Zu hohe Windbelastung - Damit Hochstände unter Windbelastung nicht umstürzen, müssen sie ent­sprechend gesichert werden. - © Dominik Steinhauser
Serie

Nicht nur bei der Neuübernahme eines Reviers, sondern auch bei gravierenden Landschaftsveränderungen sollte die Sinnhaftigkeit von Hochständen in Bezug auf deren Positionierung untersucht werden. Wie die Effizienz bestehender Hochstände geprüft werden kann und worauf bei der Suche nach einem neuen Aufstellungsort geachtet werden soll, hat sich das WEIDWERK angesehen.

Ist ein neuer, vielversprechender Platz für die Reviereinrichtung ­gefunden, darf beim Aufstellen die Windsicherung nicht vergessen werden, denn in Österreich haben wir bereits heftige Stürme mit enormen Sachschäden erleben müssen. Klimaforscher prognostizieren für die Zukunft vermehrt Wetterkapriolen mit Windspitzen von weit über 100 km/h, denen unsere Hochstände standhalten müssen. Die gängigsten Sicherungs­methoden sind die Verwendung von Erd­ankern, Abstützungen und Zug­seilen in Kombination mit geneigten Hauptstützen für eine breitere Aufstands­fläche. Wie solche Verankerungen und Konstruktionen von Hochstandsicherungen in der Praxis aussehen können, hat sich das WEIDWERK im Detail angesehen.
Wir Jäger errichten unter großer Kraftanstrengung und mit viel handwerklichem Geschick unsere Revier­einrichtungen an strategisch günstigen Plätzen. Eine jährliche Wartung, um eine lange Nutzungsdauer zu gewähren, ist unumgänglich (siehe WEIDWERK 3/2020, Seite 38). Es ist besonders ­gefährlich und ärgerlich, wenn ein Starkwindereignis einen Hochstand zu Fall bringt. Man möchte sich nicht ausmalen, wie schwer eine Person verletzt wird, wenn sie sich zum Zeitpunkt des Umstürzens auf dem Hochstand be­findet. Die Auswirkungen wären fatal, könnten im schlimmsten Fall sogar den Tod der Person zur Folge haben.
Deshalb sind bereits beim Bau von Reviereinrichtungen Vorkehrungen zu treffen, die unsere Hochstände gegen Windbelastungen immun machen. Das WEIDWERK stellt gängige Möglich­keiten vor, wie man dem Wind „ein Schnippchen schlägt“ und Hochstände erfolgreich gegen das Umstürzen sichert.

Wozu Sichern?

Hochstände haben aufgrund ihrer Geometrie einen hohen Konstruktionsschwerpunkt, weswegen sie auch extrem windanfällig sind – insbesondere, wenn der Hochstand auf freiem Feld errichtet wird. Windbelastungen werden oftmals unterschätzt. Sie sind dann besser nachvollziehbar, wenn man beispielsweise als Beifahrer die Handfläche (etwa 100 cm²) im fahrenden Auto (zum Beispiel bei 100 km/h) aus dem Fenster hält und die Wind­belastung spürt. Die durchschnitt­liche Seitenfläche einer Hoch­stand­kanzel (2×1,40 m = 28.000 cm²) ist ungefähr 280-mal so groß wie die Handfläche und wird vom Wind um diesen Faktor stärker belastet. Sämt­liche auf einen Hochstand (vorwiegend auf die Kanzel) wirkende Windkräfte müssen über die gesamte Konstruktion bis zum Fundament in den Boden ­sicher abgeleitet werden!

Interne und externe Stabilität

Damit ein Hochstand unter Wind­belastung nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, ist es am einfachsten, jede Seite des Gerüstbocks mit Streben auszukreuzen. Dies wird in der Baufachsprache als „Windverband“ bezeichnet und sichert die interne ­Stabilität. Die verwendeten Diagonalstangen müssen nicht so stark dimensioniert sein wie die Hauptstützen.
Um die externe ­Stabilität bei einem Hochstand zu ­gewährleisten – das heißt, die Gesamtkonstruktion gegen das Umstürzen zu sichern –, kommen vorwiegend Erd­anker, Zugseile oder Schrägstützen zum Einsatz.Die Stabilität eines Hochstandes wird allein dabei schon dadurch maßgeblich ­erhöht, wenn die Hauptstützen nicht gerade, sondern schräg nach außen ausgeführt werden. Hiedurch vergrößert sich die Bodenaufstandsfläche, und ein Neigungsverhältnis von 10:1 (Höhe zu Breite) ist dabei ein gängiges Maß. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Ver­größerung der Bodenaufstandsfläche bei einem 3 m hohen Gerüstbock links und rechts je 30 cm beträgt.
Ein Hochstand ist nur so sicher wie seine Fundamente! Diese werden am häufigsten mit flachen Steinen, Beton- oder Stahlplatten realisiert, auf denen die Hauptstützen lasten. Dadurch entsteht eine saubere und stabile Aufstandsfläche, welche den Feuchtetransport vom Erdreich in die Hauptstütze unterbindet und alle Belastungen gleich­mäßig verteilt in den Boden abträgt.

An dieser Stelle präsentieren wir gängige Möglich­keiten, wie man dem Wind „ein Schnippchen schlägt“ und Hochstände erfolgreich gegen das Umstürzen sichert.

Geneigte Hauptstützen - Geneigte Hauptstützen vergrößern die Boden­aufstandsfläche und damit die Stabilität. - © Dominik Steinhauser
Geneigte Hauptstützen © Dominik Steinhauser
Sicherung der Leiter - Die Verankerung des Leiteraufstandspunkts sichert die Leiter zusätzlich. - © Dominik Steinhauser
Sicherung der Leiter © Dominik Steinhauser
Stahlplattenfundament - Optimaler Kraftfluss von der Hauptstütze über das Stahlplattenfundament und den Erdanker mit Querbolzen bis ins Erdreich. - © Dominik Steinhauser
Stahlplattenfundament © Dominik Steinhauser
Top gesichert! - Alle Sicherungselemente an Bord: Erdanker in Form von Winkeleisen, ­Schrägstützen und Steine als Ballast - © Dominik Steinhauser
Top gesichert! © Dominik Steinhauser
Winkeleisen als Erdanker - Winkeleisen können ­ebenso als Erdanker verwendet werden. Dazu werden Eisenprofile (zum Beispiel Winkel­profil 80×80×6 mm) mit dem Vorschlag­hammer über einen Drei­viertel­meter ins Erdreich geschlagen. Winkeleisen sind tief ins Erdreich zu treiben, um ausreichenden Verbund <br />
mit dem Boden zu erreichen - © Dominik Steinhauser
Winkeleisen als Erdanker © Dominik Steinhauser
Zugseil als Sicherung - Zugseile müssen stets gespannt sein, um ihre Wirksamkeit zu behalten; sie sind regelmäßig auf Spannung zu prüfen! - © Dominik Steinhauser
Zugseil als Sicherung © Dominik Steinhauser
Hochstand, seitlich abgestützt - Seitliche Schrägstützen im Neigungs­verhältnis 3:1 stellen eine wirkungs­volle Vorkehrung zur erfolgreichen ­Ableitung der Windkräfte dar. - © Dominik Steinhauser
Hochstand, seitlich abgestützt © Dominik Steinhauser
Erdanker, Marke "Eigenbau" - Erd­anker können auf Basis von Bewehrungs­eisen mit angeschweißten Flach­eisen selbst gebaut werden. - © Dominik Steinhauser
Erdanker, Marke "Eigenbau" © Dominik Steinhauser
Verschraubung mit Hauptstütze - Das eingeschlagene Winkeleisen wird mit der Hauptstütze verschraubt. - © Dominik Steinhauser
Verschraubung mit Hauptstütze © Dominik Steinhauser

Erdanker

Erdanker haben die Aufgabe, Reviereinrichtungen mit dem Erdreich kraftschlüssig zu verbinden. Selbstverständlich können Erdanker nur bei festem Erdreich verwendet werden. Weicher, sandiger oder loser Boden würde dem Anker zu wenig Ausziehwiderstand ­bieten, der bei Windangriff aktiviert wird. Es stehen mehrere Formen von Erd­ankern zur Verfügung, die einerseits selbst gebaut oder auch einsatzfertig gekauft werden können.
Die Eigenbauvariante wäre zum Beispiel ein einfaches Bewehrungseisen (Betonrippenstahl) mit 20 mm Durchmesser, an dem auf der unteren Seite eine Art Spitze aus Flacheisen angeschweißt wird. Am oberen Ende wird ebenfalls eine ­Lasche aus Flacheisen angeschweißt, welche zuvor durchbohrt wird; durch diese Bohrung wird der Anker mit der Hauptstütze verschraubt. Anstatt der oberen Eisenlasche kann auch eine Schrauben­mutter oder eine Beilagscheibe an­geschweißt werden. Werden Leitern an ihrem Aufstandspunkt mit dem
Erdreich ebenfalls verankert, kann die Gesamt­stabilität nochmals erhöht werden. Mit einem Vorschlaghammer werden Erdanker möglichst tief in den Boden getrieben. Erdanker sollten nicht aus Holz ausgeführt werden; Holz wird im Boden rasch morsch und verliert seine Haltekraft bereits nach kurzer Zeit.
Im Gegensatz zu den eingeschlagenen Erdankern gibt es auch einschraubbare Erdanker, die eine Spiral­form ­aufweisen. Manche Erd­anker dienen zugleich auch als einschlag- oder einschraubbare Bodenhülse, in die die Hauptstütze anschließend gestellt und befestigt wird. Auf eine ent­sprechende Bodenfreiheit zum Erdreich ist zu ­achten, damit die Hauptstütze auch ausreichend trocknen kann.

Schrägstützen

Eine weitere Möglichkeit, um Hochstände vor Windeinwirkungen zu ­sichern, stellen Schrägstützen dar. Sie können mit Erdankern kombiniert werden. Dabei werden Schrägstützen mit einem empfohlenen Neigungs­verhältnis von mindestens 3:1 (Höhe zu Breite) an der Hochstandkonstruktion angebracht. Bei einem 3 m hohen Gerüst­bock beträgt die horizontale Ausladung also zumindest 1 m in jede Himmels­richtung.
Auch hier ist auf ein entsprechendes Fundament zu achten, sodass die Schrägstütze aus Holz nicht am feuchten Boden aufsteht und binnen kürzester Zeit abfault. Werden Schrägstützen zusätzlich noch über einen Erd­anker mit dem Boden verbunden, können darüber nicht nur Druck-, ­sondern auch Zugkräfte abgetragen werden. Dies spricht jedenfalls für mehr Stabilität!

Zugseile

Eine weitere Sicherungsmöglichkeit gegen Windbelastungen stellen Zugseile aus Stahl dar. Diese werden ebenfalls per Erdanker mit dem Boden verbunden. Über Ösen werden sie im oberen ­Bereich des Gerüstbocks montiert. Zugseile können lediglich Zug-, aber keine Druck­belastungen ableiten und müssen dadurch stets gespannt sein, um erfolgreich wirken zu können. Dies erfordert allerdings eine engmaschigere Kontrolle der Reviereinrichtung.
Wir Jäger sind für die Funktiona­lität und Sicherheit unserer Revier­einrichtungen verantwortlich. Auch Jagdgäste vertrauen auf deren Stand­festigkeit, wenn sie sie benutzen. Damit unsere Hochstände auch bei heftigen Stürmen sicher stehen bleiben, müssen wir konstruktive Vorkehrungen treffen. Diese Sicherungsmöglichkeiten sind relativ einfach umzusetzen, sofern ­gewisse Aspekte eingehalten werden. Das WEIDWERK-Team wünscht viel Erfolg beim sicheren Ankern und ­Stützen!

Foto Dominik Steinhauser