Rehwild-Jagdstrecke - Jährlich werden heute in Österreich rund 285.000 Rehe erlegt, fast dreimal so viele wie noch vor 60 Jahren. - © Michael Breuer
Serie

Abschussdichten verschiedener Wildarten in den ­­öster­reichischen Bezirken seit 1955. – 6. Teil: Rehwild.

In den Jahren 2005/06 erschien im WEIDWERK zum Jubiläum „50 Jahre Staatsvertrag“ eine 19-­teilige Serie mit einem Rückblick auf die Veränderung der Jagdstrecke in Österreich in Abhängigkeit von Lebens­raumtyp und Wildart. Nun erfolgt für einige Wildarten ein Update mit den weiteren Entwicklungen in den letzten 15 Jahren. Diese WEIDWERK-Serie bietet einen Überblick über die oft inte­ressanten Veränderungen während der letzten 64 Jahre.
Die Bezirke mit den besten Rehwildhabitaten Österreichs (Hügellandschaften mit häufigem Wechsel von Wald und landwirtschaftlich genutzten Flächen) wiesen bereits in der ersten Periode (1955–1964), als Rehwild im Gebirge und auch im Flachland noch spärlich vorhanden war, Abschuss­dichten von über vier Stück pro 100 ha auf.
In der zweiten bis fünften Periode ist die sukzessive Ausbreitung des Kultur­folgers Reh in Österreich an den an­steigenden Abschussdichten gut er­sicht­lich (siehe Abbildung 1). Derzeit weisen nahezu alle Bezirke in Österreich Abschuss­dichten über ein Stück, viele davon über zwei bzw. vier Stück und vier Bezirkesogar über acht Stück pro 100 ha Bezirks­fläche auf. Die größte mittlere Abschussdichte ergibt sich für den ­Bezirk Eferding (OÖ) mit 12,5 Stück/­100 ha (Periode 2005–2014).
In den Bezirksflächen sind alle vom Rehwild nicht besiedelten Flächen, deren genaues Flächenausmaß unbekannt ist, inkludiert. Es ist also davon aus­zugehen, dass die tatsächlich vom ­Rehwild bewohnte Fläche kleiner als die Bezirksfläche ist, wodurch Abschussdichten, bezogen auf die besiedelte ­Fläche, höher ausfallen würden. Dies stört aber nicht den Vergleich der Abschuss­entwicklung auf identen Bezirks­flächen über die Zeit. Lokale, revierweise Abschussdichten können von diesem durchschnittlichen Bezirkswert stärker abweichen.

Abbildung 1 - Durchschnittliche jährliche Abschuss­dichten pro 100 ha Bezirksfläche für das Rehwild. - © Grafik Reimoser

Abbildung 1 © Grafik Reimoser

Jagddruck

Dass heute trotz zunehmender Lebensraumeinschränkung und vermehrter Barrieren für das Wild mehr Rehe zur Strecke kommen als in den ­ver­gangenen Jahrzehnten, kann jagdlich als Erfolg gesehen werden. ­Zumindest wenn damit keine landeskulturell ­untragbaren Wildschäden verbunden sind. In den Bezirken mit längerfristig sehr hohen Abschuss­dichten stellt sich ­jedoch die Frage, ob diese Dichten jagdwirtschaftlich auf Dauer erwünscht sind. Eine sehr hohe Strecke erfordert für die Abschuss­planerfüllung und Wildstandsregulierung einen ent­sprechend hohen Zeitaufwand, der dann oft nicht mehr gewährleistet werden kann.
Der Jagddruck steigt bei hoher Abschussdichte in der Regel an, wodurch das Wild scheuer und schwieriger ­bejagbar wird. Die Gefahr von Wildschäden in der Land- und Forst­wirtschaft ist bei hohen Wildbeständen naturgemäß erhöht, vor allem eine weitgehend schadensfreie Überwinterung des Wildes kann dann besonders schwierig werden. Damit die Entwicklung nicht in eine ungewollte Richtung läuft, die letztlich schwierig zu korrigie­ren ist, sind rechtzeitig klare Zielvorgaben und konsequente Maßnahmen erforderlich. Diese können ­regional unterschiedlich sein.

Abbildung 2 - Jährlicher Rehwildabschuss in Österreich von 1955 bis 2018 für Böcke, Geißen und Kitze (Kitze erst ab 1961 separat erfasst, vorher selten erlegt und bei Geißen dabei) sowie ­Fallwild gesamt seit 1968 und Verkehrsfallwild seit 1974. - © Grafik Reimoser

Abbildung 2 © Grafik Reimoser

Abbildung 3 - Jährlicher Rehwildabschuss in den österreichischen Bundesländern von 1955 bis 2018. Die wellen­­­förmige Abschussentwicklung erfolgte in den Bundesländern weitgehend parallel. <br />
  - © Grafik Reimoser

Abbildung 3 © Grafik Reimoser

Foto Michael Breuer