Damwild - © Michael Breuer
Serie

Für Jäger und Naturinteressierte bietet jeder Monat des Jahres seine Highlights. Während manche Naturschauspiele, wie Brunft oder Balz, meist recht spektakulär ablaufen, gibt es auch zahlreiche Details, die uns auf den ersten Blick verborgen ­bleiben. Zeit, diese vor den Vorhang zu holen. – Damwild.

Bleiben wir nach dem Einblick in den Jahreslauf des Rotwildes bei den Geweihträgern. Ein kleinerer Verwandter ist das Damwild, früher auch „Damenwild“ oder „Tannenwild“ genannt. Je nachdem, wie weit man in der Zeit zurückgeht, war diese Wildart bei uns ursprünglich heimisch oder ist als bereits langjähriger Neubürger in Mitteleuropa anzusehen.

Römisches Erbe

Die heutige Verbreitung des Damwildes ist wieder einmal auf die Eiszeiten zurückzuführen. Damwild war voreiszeitlich in Mitteleuropa verbreitet, davon zeugen archäologische Knochenfunde. Die aus dem Norden vordringenden Eisplatten haben diese Wildart nach Süden, unter anderem nach Vorderasien und in den Balkan, verdrängt.

Bereits im antiken Griechenland wurde diese Wildart in Gattern gehalten. Vor etwa 2.000 Jahren führten sie dann die Römer als Opfertier wieder nach Mitteleuropa ein. Im Hochmittelalter war das Fleisch begehrt, und so fand das Damwild in den Gattern der Fürstenhöfe Einzug. Seine geringen Ansprüche an den Lebensraum, die Verträglichkeit untereinander sowie die im Vergleich zu Rotwild geringere Scheu vor dem Menschen begünstigen die Haltung des Damwildes in Gattern.

Gatterwild

Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Damwild teils systematisch dort ausgewildert, wo das Rotwild nicht mehr vorkam. Außerdem darf man davon ausgehen, dass sich die heutigen Populationen teilweise auch auf Gehegeflüchtlinge zurückführen lassen – manch ein Stück findet immer den Weg über einen Zaun in die Freiheit. Noch heute kommt das Damwild in vielen Ländern hauptsächlich in Wildparks oder als Gatterwild vor.

Auch in Österreich ist das Damwild fast ausschließlich in Gattern und Wildparks und nur selten in freier Wildbahn anzutreffen. Die österreichweit meisten Abschüsse werden im Bezirk Horn, Niederösterreich, getätigt – der Bezirk bringt es auf etwa 20 % des österreichischen Damwild-Abschusses. Die größten frei lebenden Bestände finden sich jedoch in Großbritannien.

Variable Färbung

Die Naturform des Damwildes ist im Sommer rötlich-braun. Auch die Adulten zeigen noch die weißen Flecken, die bei Rehkitzen oder Rotwildkälbern im Laufe des ersten Sommers verschwinden. Beim Damwild sind diese Flecken in der Sommerdecke teilweise in Reihen angeordnet und verlaufen linienartig entlang der Flanken. Der dunkle Aalstrich auf dem Ziemer setzt sich bis an die Spitze des Wedels fort. Im Winter zeigt sich diese Wildart hingegen in einer dunkelbraunen Decke, in der die Flecken weniger gut sichtbar sind.

Wie bei der Zucht nicht unüblich, haben sich aus der Naturform über die Jahrhunderte verschiedene Farbschläge entwickelt. So findet man in Gattern und Wildparks heute Tiere, die weiß, typisch braun oder sogar auch fast schwarz sein können.

Damenwahl

Wenn die Brunft des Rotwildes auch in den gebirgigen Lagen abklingt, stehen die Damhirsche bereits in den Startlöchern – oder besser gesagt: in den Brunftkuhlen. Anders als die anderen heimischen Schalenwildarten scharren brunftige Damhirsche mit ihren Vorderläufen Kuhlen in den Boden, die sie mit ihrem Urin markieren und gegen Rivalen verteidigen. Die traditionellen Brunftplätze, die sich meist auf kleinen Blößen in deckungsreichen Laubwäldern befinden, werden jedes Jahr wieder aufgesucht, wodurch die Brunftkuhlen über die Jahre immer ausgeprägter werden.

Ab September lösen sich die älteren Hirsche aus den Rudeln, besetzen die Brunftterritorien und verkünden lauthals ihre Anwesenheit. Mit dem beeindruckenden Röhren der Rothirsche ist dies jedoch bei Weitem nicht vergleichbar. Die Laute hören sich eher wie ein krächzendes Röcheln an. Zur innerartlichen Kommunikation reicht es aber allemal. Jüngere Hirsche werden von den reifen Schauflern meist nur vertrieben. Vehementer laufen die Kämpfe bei gleichrangigen Hirschen ab. Hier können die Kämpfe sogar tödlich enden. Dennoch: Ein Kampf ist die letzte Wahl. Vorher wird durch Imponiergehabe und Parallelgang versucht, den Eindringling aus dem eigenen Brunftterritorium zu begleiten.

Findet sich dann ab Mitte Oktober das Kahlwild für ein bis zwei Tage auf den Brunftplätzen ein, machen die Hirsche auf sich aufmerksam. Da die Territorien der Herren jedoch mitunter nur wenige Meter voneinander entfernt sind und sie diese während der Brunft so gut wie nicht verlassen, bleibt ihnen keine Wahl, als das Kahlwild abzuwarten. Der Damhirsch verteidigt nämlich – anders als der Rothirsch – keinen Harem, sondern nur sein Territorium. Auch hindert er Kahlwild nicht am Verlassen des Brunftplatzes. Es herrscht Damenwahl!

Im Dezember sind vereinzelt Nachbrunften möglich. Diese laufen ähnlich wie die Brunft des Rehwildes ab. Es werden dabei keine Brunftplätze mehr aufgesucht, sondern der Damhirsch treibt das Tier bis zum Beschlag.

Rudelbildung

Nach dem Beschlag gehen die Damtiere etwa 32 Wochen lang beschlagen. Die nach Geschlechtern getrennten Rudel finden sich über den Winter wieder zusammen. Die Größe der Rudel ändert sich dabei über den Jahreslauf. Kahlwildrudel sind stabiler als die eher lockeren Herrenrunden und setzen sich aus mehreren Damwildfamilien zusammen. Im Mai isolieren sich die hochbeschlagenen Tiere und stoßen dabei für ein paar Wochen auch den Vorjahresnachwuchs ab. Schmalspießer werden in dieser Zeit oft selbstständig, Schmaltiere finden sich in der Regel im Juli wieder mit Muttertier und Kalb zusammen. Teils ist zu beobachten, dass sich Kälber ab etwa der zweiten Lebenswoche in Gruppen zusammengesellen, in denen sie das arttypische Verhalten erlernen.

Löffel & Schaufeln

Damirsche werfen ab April das Geweih ab und schieben daraufhin ein neues. Verglichen mit dem Rotwild ist der gesamte Zyklus des Damwildes um etwa drei bis vier Wochen verzögert. Die Geweihentwicklung nimmt bei beiden Wildarten ähnlich viel Zeit in Anspruch, sodass Damhirsche erst im August und September verfegen. Abgesehen vom Elch, der in Österreich nur sporadisch vorkommt, ist die Bildung von Schaufeln im Geweih der Damhirsche in der heimischen Fauna einzigartig. Anhand dieser lassen sich Hirsche bis etwa zum vierten Lebensjahr relativ gut ansprechen. Im ersten Kopf werden sie Spießer genannt, im zweiten Löffler, anschließend werden sie zum Halbschaufler, angehenden Schaufler und Vollschaufler und schließlich zum Haupt- oder Kapitalschaufler.

Lebensraum

Das Damwild ist in seinen Lebensraumansprüchen sehr genügsam und anpassungsfähig. Es bevorzugt jedoch deckungsreiche Laubwälder mit lichtem Unterholz und kleinen Lichtungen. Im Gegensatz zu Rot- und Sikawild sucht es jedoch keine Suhlen auf. Diese Wildart ist extrem robust. Auch sehr harte Winter führen kaum zu Fallwild.

Damwild - © Reiner Bernhardt
Damwild © Reiner Bernhardt
Damwild - © Stefan Meyers
Damwild © Stefan Meyers
Damwild - © Michael Breuer
Damwild © Michael Breuer
Damwild - © Michael Breuer
Damwild © Michael Breuer
Damwild - © Stefan Meyers
Damwild © Stefan Meyers
Damwild - © Michael Breuer
Damwild © Michael Breuer
Damwild - © Willi Rolfes
Damwild © Willi Rolfes

Damwild: Höhepunkte im Überblick

Jänner–März: nach Geschlechtern getrennte Rudel über­wintern in Winter­einständen.

April: Geweihabwurf bei älteren Hirschen, später auch bei den jungen; ältere Hirsche werden wieder einzelgängerisch.

Mai: Geweihentwicklung; hochbeschlagene Tiere sondern sich ab; Spießer/Schmaltiere werden abgestoßen; Ende des Monats: Beginn der Setzzeit; Haarwechsel (Sommer).

Juni: Geweihentwicklung; ­Spießer/Schmaltiere separat; bis Anfang des Monats: Setzzeit.

Juli: Geweihentwicklung; ­Spießer/Schmaltiere wieder beim Muttertier; lose Kahlwildrudel mit geringen Hirschen; separate (lose) Rudel von ­(mittel-)alten Hirschen.

August: Anfang des Monats: Spießer verfegen; Ende des ­Monats: Ältere Hirsche beginnen zu verfegen; Kälberfleckung ­beginnt zu verschwinden.

September: Hirsche verfegen noch; ältere Hirsche lösen sich aus den Hirschrudeln und besetzen Brunftterritorien; „Vorbrunft“ mit Einstands­kämpfen; ab Mitte des Monats: Haarwechsel (Winter).

Oktober: Haarwechsel (Winter) vollendet; Einstandskämpfe der Hirsche; Auflösen der übrigen Hirschrudel; Mitte des ­Monats: Beginn der Brunft; Ende des Monats: Hochbrunft.

November: Anfang des Monats: Brunftende; nach Geschlechter­n getrennte Rudel finden wieder zusammen.

Dezember: Nachbrunft möglich; nach Geschlechtern getrennte Rudel überwintern in ­Winter­einständen.