dominik Steinhauser
Serie

Nicht nur bei der Neuübernahme eines Reviers, sondern auch bei gravierenden Landschaftsveränderungen sollte die Sinnhaftigkeit von Hochständen in Bezug auf deren Positionierung untersucht werden. Wie die Effizienz bestehender Hochstände geprüft werden kann und worauf bei der Suche nach einem neuen Aufstellungsort geachtet werden soll, hat sich das WEIDWERK angesehen.

Die Auswahl strategisch günstiger Hochstandpositionen entscheidet über den nachhaltigen Jagderfolg. Es gibt zwar viele mögliche Plätze im ­Revier, doch nicht jeder ist jagdlich ­Erfolg versprechend. Es wurden bereits die Themen Status-quo-­Ermittlung der bestehenden Reviereinrichtungen, Kugelfang, Umgebungsanalyse und Wind­einflüsse behandelt (siehe WEIDWERK 3/2020, Seite 38). Nachdem die örtlichen Gegebenheiten untersucht wurden, ist im Anschluss der Aufstellungsort der Reviereinrichtungen zu bestimmen.
Wer langfristig Jagderfolg haben will, muss die Jagdstrategie an die ­jeweiligen örtlichen Bedingungen des Reviers anpassen. Dabei spielen Reviereinrichtungen eine wesentliche Rolle. Je besser diese platziert sind, desto ­weniger werden sie vom Wild mit der Gefahr durch den Jäger in Verbindung gebracht. Dabei ergeben sich so manche Fragen, wie etwa:

  • Was zeichnet günstige Positionen für Hochstände aus?
  • Welche Verhaltensgewohnheiten
  • des Wildes sind dabei zu berücksichtigen?
  • Wie können Reviereinrichtungen möglichst lange erfolgreich jagdlich genutzt werden, ohne mit der Zeit zu jagdlich eher aussichtlosen ­Plätzen zu werden?

Das WEIDWERK widmet sich diesen Fragen und klärt auf.

Verhaltensgewohnheiten des Wildes

Wild lernt sehr stark aus seinen ­Erfahrungen und leitet daraus bestimmte Verhaltensweisen ab. Je öfter es unangenehme oder gefährliche ­Erlebnisse in bestimmten Situationen macht, desto eher wird es diese künftig meiden. Die Folge ist, dass es scheuer wird und seine Aktivitäten immer mehr in die nächtliche Dunkelheit verlagert, weswegen es immer schwieriger zu bejagen ist. Es lohnt sich also, vor dem Aufstellen eines Hochstandes auch die Verhaltensgewohnheiten des Wildes zu analysieren.
Ruhendes oder wiederkäuendes Wild äugt sehr gern im Schutz der ­Deckung auf bereits bekannte Jagd­flächen, Wege oder andere häufig ­frequentierte Bereiche. Dies wirkt sich vor allem dann nachteilig auf den Jagderfolg des Jägers aus, wenn dieser nichtsahnend auf dem Weg zur Reviereinrichtung vom Wild eräugt wird und dieses Stück kaum mehr in Anblick ­bekommen wird. Somit sind beim Zustieg zum Hochstand bzw. Aufbaumen höchste Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten, auch wenn noch kein Wild die jagdliche Bühne betreten hat.
Wild verharrt vor dem Austreten oftmals noch wenige Minuten im Schutz der dunklen Deckung, um die Situation auf der Äsungsfläche zu begut­achten und mögliche Gefahren zu eruieren. In diesen entscheidenden Minuten – vor allem während der Dämmerungsphase – können sich Jäger durch überflüssige Bewegungen rasch verraten. Bei Reviereinrichtungen, die nicht von Vegetation umgeben sind, hebt sich die Kontur des Jägers zusätzlich zu Gesicht und Händen gegen den Himmel klar ab. Somit sind unnötige Bewegungen auf jeden Fall zu ver­meiden, auch wenn man noch kein Wild im Anblick hat.
Schüsse vom Jagdauto aus sind nach dem NÖ Jagdgesetz nicht nur ­verboten, sondern wirken sich auch ­negativ auf das Wild aus, ­sodass vor allem erfahrene Stücke immer vor­sichtiger werden und bereits frühzeitig abspringen. Vor diesem Hinter­grund ist es auch nicht emp­fehlens­wert, das Kfz unmittelbar in der Nähe des Hoch­standes abzustellen. Anwechselndes Wild assoziiert damit womöglich bereits in Erfahrung gebrachte Gefahr und ändert seine ­Richtung. Auch untypische bzw. un­natürliche Geräusche sind zu ver­meiden, da Wild darauf sehr sensibel reagiert. So können unnatürliche Geräusche, etwa jene beim Bedienen eines Schrankens oder Telefonruftöne, in Kombination mit Fahrzeug­geräuschen bei Wild zu höchster Vorsicht und Aufmerksamkeit führen.
Das Aufbauen einer Revier­einrichtung ist oftmals mit einigem Aufwand (Planung, Kosten, Zeit, Gerät, Material, Werkzeug, Abstimmung mit Grund­eigentümer u. v. m.) verbunden. Deshalb lohnt es sich umso mehr, den ­späteren Aufstellungsort sorgsam auszuwählen. Die folgenden Parameter sollen dabei helfen:

Je besser Reviereinrichtungen platziert sind, desto ­weniger werden sie vom Wild mit der Gefahr durch den Jäger in Verbindung gebracht.

Gute Deckung - Deckung lässt den Jäger förmlich mit dem Hintergrund verschmelzen! - © Dominik Steinhauser
Gute Deckung © Dominik Steinhauser
Geräuscharm bedienbar? - Schranken an Revierstraßen sollten möglichst ­geräuscharm bedient werden können. - © Dominik Steinhauser
Geräuscharm bedienbar? © Dominik Steinhauser
Abgehoben ... - Befinden sich Hochstände nicht vor einer Deckung, zeichnet sich die Kontur des ­Jägers deutlich gegen den Himmel ab. - © Dominik Steinhauser
Abgehoben ... © Dominik Steinhauser
Sauen! Ein sicherer Schuss ist möglich! - Geländekupierungen bieten hinsichtlich Kugelfang beste Voraussetzungen für einen sicheren Schuss. - © Dominik Steinhauser
Sauen! Ein sicherer Schuss ist möglich! © Dominik Steinhauser
Unbemerkter Zugang zum Hochstand möglich - Hinter Vegetationsstreifen lässt sich der Hochstand unbemerkt erreichen. - © Dominik Steinhauser
Unbemerkter Zugang zum Hochstand möglich © Dominik Steinhauser
Der Hochstand verschmilzt mit der Umgebung - Wenn der Hochstand mit der Deckung verschmilzt, sorgt das für gute Deckung beim Zu- und Abgang. - © Dominik Steinhauser
Der Hochstand verschmilzt mit der Umgebung © Dominik Steinhauser
Hochstand mit gutem Zugang - Führt terrassenartiges ­Terrain oder eine Böschung in die Nähe ­eines Sitzes, kann dies als unauf­fälliger Zugang genutzt werden. - © Dominik Steinhauser
Hochstand mit gutem Zugang © Dominik Steinhauser

Erreichbarkeit

Wie bereits erwähnt, ist die „Bühne“ oft nicht so leer, wie sie im ersten Moment zu sein scheint. Somit ist eine möglichst unbemerkte Erreichbarkeit der Reviereinrichtung sehr wichtig, um auszugsbereites oder bereits aus­gezogenes Wild beim Zugehen nicht zu vergrämen und den Sitz auch ­wieder möglichst unauffällig verlassen zu ­können. Entlang von Windschutz­gürteln, Hohlwegen, sonstigen Vege­ta­tionen, terrassenartigen Gelände­formen oder am Fuße von Böschungen kann ein ­unbemerkter Zugang sehr gut erfolgen. Querfeldein über Äcker und Wiesen ist kaum Deckung vor­handen, und die Kontur des Jägers zeichnet sich gegen den Himmel sehr stark ab.
Birschsteige sollten dafür sorgen, dass man den Sitz möglichst leise ­erreicht. Achtung bei herabgefallenem Laub im Herbst! Dieses hat schon ­manchen Jäger verraten und dessen Chance auf Jagderfolg geschmälert. Es ist anzuraten, Birschsteige nicht durch vermutete Wildeinstandsflächen führen zu lassen.

Örtliche Gegebenheiten

Alle Erkenntnisse aus einer Umgebungsanalyse, die im ersten Teil dieser Serie vor­gestellt wurde, können nun für die Auswahl des Aufstellungsorts der Revier­einrichtung berücksichtigt werden. Wildwechsel sollen gut einsehbar und nicht zu nah oder zu weit entfernt sein. Auch die Bergemöglichkeit im Sinne einer geeigneten Zufahrt mit dem Kfz spielt eine nicht unwesent­liche Rolle.
Das Wechselspiel an Äsungs­angeboten und Einständen bietet gute Voraussetzungen für einen strategisch günstig positionierten Hochstand. Dieser wird optimalerweise in jene Haupt­richtung zeigend aufgestellt, aus welcher Wild erwartet wird. Dabei kann es Unter­schiede zwischen morgens und abends geben. Vorteilhaft ist ein durch Vegetation oder von einem Dach beschatteter Ansitzort, da hierbei im Vergleich zur direkten Sonnen­einstrahlung die Bewegungen des Jägers nicht so hart wirken.
Es ist nicht immer zu empfehlen, Hochstände direkt am Waldrand aufzustellen. Um das aus dem Wald auswechselnde Wild nicht zu vergrämen, müsste man sich dabei nämlich mit vollem Rückenwind ansetzen. Würde das Wild dann die Wald-Feld-Grenze beim Auswechseln passieren, säße der Jäger im Wind. Eine gute Alternative ist das Aufstellen eines Hochstandes im Feld, also mit Blick zum Waldrand; diese Position ist auch bei Querwinden ­möglich. Ein Vorteil ist auch, dass man beim Zugehen nicht in die Nähe des Bestandes muss. Am besten eignet sich bei solchen Hochstandpositionen im Feld die Integration des Sitzes in die Vege­tation (zum Beispiel durch Sträucher). Ist ein Aufstellort im Feld nicht möglich und verläuft der Waldrand ums Eck, ist der Hochstand ­vorzugsweise direkt am Eck zu positionieren, um entlang beider Wald-Feld-­Grenzen jagdlich agieren zu können.

Kugelfang

Ohne Kugelfang ist der beste Platz nichts wert! Das heißt, von einem Hochstand aus müssen sichere Schießbedingungen zumindest in die Hauptschießrichtung herrschen. Dabei sollte der Einschusswinkel möglichst steil sein und nicht weniger als 10° betragen. Schüsse in Richtung besiedelter Gebiete sind absolut tabu!
Mit dem Kugelfang geht auch das Thema des Einblicks in die zu ­bejagende Fläche einher. Diese kann vorab unter Zuhilfenahme einer Stehleiter analysiert werden, auf die man bis zur gedachten Abschusshöhe hinauf­klettert. Natürlich kann auch das Gelände insofern genutzt werden, als dass Gegenhänge oder Gelände­kupierungen guten Kugelfang und einen guten Einblick in das Terrain bieten. Im Bestand können wenige Meter links oder rechts das Blickfeld maßgeblich beeinflussen und zu Erfolg versprechenden Schießschneisen führen.
Wind ist insofern zu berück­sichti­gen, als dass auswechselndes, ziehendes oder ruhendes Wild möglichst wenig vom Jäger mitbekommt. An Wald­grenzen, wie zum Beispiel bei Kahlschlagsflächen oder Waldzungen, entstehen oftmals verräterische Fallwinde oder Luftverwirbelungen.

Jagdstrategisches Verhalten

Wir Jäger möchten unsere jagdlichen Einrichtungen möglichst lange und erfolg­reich nutzen. Deshalb muss es uns ein Anliegen sein, dass Wild ­möglichst wenig Gefahr damit ver­bindet. Somit ist nicht nur das un­bemerkte Zugehen zum Sitz, sondern auch dessen möglichst unauffälliges Verlassen wichtig. Frühzeitiges Auf­baumen noch vor dem Ausziehen des Wildes ist empfehlenswert. Auch das Verhalten des Jägers nach dem Schuss spielt eine Rolle. ­Oftmals werden nicht alle Stücke erlegt, und es verbleiben „Zeugen“, deren Aufmerksam­keit nach dem Schuss selbstredend erhöht ist.
Wer sich hier unruhig verhält und beispielsweise per Telefon sein Jagd­erlebnis lautstark mitteilt, darf sich nicht wundern, wenn diese ­Jagdfläche immer weniger vom Wild angenommen wird. Vor allem ältere Stücke sind sehr sensibel. Nach dem Schuss heißt es für die nächsten – ­mindestens zwanzig – Minuten, Ruhe zu bewahren, damit kein weiterer ­Verdacht geschöpft ­werden kann.

Am Ende steht der Erfolg

Auch das Bergen erlegten Wildes
sollte leise und mit Bedacht erfolgen, um keine unnötige Unruhe zu verur­sachen. Auch das Thema Wind ist sehr heikel. Wer öfter und hintereinander im falschen Wind sitzt, muss seinen Ansitz bald vor leerer Bühne ver­bringen. Vor allem scheue Wildarten, wie etwa Rot- oder Schwarzwild, sind schnell vergrämt. Nicht zuletzt ist auch die Funktionstüchtigkeit von Hochständen zu prüfen. Nicht selten haben knarrende Hoch­stand­türen oder schleifende Fenster vielversprechende Situationen zunichte gemacht.
Jagdliche Einrichtungen können mit der Zustimmung des Grundeigen­tümers im Revier aufgestellt werden. Den richtigen Platz dafür vorab zu ­finden, ist nicht gerade leicht, jedoch können bestimmte Parameter die Suche entscheidend unterstützen.
Zumeist stellt der endgültige ­Aufstellungsort der Reviereinrichtung einen Kompromiss aus vielen dieser Faktoren dar, wobei am Ende auch das Bauchgefühl des Jägers ausschlag­gebend sein wird. Wer mit jagdlicher ­Selbstdisziplin und entsprechendem Bewusst­sein jagt, wird nachhaltig ­Erfolg haben.

Checkliste für die Suche nach günstigen Aufstellplätzen:

  • Zu- und Abgänge sind für den Jäger möglichst unbemerkt und gedeckt erreichbar
  • Birschsteige sind sauber und führen nicht durch Wildeinstandsflächen
  • guter Einblick auf Wildwechsel
  • Berge- und Zufahrts­möglichkeit mit dem Kfz
  • Angebot an Äsungs- und Einstandsflächen
  • Ansitzplatz eher im Schatten als in direkter Sonneneinstrahlung
  • Aufstellungsort am Waldrand ist nicht immer optimal
  • Position im Feld mit einigen Vorteilen
  • Kugelfang ohne Wenn und Aber – keine Kompromisse!
  • Möglichst steiler ­Einschuss­winkel (stets >10°)
  • ausreichenden Einblick in die Jagdfläche vorab prüfen
  • Windverhältnisse berücksichtigen!
  • manche Ansitze auch auf eher unübliche Wind­richtungen auslegen

Foto Dominik Steinhauser