Test

2. Teil | Nightvision: Wenn die Nacht zum Tag wird

May 28, 2020 -
Dipol DN55XT - Vorsatzgerät mit Bildverstärkerröhre Dipol DN55XT, montiert auf Blaser R8 Professional Success, in Kombination mit Zeiss Conquest V6. - © Norbert Steinhauser

Seit Jänner 2020 dürfen in Niederösterreich nach einer Änderung des NÖ Jagdgesetzes im Rahmen der nächtlichen Wildschweinjagd auch künstliche Nachtzielhilfen verwendet werden. – 2. Teil einer umfassenden WEIDWERK-Serie, die den interessierten Jäger im wahrsten Sinne des Wortes „erleuchten“ wird!

Die Ansitzjagd auf Sauen gerät schnell zur Mühsal, wenn die Schwarzkittel im Schlagschatten der Bäume ver­harren, nicht zur Kirrung ziehen und man sie auch bei gutem Mondlicht nur sehr schwer ansprechen kann. Hier hilft ein Blick durch einen Restlicht­verstärker, und schon ist alles offen­gelegt: Wo und wie die Sauen stehen, wie viele und welche es sind, ob ein Kugelfang vorhanden ist usw.
Eines ist klar: Wir müssen in ­Sachen Schwarzwildbejagung professionell, aber auch weidgerecht handeln, denn das Damoklesschwert „Afrikanische Schweine­pest“ hängt bedrohlich nah über uns.

Restlichtverstärker

Den Beginn unseres Tests machen die Restlichtverstärker; Herzstück eines solchen Geräts ist die Bildverstärker- oder Bildwandlerröhre, die im Grunde nur von wenigen Produzenten erzeugt und dann zu den einzelnen Herstellern von Nachtsichtgeräten zugeliefert wird. Ein Restlichtverstärker verstärkt das vorhandene Licht je nach Generation des Technikstandes ums Tausendfache, wodurch man auch bei völliger Dunkelheit ein Echtbild erhält. Das heißt, das Bild ist dasselbe wie beim Blick durchs Zielfernrohr – nur in grüner oder weißer Farbgebung.
Woran erkennt man aber die Qualität eines Restlichtverstärkers? Ein Wert, der immer wieder in der Werbung auftaucht, ist der „FOM-Wert“. Dieser ist das Resultat aus der Bildauflösung und dem Signal-Rausch-Verhältnis der Verstärkerröhre. Je höher dieser Wert bzw. der des Signal-Rausch-Verhältnisses, desto besser die Qualität des Restlichtverstärkers. Im Zuge der technischen Entwicklung wird bei diesen Geräten oder Bildwandlerröhren zwischen mehreren „Generationen“ unterschieden. Generation 1 liefert die geringste Lichtverstärkung und muss oft durch IR-Licht unterstützt werden. Jede weitere Generation dieser Bildwandlerröhren sorgt für genauere und schärfere Bilder und verbessert damit die Wahrnehmung des Objekts oder der Landschaft. Die Lebensdauer solcher hochwertiger Geräte kann bis zu 15.000 Betriebsstunden, die Verstärkung des Lichts das 50.000-fache betragen. Geräte ab Generation 3 und speziell bezeichnete Bildverstärkerröhren sind meist dem Militär vorbehalten und können am Zivilmarkt für gewöhnlich nicht erworben werden. Die Generation 2 oder 2+ ist, verglichen mit der Generation 1, meist wesentlich teurer.
Es ist aber nicht nur die Bildverstärkerröhre, die für eine gute Auflösung verantwortlich ist; auch die Komponenten der optischen Vergütung der Linsen zeichnen den Gesamteindruck eines guten Geräts aus. Ausschlaggebend ist aber die persönliche Wahrnehmung der Bildauflösung oder der Bildschärfe – und die ist letztlich subjektiv: Wo der eine Jäger mit der Bildauflösung bereits hochzufrieden ist, könnte der andere noch ein wenig mehr vertragen. Testen in der Praxis, und das heißt im Revier, ist das Um und Auf, denn dort werden die Unterschiede offensichtlich. Schließlich und endlich kauft man sich ein solches Gerät nicht nur für den nächsten Ansitz . . .

Eines ist klar: Wir müssen in ­Sachen Schwarzwildbejagung professionell, aber auch weidgerecht handeln, denn das Damoklesschwert „Afrikanische Schweine­pest“ hängt bedrohlich nah über uns.

Welche Qualität?

Vor dem Kauf muss man sich darüber im Klaren sein, wo und wie das Nachtsichtgerät eingesetzt werden soll. Der Schuss auf 50 m zur Kirrung erfordert sicherlich nicht die höchste Qualität und wird auch mit einem Gerät der Generation 1 möglich sein. Der Schuss auf eine Entfernung von 100 m oder darüber erfordert allerdings schon eine genauere und eindeutigere Identifizierung und damit eine entsprechend höhere Qualität.
Zieloptiken mit Restlichtverstärkertechnik können, wie bereits erwähnt, das zwar nur spärliche, aber dennoch vorhandene Licht verstärken, doch bei Neumond, wenn es so richtig dunkel ist, ist dennoch eine Infrarot-Lichteinheit (Kunstlicht) notwendig; in der Praxis muss dann ein „Scheinwerfer“ dazugeschaltet werden, der ein für uns Menschen und für das Wild nicht wahrnehmbares Infrarotlicht erzeugt. Damit ist Licht vorhanden, das wiederum von der Bildverstärkerröhre verstärkt werden kann und wir als Echtbild wahrnehmen können. Je höher die Qualität der Bildverstärkerröhre, desto weniger stark muss mit einer IR-Lampe aufgehellt werden.

Welche Infrarotlampe?

Um Licht für einen Restlichtverstärker zu erzeugen, das vom Wild nicht wahrgenommen werden kann, muss Infrarotlicht einer bestimmten Wellenlänge zum Einsatz kommen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Wild einen Lichtstrahl ab einer Wellenlänge von 850 Nanometer (IR-Led-Strahler ab 900 nm) nicht wahrnehmen kann. Es befinden sich aber auch Lampen mit minderer Qualität am Markt, die in ihrer Wellenlänge beträchtlich streuen. So kann es sein, dass diese Lampen Streulicht unter 850 nm (Led unter 900 nm) liefern, und da ist es nicht verwunderlich, wenn so konditionierte Sauen plötzlich aufwerfen und abgehen. Der Lichtstrahl kann in Form eines IR-Lasers (meist Bündellicht) oder eines IR-Strahlers (meist Streulicht) ausgebildet sein. Aber Achtung: Grundsätzlich sind nur IR-Lampen und IR-Laser der Klasse 1 für den zivilen Einsatzbereich zulässig! Das bedeutet, dass Klasse 1 weitgehend augensicher ist, wenngleich ein längeres Einstrahlen in die Augen auch bei diesen Geräten zu unterlassen ist (Verletzungsgefahr). Manche Jäger erwerben im Internet Infrarotstrahler oder IR-Laser mit wesentlich höherer Leistung als Klasse 1. Dies kann dann brandgefährlich werden, wenn das Gewehr in der Kanzel abgestellt ist und man vergisst, den IR-Strahler abzuschalten (den man nicht wahrnimmt); hier kann es ganz leicht passieren, dass beim Aufnehmen der Büchse das IR-Licht im wahrsten Sinne des Wortes direkt ins Auge geht, wodurch eine schwere Augenverletzung bis hin zur Netzhautablösung nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich ist! Daher sollte eine IR-Lampe grundsätzlich über ein kleines Betriebslicht (LED) verfügen, damit man sieht, ob das IR-Licht ein- oder ausgeschaltet ist.

Jagen mit Restlichtverstärker

Bei der Jagd punktet der Restlicht­verstärker mit einem Echtbild. Wild in seiner natürlichen Form kann wahrgenommen, aber auch die Um­gebung kann im Hinblick auf einen aus­reichenden Kugelfang eingeschätzt werden.
Die Beobachtung durch ein geschlossenes Kanzelfenster ist zwar möglich, wenn aber aufgrund von zu geringen Lichtverhältnissen IR-Licht dazugeschaltet werden muss, kann dies Reflexionen zur Folge haben. Daher funktioniert das Beobachten mit IR-Licht bei geschlossenen Fenstern für gewöhnlich nicht. Auch Reflexionen von IR-Licht, also ein Zurückstrahlen in den Augenbereich, wird von Fachleuten beschrieben. Dies könnte bei einem leistungsstarken Laser ebenfalls fatal enden. Bei Sichtbeeinträchtigungen, wie Nebel, Regen bzw. Schneefall, stößt der Restlichtverstärker natur­gemäß an seine Grenzen.
Beim Kauf einer künstlichen Nachtzielhilfe sollte unbedingt auf die Einschaltzeit geachtet werden. Manchmal benötigen die Geräte zum Hochfahren eine gefühlte Ewigkeit, und das kann für eine jagdlich relevante Chance bereits zu viel sein. In diesem Punkt rangieren Restlichtverstärker sicherlich vor vielen Wärmebildkameras.
Wie bereits angeführt, handelt es sich beim Restlichtverstärker um ein Echtbild, und dieses ist – im Unterschied zu vielen Wärmebildkameras – angenehm hell, wodurch der Sehkomfort wesentlich erhöht wird. Somit ist in den meisten Fällen ein langes Beobachten für die Augen auch in der Dunkelheit recht angenehm. Bei der Montage des Restlichtverstärkers oder eines anderen Geräts gilt es, auf eine gute, stabile Montage zu achten, die denselben Schießkomfort bietet wie das gewohnte Zielfernrohr. Manchmal ist der IR-Strahler aber so ungünstig montiert, dass er auf den Kornsattel oder den Schalldämpfer strahlt (sofern vorhanden), wodurch ein Teil des Lichts im Zentrum des Bildes absorbiert wird – schlechte Qualität und Auflösung im Zentrum des Bildes sind die Folge.
Bildwandlerröhren verfügen über eine relative Standzeit und damit über ein Ablaufdatum. Mit zunehmender Betriebszeit wird die Bildauflösung meist schlechter. Dies sollte unbedingt berücksichtigt werden, wenn sich mehrere Personen ein solches Gerät teilen, das dann andauernd in Betrieb ist. Schmutzige und verschmierte Linsen sowohl der Objektiv- als auch der Okularlinse, gegebenenfalls der Linsen des eigenen Zielfernrohrs (bei einem Vorsatzgerät), verringern die Qualität des Echtbildes beträchtlich.
Der Restlichtverstärker ist ein adäquates Hilfsmittel, wenn die Position des Wildes bekannt ist oder vermutet wird (Kirrung). Zum Suchen von Wild im Unterholz, das sich dort genauso wie am Tag gut getarnt positioniert, ist der Restlichtverstärker nicht die erste Wahl. Da diese Geräte „nur“ Licht verstärken, darf das Gerät mit offener Objektivlinse nicht am Tag benutzt oder eingeschossen werden. Eine Schutzklappe mit kleiner Lichtöffnung sorgt aber dafür, dass der Restlichtverstärker bei Tageslicht kontrollgeschossen werden kann.

Vorteile

  • Restlichtverstärker liefern ein „Echtbild“
  • Wild kann in seiner natürlichen Form eindeutig angesprochen und beobachtet werden
  • Landschaft und Hinterland können gut wahrgenommen werden, ­wodurch die Sicherheit bei der Schussabgabe – ein geeigneter Kugel­fang ist zu erkennen – ­beträchtlich erhöht wird
  • ohne IR-Licht kann Wild auch durch das geschlossene Fenster der Kanzel beobachtet werden
  • angenehme Bildhelligkeit und Sehkomfort im Dunkeln

Nachteile

  • Bei schlechten Lichtbedingungen muss IR-Licht dazugeschaltet ­werden.
  • Für das Suchen des Wildes im Unter­holz sind Restlichtverstärker weniger gut geeignet.
  • Der Betrieb (Beobachtung) am Tag – zum Beispiel beim Einschießen – ist nur mit Objektivschutzklappe möglich.
  • Bei Sichtbehinderungen, wie Nebel, Regen oder Schneefall, stößt der Restlichtverstärker an Grenzen!

WEIDWERK-Test

Um festzustellen, wo die Vor- und Nach­teile der Nachtsicht- und Wärmebildgeräte – Vorsatz-, Ziel- und Nachsatzgeräte – zu liegen kommen, haben
wir 17 Modelle zehn verschiedener Hersteller im Revier getestet. Es wurde für jedes Gerät ein Protokoll an­gefertigt, in das die einzelnen Test­parameter eingetragen wurden. Ein Beispiel: Es wurden Keilerscheiben in einer Entfernung von 50, 100, 150 und 200 m aufgestellt; auf den Scheiben befanden sich karoförmige Identifikationsflächen, die mit den Testgeräten auf unter­schied­liche Entfernungen erkannt werden mussten. Zudem haben wir (ohne Schuss) eruiert, ob das Abkommen
auf einer 5×8 cm großen Zielzone auf 50 und 100 m möglich ist.
Selbstverständlich ist mit sämt­lichen bei diesem Test verwendeten Geräten ein Probeschuss auf dem Schießstand zu absolvieren, um eine allfällige Treffpunktverlagerung zu eruieren!

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Die WEIDWERK-Nightvision-Serie im Überblick:

Jahnke DJ-8 NSV 1×48

Technische Daten

Jahnke DJ-8 NSV 1×48

Gewicht (inkl. Adapter) 850 g
Länge (inkl. Adapter) 230 mm
Preis (in €) ab 1.990,–
Technologie Restlichtverstärker, Gen. 2+
technischer Typ Vorsatzgerät

Der deutsche Hersteller Jahnke, der sich seit nunmehr 30 Jahren mit Nachtsichttechnik beschäftigt, war im Test mit zwei Restlichtverstärkern vertreten: Jahnke DJ-8 1×48 und Jahnke DJ-8 1×56. Beide Vorsatzgeräte waren mit einer hochqualitativen Bildverstärkerröhre der zweiten Generation (2+) ausge­stattet und bestachen mit einer sehr guten Verarbeitung.
Während das kleinere DJ-8 1×48 über sehr kompakte Abmessungen ­verfügt, könnte das DJ-8 1×56, das inkl. Adapter eine Länge von 278 mm aufweist, bei Büchsen mit kurzem Lauf und aufgesetztem Schalldämpfer bereits zu Problemen führen, da der zur Verfügung stehende Platz nicht ausreicht. Beide Modelle werden von jeweils zwei Energiequellen gespeist: einer CR2- (Restlichtverstärker) und einer CR123A-Batterie (IR-Lampe). Das Einschalten erfolgt durch Drehen des fluoreszierenden Ein- und Ausschalters; vor und nach dem Einsatz muss man sich immer davon überzeugen, dass das Gerät ausgeschaltet ist, da sonst einerseits die Batterie unnötig beansprucht wird und andererseits die Gefahr ­besteht, die Bildverstärkerröhre zu ­beschädigen, sollte das un­absichtlich eingeschaltete Gerät bei Tageslicht aus der Tasche genommen werden. Für diesen Fall schützt eine Objektivklappe, die allerdings auf ihrem Platz sein muss. Gefallen haben uns unter anderem die fluoreszierenden Bedieneinheiten, etwa der Schärfe-­Einstellhebel sowie die hochwertige Leder-­Umhängetasche, welche im Lieferumfang enthalten ist.

Jahnke DJ-8 NSV 1×48  - © Martin Grasberger

Jahnke DJ-8 NSV 1×48 © Martin Grasberger

Jahnke DJ-8 NSV 1×56

Technische Daten

Jahnke DJ-8 NSV 1×56

Gewicht (inkl. Adapter) 1.000 g
Länge (inkl. Adapter) 278 mm
Preis (in €) ab 3.490,–
Technologie Restlichtverstärker, Gen. 2+
technischer Typ Vorsatzgerät

Auch das Vorsatzgerät Jahnke DJ-8 NSV 1×56 war mit einer hochqualitativen Photonis-Bildverstärkerröhre der zweiten Generation (2+) ausge­stattet und vermittelte von Anfang an eine sehr gute Verarbeitung.
Ein Vier-Linsen-Okular mit einem Pupillen Durchmesser von 34 mm „ziert“ die DJ-8-NSV-Baureihe, was eine höhere Vergrößerungseinstellung bei der Primäroptik erlaubt. Das Jahnke DJ-8 NSV 1×56 besticht durch seinen effektiven Lichteinlass von 56 mm. Gegenüber dem Jahnke DJ-8 NSV 1×48 gibt es laut Hersteller eine Leistungssteigerung von 30%, die vor allem bei äußerst widrigen Lichtbedingungen augenscheinlich wird. Das Einschalten erfolgt durch Drehen des fluoreszierenden Ein- und Ausschalters. Gefallen haben uns unter anderem das einfache Handling, die fluoreszierenden Bedieneinheiten sowie die hochwertige Leder-­Umhängetasche, welche im Lieferumfang enthalten ist.

Jahnke DJ-8 NSV 1×56 - © Martin Grasberger

Jahnke DJ-8 NSV 1×56 © Martin Grasberger

Dipol DN55XT

Technische Daten

Dipol DN55XT

Gewicht (inkl. Adapter) 850 g
Länge (inkl. Adapter) 205 mm
Preis (in €) ab 2.231,–
Technologie Restlichtverstärker, Gen. 2+
technischer Typ Vorsatzgerät

Der dritte Restlichtverstärker dieses Tests – Dipol DN55 XT – verfügt über eine Bildverstärkerröhre der Generation 2+, einen 55 mm-Objektivdurchmesser und eine manuelle Helligkeitsregelung. Das uns zur Verfügung stehende Testgerät erzeugte ein weißes Bild, wahlweise gibt es dieses auch in Grün.
Auch dieses Vorsatzgerät präsentierte sich kompakt, wodurch man bei der Nutzung eines Schalldämpfers nicht eingeschränkt ist, und äußerst robust. Gefallen hat uns das dimm­-bare Bild, welches je nach Dunkelheit ­optimal auf das Auge des Jägers ein­gestellt werden kann, um so angenehm wie möglich zu sein.

Dipol DN55XT - © Martin Grasberger

Dipol DN55XT © Martin Grasberger