Gamsbrunft! - Jährlich werden heute in Österreich rund 20.000 Gams erlegt, etwa doppelt so viele wie vor 60 Jahren. Vor 15 Jahren waren es noch rund 25.000 Stück. - © Stefan Meyers
Serie

Abschussdichten verschiedener Wildarten in den öster­reichischen Bezirken seit 1955.

In den Jahren 2005/06 erschien im WEIDWERK zum Jubiläum „50 Jahre Staatsvertrag“ eine 19-teilige Serie mit einem Rückblick auf die Veränderung der Jagdstrecke in Österreich in Abhängigkeit von Lebensraumtyp und Wildart. Nun erfolgt für einige Wildarten ein Update mit den weiteren Entwicklungen des letzten Jahrzehnts. Diese WEIDWERK-Serie bietet einen Überblick über die oft interessanten Veränderungen während der letzten 64 Jahre.

Gamswild

Im ersten Teil dieser Serie betrachten wir das Gamswild. Am wohlsten fühlt sich diese Wildart im Waldgrenz­bereich, wo Offenflächen dominieren, wobei das Scharwild im Sommer ­besonders die äsungsdurchsetzten Felsbereiche oberhalb der Waldgrenze als Wohnraum bevorzugt und die älteren Böcke vorzugsweise die waldreicheren Teile des Lebensraumes nutzen. Gams können aber weitgehend unabhängig von der Seehöhe auch überall dort gut leben, wo steile und felsdurchsetzte Geländeteile mit guter Ausblick­möglichkeit für die Tiere ausreichend vorhanden sind. Dies können unbe­waldete Flächen ebenso sein wie nicht zu dichte Wälder.

Abbildung 1 - Durchschnittliche jährliche Abschuss­dichten pro 100 ha Bezirksfläche für Gamswild. - © Grafik Reimoser

Abbildung 1 © Grafik Reimoser

Gams kommen lediglich im Alpenraum – südlich der Donau – vor. In den Hauptlebensräumen des Gams­wildes, den Hochgebirgsbezirken und Bezirken mit sehr felsdurchsetzten Bergwäldern (insbesondere der Kalkalpen) lagen die Abschussdichten in der ersten Periode (1955–1964) einheitlich zwischen 0,1 und 0,5 Stück pro 100 ha Bezirksfläche, in den Randgebieten darunter (siehe Abbildung 1). In der zweiten bis vierten Periode bleibt das Vorkommensgebiet des Gamswildes weitgehend konstant, aber die Abschussdichten steigen in vielen Bezirken auf 0,5
bis 1 Stück, in einem Bezirk sogar auf über 1 Stück pro 100 ha an. Zuerst steigt der Abschuss in einigen Tiroler Bezirken, danach folgen Bezirke aus den benachbarten Bundesländern Salzburg, Kärnten und Vorarlberg sowie der Steiermark und Oberösterreich, ­zuletzt erreichen auch einige Bezirke Niederösterreichs mit vorwiegend Wald­gamsvorkommen Abschussdichten über 0,5 Stück je 100 ha. In der Periode 1985–1994 wird eine Maximalanzahl von 22 ­Bezirken mit Abschussdichten über 0,5 Stück je 100 ha erreicht. Danach wird in manchen Bezirken ein Rückgang der Abschussdichte ersichtlich (Abbildung 1); in der Periode 1995–2004 wird in 19 Bezirken und 2005–2014 nur mehr in 8 Bezirken eine Abschussdichte von über 0,5 Stück je 100 ha erreicht. ­Zuletzt (2015–2018) ist diese Abschussdichte wieder in 13 Bezirken aufge­treten.
In die Bezirksflächen sind alle von Gamswild unbesiedelten Flächen, deren genaues Ausmaß unbekannt ist, inkludiert. Es ist also davon auszugehen, dass die tatsächlich vom Gams bewohnte Fläche kleiner als die Bezirksfläche ist, wodurch Abschussdichten, bezogen auf die besiedelte Fläche, etwas höher ausfallen würden. Dies stört aber den Vergleich der Abschussentwicklung auf identen Bezirksflächen über die Zeit nicht. Lokale, revierweise Abschussdichten können von diesem durchschnittlichen Bezirkswert deutlich abweichen. Die unterste Stufe der ­Abschussdichte (0,001–0,1) wird bereits erreicht, sobald im Bezirk 1 Stück in 10 Jahren erlegt wird.

Abbildung 2 - Jährlicher Gamswildabschuss in Österreich von 1955 bis 2018, gegliedert nach Böcken, ­Geißen, Kitzen sowie Fallwild von 1968 bis 2018. - © Grafik Reimoser
Abbildung 2 © Grafik Reimoser
Abbildung 3 - Jährlicher Gamswildabschuss in den öster­reichischen Bundesländern von 1955 bis 2018. - © Grafik Reimoser
Abbildung 3 © Grafik Reimoser

Foto Stefan Meyers